Ausgabe 6/2006


11/01/06

Erfolgreicher 2. Europäischer Lift-Congress in Heilbronn


Am 17./18. Oktober fand der zweite European Lift Congress Heilbronn (ELCH) der Technischen Akademie Heilbronn in der Hochschule Heilbronn statt. Die Veranstalter sowie über 120 Teilnehmer aus 23 Ländern aus Europa und Nordamerika, konnten sich an der gelungenen Demonstration und Übermittlung fundierten Aufzug-Wissens erfreuen.
Kategorie: Fachaufsaetze Ausgabe 6/2006
Erstellt von: Editor

Das erarbeitete Konzept zeichnete sich durch eine interessante Mischung von Vorträgen über die Arbeiten an den Europäischen Richtlinien und Normen und der Einbeziehung von aktuellen Innovationen aus.

Der in Heilbronn seit Jahrzehnten bestehende intensive Kontakt zur Aufzugsbranche erreicht mit dieser internationalen Veranstaltung einen seiner Höhepunkte bezüglich des Weiterbildungsangebots der Technischen Akademie Heilbronn. Prof. Dr. Georg Clauss begrüßte als Geschäftsführer der Technischen Akademie Gäste und Teilnehmer und dankte für das rege Interesse an der nunmehr zweiten internationalen Veranstaltung für die Aufzugsbranche. Zweck und Ziele der Technischen Akademie Heilbronn (TAH) wurden kurz erläutert und auf die den Kongress begleitende Fachausstellung im Foyer hingewiesen.
Als Repräsentant der Hochschule Heilbronn begrüßte Rektor Prof. Dr. Gerhard Peter die Teilnehmer, (aus zeitlichen Gründen war dieses erst am zweiten Tage möglich) und stellte die Ausbildungswege der Hochschule vor, die mit über 6500 Studenten zu den großen Hochschulen des Landes zählt und 22 verschiedene Studienabschlüsse anbietet. Mit einer Zunahme der Studenten von ca. 25 % bis zum Jahr 2012 wird gerechnet und stellt die Hochschule vor enorme Aufgaben.
Als Vertreter der Stadt Heilbronn begrüßte Bürgermeister Wilfried Hajek Gäste und Teilnehmer und verwies – neben den Vorzügen des größten deutschen Rotwein-Anbaugebietes – auf die industrielle Bedeutung der Region mit seinen weltweit bekannten Unternehmen. Einer der (an siebter Stelle noch vor Stuttgart liegenden) deutschen Binnenhäfen und der Salzabbau im naheliegenden Salzbergwerk zeugen von der Vielfältigkeit.
Als Vertreter der ELA European Lift Association begrüßte Luc Rivet die Anwesenden und wies auf die erfreuliche Zunahme der Teilnehmerzahl gegenüber der ersten Veranstaltung hin. Der Aufzugsbestand – nicht nur der in Europa – bedarf einer ständigen Modernisierung und die ELA ist an der Bearbeitung dieses Themas in den zuständigen Fachkreisen präsent. Nach einer kurzen Darstellung der Arbeitsthemen in den Ausschüssen wünschte der Referent im Namen der ELA der Veranstaltung ein gutes Gelingen.
Dr. Gerhard Schiffner (STC Lift Consulting) übernahm als Leiter der von ihm konzipierten Veranstaltung die Begrüßung der Anwesenden und eine Einführung in die Thematik der Tagung. Die Veränderungen der Aufzugstechnik der letzten Jahre sind enorm und der „Triebwerksraumlose Aufzug“ hat seine wegbereiten- de Rolle vielfach demonstriert. Neue Aufzugssysteme mit reduziertem Platzbedarf für Schachtkopf und Schachtgrube sowie Plattformaufzüge für Personen mit eingeschränkter Beweglichkeit werden den Aufzugsmarkt in den nächsten Jahren beeinflussen.
Der Kongress behandelte deshalb als Schwerpunktthema „Innovation und neue Technologien bei Standardaufzügen“. Eng verbunden mit technischen Innovationen sind auch die Rahmenbedingungen, die durch Europäische Richtlinien und Normen vorgegeben sind.
Besonderen Dank übermittelte Dr. Gerhard Schiffner den Referenten dieser Veranstaltung, die einen aktuellen Überblick über das Geschehen in der Aufzugstechnik ermöglichten. Weiterer Dank wurde an die Organisationen European Lift Association ELA, die Europäische Vereinigung der Prüforganisationen CEOC, die beiden deutschen Herstellerverbände VDMA und VFA sowie den Verband der Technischen Überwachungsvereine VdTÜV gerichtet, die bei der Vorbereitung für den Kongress eine wichtige Unterstützung geleistet haben.
Den ersten Vortrag – Jan Fraser war leider kurzfristig verhindert – über die aktuelle neue Maschinenrichtlinie und die zugehörigen Änderungen der Aufzugsrichtlinie übernahm Dr. Gerhard Schiffner und eröffnete damit die Informationsreihe der Tagung. Die seit geraumer Zeit begonnene Überarbeitung der Maschinenrichtlinie und die damit verbundene Änderung der Aufzugsrichtlinie konnte nun endlich abgeschlossen werden. Die neue Maschinenrichtlinie 2006/42/EG ist am 29. Juni 2006 in Kraft getreten, deren Inhalt kommt jedoch erst nach der nationalen Umsetzung ab dem 29. Dezember 2009 verbindlich zum Einsatz. Dabei ist zunächst keine Übergangsfrist vorgesehen. Wichtige Änderungen gegenüber bisher sind, dass auch für unvollständige Maschinen ein Konformitätsbewertungsverfahren eingeführt und nun auch ein umfassendes Qualitätssicherungssystem zum Nachweis der Konformität von Maschinen aufgenommen wurde.
Ebenso wurden die Bestimmungen der Marktbeobachtung präzisiert und erweitert und zusätzliche Anforderungen für die Inhalte und Kennzeichnung der Dokumentationen festgeschrieben. Neben einer im 5-jährigen Abstand vorzunehmenden Überprüfung der Baumusterpüfbescheinigungen durch die ausstellende benannte Stelle wurden weitere Aufgaben für die benannten Stellen definiert. Im Anhang I wurden neben einer Angleichung der Terminologie an die relevanten Normen einige technische Änderungen und Klarstellungen durchgeführt. Für Aufzüge ist insbesondere der Abschnitt 6 von Bedeutung, in dem die Mindestanforderungen für Aufzüge nach der Maschinenrichtlinie festgelegt sind. Im Zusammenhang mit der gleichzeitig vorgenommenen Änderung der Aufzugsrichtlinie, ist die Abgrenzung zwischen diesen beiden Richtlinien in Zukunft klar geregelt. Alle Aufzüge mit einer Betriebsgeschwindigkeit bis 0,15 m/s fallen in Zukunft unter die Maschinenrichtlinie und müssen deren Anforderungen erfüllen. Weitere für Aufzüge relevante Richtlinien und deren Konsequenzen wurden vorgestellt.
Als Vorsitzender des CEN/TC10 gab Pierre Bianchini (KONE Belgien) eine Darstellung der in diesem Ausschuss erledigten und laufenden Arbeiten, die im Zuge der Er- und Überarbeitung innerhalb der Normenfamilie EN 81 vorgenommen wurden und werden. Die wichtigsten Arbeiten z. B. an der Revision der EN 81-1/2 wurden erläutert und Arbeiten bezüglich der noch ausstehenden Regelungen für verschiedene Aufzugsarten und deren Einsatzgebiete erwähnt. Die Überarbeitung der EN 81-1/2 wird in den nächsten Jahren große Anstrengungen benötigen, um diese weltweit führenden Normen formalen Anforderungen der CEN sowie dem veränderten Stand der Technik anzupassen. Es ist geplant, bis 2008 einen ersten Entwurf zu erarbeiten. Dabei sollen auch Möglichkeiten einer evtl. Harmonisierung der weltweit geltenden Aufzugsbestimmungen in den Regionen Europa – Nordamerika und Japan – untersucht und über die Gremien der ISO/TC 178 abgestimmt werden. Eine partnerschaftliche Zusammenarbeit in CEN/TC 10 mit Vertretern aus Russland und China in den Normungs- Gremien hat sich bereits gut bewährt und diese sollen auf lange Sicht gesehen nicht nur Beobachter sein.
Auch wenn die Schutzziele und deren technische Umsetzung in den Richtlinien und Normen ersichtlich sind, gibt die praktische Durchführung bei Herstellern und benannten Stellen oft Fragen zu Auslegungen der Texte. Diese Klärungen im Rahmen von Anwendungsempfehlungen (Recommendations for Use) herbeizuführen ist die Hauptaufgabe der horizontalen Koordination der benannten Stellen nach Aufzugsrichtlinie NB-L. Als Vizepräsident der NB-L und technischer Leiter von Lift Cert (Großbritannien) berichtete Malcolm Miles über die dort geleisteten Arbeiten. In einer grafischen Darstellung wurde die Zusammensetzung der Gremien deutlich gemacht und darauf hingewiesen, dass bei dieser Arbeit die Erfahrungen insbesondere aus der praktischen Prüftätigkeit der NB‘s berücksichtigt und Hilfestellung bei Neuentwicklungen diskutiert und Maßnahmen empfohlen werden, die jedoch nicht im Widerspruch zu den Bestimmungen der Richtlinien stehen dürfen und auch nicht zusätzlich als Parallelvorschrift aufzufassen sind. Die Sicherheit des Personals, das insbesondere an triebwerksraumlosen Aufzügen Arbeiten zur Wartung und Notbefreiung durchführen muss, sind derzeit ein wichtiges Thema der Beratung. In einer Reihe von Anwendungsempfehlungen werden präzise Anforderungen an die Zugänglichkeit von Komponenten im Schacht, Vorhandensein und Verwendung von Hilfseinrichtungen zur Notbefreiung usw. gestellt.
Dr. Harri Hakala (KONE Finnland) konnte zum Thema „10 Jahre Triebwerksraumloser Aufzug“ als an der Entwicklung unmittelbar und maßgeblich Beteiligter über die Entstehungsgeschichte quasi aus erster Hand berichten. Nach eingehender Analyse der technischen Möglichkeiten für Aufzugssysteme mit Linearantrieben sowie der Patentsituation Anfang der 90er-Jahre wurden von KONE fl ach bauende Motoren mit Permanenttechnologie weiter verfolgt. Nach ursprünglichen Überlegungen, diesen Motor im Gegengewicht zu platzieren sowie der Untersuchung anderer Einbauorte entstand das bekannte Konzept des Monospace mit einem Antrieb im Bereich des Schachtkopfes. Die erste Einführung des Monospace erfolgte am 14. März 1996 mit einer 450-kg-Version. Inzwischen sind weltweit über 150 000 Anlagen mit dieser Technik installiert. Das Motorkonzept wurde konsequent auch für den Einbau in einem Triebwerksraum weiter entwickelt. Heute sind Motoren für bis zu 5000 kg Nennlast und bis zu 17 m/s Nenngeschwindigkeit bei Hubhöhen bis zu 400 Meter machbar. Die einzelnen Entwicklungsstufen wurden erörtert und der Referent gab einen Ausblick auf zukünftige Lösungen mit dieser Technik. Im Zuge der Weiterentwicklung wurde auch der Maxispace eingeführt der durch den Wegfall des Gegengewichtes eine Erhöhung des Verhältnisses von Schachtfläche zu Fahrkorbfläche ermöglicht und so eine weitere Reduzierung des erforderlichen Raumes für die Aufzugstechnik erlaubt.
Im Zuge der Untersuchungen von Möglichkeiten zur Reduzierung der Größe von Komponenten ist bei triebwerksraumlosen Aufzügen insbesondere das Triebwerk von großer Bedeutung. Bestimmender Faktor für das Drehmoment und damit der Größe des Triebwerkes ist der Treibscheibendurchmesser, welcher jedoch aus sicherheitstechnischen und Lebensdauer- Gründen an Minimalwerte technisch gebunden ist. Ein Ersatz des bisher bewährten Drahtseiles konnte durch die Verwendung eines Flachriemens gefunden werden, das als Folge – auch bei Einhaltung des geforderten D/d Verhältnisses – zu kleinerem Treibscheibendurchmesser führt. Diese OTIS-Lösung stellte Dr. Pascal Rebillard von OTIS Frankreich vor. Die Drahtseile kleinen Durchmessers wurden in einem Kunststoffmantel nebeneinander gelegt und ergaben ein etwa 30 mm breites Band, welches zudem noch den Vorteil eines besseren Reibwertes als Stahl aufzuweisen hatte. Treibscheibendurchmesser von 80 bis 100 mm anstelle 400 bis 575 mm unter Einhaltung des Durchmesserverhältnisses 40:1 sind möglich geworden. Die Folge war eine starke Reduzierung des Motor-Drehmomentes und damit war auch die Entwicklung kleinerer Antriebe, entweder über Getriebe oder als getriebeloser Direktantrieb möglich geworden. Anfängliche Probleme mit dem zentrierten Lauf der nebeneinander liegenden Tragbänder und Geräuschprobleme beim Bandablauf von der Treibscheibe sind inzwischen gelöst und der Einsatz dieser Technik erfolgt seit mehreren Jahren. Weltweit sind inzwischen über 30 000 Anlagen in Betrieb. Die Überwachung der einzelnen Seile erfolgt elektronisch permanent und erlaubt damit eine rechtzeitige Erkennung der Ablegereife des Tragmittels.
Die prEN 81-21 für neue Personen- und Lastenaufzüge in bestehenden Gebäuden ist eine seit Jahren in Beratung befindliche und dringend erwartete Norm. Ende 2006 soll der Normentwurf in das Zustimmungsverfahren eingeleitet werden, erklärte der Leiter der zuständigen Normungsgruppe Giovanni Varisco (ECD Lift Italien). Nach bereits 2 durchgeführten Umfrageverfahren und sehr vielen sowie teilweise kontroversen Kommentaren wurde die Norm anhand einer ausführlichen Risikobeurteilung nochmals überarbeitet. Die Norm enthält alternative Maßnahmen zur EN 81-1/2, wenn bauliche Verhältnisse in bestehenden Gebäuden die Anwendung der EN 81-1/2 nicht zulassen. Neben Anforderungen für einen getrennten Schacht für das Gegengewicht und reduzierte Höhen von Durchgängen und Triebwerksräumen behandelt die Norm insbesondere Anforderungen an temporär durch technische Einrichtungen hergestellte Schutzräume. Die Funktion von beweglichen Anschlägen und vorgesteuerten Anhaltevorrichtungen zur Absicherung der Schutzräume sowie das damit verbundene elektrische Sicherheitssystem wurden ausführlich erläutert. Bedingt durch die reduzierten Schachtabmessungen sind auch spezielle Lösungen für ausfahrbare Geländer und Fahrkorbschürzen erforderlich, die ebenfalls vorgestellt wurden. Da Aufzugstypen mit reduzierten Schachtabmessungen selbst bei neuen Gebäuden immer stärker auf den Markt drängen und von den Architekten und Planern gerne eingesetzt werden, kommt der Norm eine entscheidende Bedeutung zu. Auch wenn sich die Norm auf bestehende Gebäude beschränkt, werden diese auch in neuen Gebäuden eingesetzt. Die endgültige Fassung der Norm wird 2007 erwartet.
Insbesondere für die Realisierung der Anforderungen der prEN 81-21 sind Komponenten erforderlich, die diesen Bestimmungen voll entsprechen und eine sichere Handhabung ermöglichen. Die Auswahl solcher Einrichtungen zur Herstellung  von Schutzräumen stellte Wolfgang Adldinger (Wittur AG Deutschland) vor. In seinem Beitrag wurden die Voraussetzungen für die Anwendung von Komponenten zur Herstellung von Schutzräumen erläutert und die verschiedenen Einsatzmöglichkeiten anhand ausgeführter Anlagen erläutert. Eine von WITTUR angebotene Lösungsmöglichkeit sind bewegliche Anschläge, die sowohl stationär in der Schachtgrube als auch im Schachtkopf aber auch direkt am Fahrkorb oder Gegengewicht angebracht werden können. Die automatisch einrückbaren Anschläge werden durch Schalter an den Notentriegelungen der Zugangstüren ausgelöst. Signaleinrichtungen in den Schutzräumen können die sich dort aufhaltenden Personen über eine sichere Stellung der Anschläge informieren. Der Referent vertritt die Meinung, dass automatisch wirkenden und elektrisch kontrollierten Einrichtungen in jedem Falle der Vorzug einzuräumen ist. Die nach Belastungsklassen sortierten Einrichtungen sind für Anlagen bis zu 6ooo kg Fanglast und bis zu 1,5 m/s Betriebsgeschwindigkeit zugelassen. Zukünftig kann durch eine zusätzliche videogestützte Zustandsüberwachung dieser zertifizierten Schutzeinrichtungen die Sicherheit des Montage- und Prüfpersonals weiter erhöht werden.
    
Der zwischen den beiden Tagen liegende Abend war eine selten gebotene Gelegenheit der Besichtigung moderner Automobilproduktion, die sich als ein besonderer Höhepunkt herausstellte. Nach kurzer Busfahrt fand der Empfang im architektonisch futuristisch gestalteten AUDIFORUM statt und es gab dort auch die Möglichkeit, die erfolgreichen Wagen des Motorsports und die neuesten Modelle der AUDI-Produktionspalette besichtigen und „probesitzen“ zu können. Nach einer einführenden Filmvorführung über die Entstehungsgeschichte des Werkes und der Marke AUDI erfolgte die Werksführung mit jeweiliger Kopfhörerausstattung in einer deutschsprachigen und zwei englischsprachigen Gruppen. Die Ausdehnung des Werkes machte immer wieder eine Werks-Busfahrt erforderlich und der Eindruck der Werkshallen erinnerte mehr an eine Klinik als an eine metallverarbeitende Werkshalle, wenn da nicht die Geräuschkulisse der verarbeitenden Maschinen bzw. Roboter gewesen wäre. Insbesondere war die technische Lösung und Verarbeitung von Leichtmetall in Kombination mit Werkstücken aus Stahl oder Stahlguss eine lehrreiche Information. Über eine hochfeste und klar abgegrenzte Klebeverbindung wurden kathodische Probleme zwischen den unterschiedlichen Metallen vermieden und das könnte auch Anlass zu Überlegungen einer Anwendung im Aufzugbau wert sein. Der anstrengende Werksdurchgang wurde mit einem hervorragenden Abendessen mit Weinen aus der Region bei bester Stimmung und mit besonderem Dank an die Gastgeber und Organisatoren abgeschlossen.
Als erster Referent des zweiten Tages nahm Andreas Hunziker (Bucher Hydraulics, Schweiz) Stellung zum Thema „Hydraulische Aufzüge – fit für die Zukunft“. Bekannterweise ist die Marktsituation für Hydraulik in den letzten 10 Jahren als Folge der „Triebwerksraumlosen Seilaufzüge“ schwieriger geworden. Mit über 7000 Beschäftigten fertigt Bucher Hydraulics nicht nur für die Aufzugsbranche, profitiert jedoch vom Erfahrungspotenzial anderer Branchen. Mit moderner Ventiltechnik konnte der Entwicklung und den Ansprüchen bezüglich Fahrqualität den Marktbedürfnissen gefolgt werden. Die Lage des Triebwerksraumes war bei Hydraulikaufzügen noch nie ein besonderes Problem, deshalb konnte auch dem Trend nach triebwerksraumlosen Ausführungen ohne besondere Anstrengungen gefolgt werden. Die Drehzahlregelungen des Pumpenmotors ergaben eine wesentliche Verbesserung des Geräuschverhaltens und bewirkten zudem eine erhebliche Reduzierung des Energiebedarfs. Weitere Lösungen mit Druck-Zwischenspeicher und teilweisem Ausgleich der Totlasten machten hydraulische Aufzüge für viele Anwendungsfälle in hohem Maße wettbewerbsfähig. Ein hoher Anteil hydraulischer Aufzüge ist modernisierungsbedürftig und stellt hier einen erhebliches Marktpotenzial dar. Die entsprechenden Modernisierungs-Bausätze tragen dazu bei, die Kostenbelastung der Betreiber in erträglichem Rahmen zu halten und so insgesamt die Realisierung moderner Sicherheitsbestimmungen zu fördern und zu beschleunigen.
Die zunehmende Verwendung triebwerksraumloser Aufzugsanlagen beeinflusste in erster Linie den Elektromotorenbau. Der Trend war und ist eindeutig in Richtung getriebelosem Antrieb, da der Platzvorteil auch bei der Modernisierung von Anlagen von Vorteil ist. Roland Hoppenstedt (Ziehl Abegg AG, Deutschland) erinnerte, dass Ziehl-Abegg bereits seit 1990 die Entwicklung von getriebelosen Antrieben eingeleitet hat. Grundlage war das Prinzip des Linearmotors, welches hier nochmals erklärt und der weiteren Entwicklung zugrunde gelegt wurde. Bei der Suche nach praktikablen Lösungen waren die Parameter Treibscheibendurchmesser, patentrechtliche Situation, sowie die Anordnung des Antriebes im Schacht einschließlich der Berücksichtigung der Montage (Gewicht) und der Zugänglichkeit (Wartung) von Bedeutung. Auch die Marktsituation gegenüber den hydraulischen Antrieben musste untersucht und berücksichtigt werden. Das Prinzip des Außenläufermotors wurde ebenfalls erläutert und die getroffene Lösung vorgestellt. Die entsprechenden Einsatzgebiete konnten aufgezeigt werden und die Entscheidung, ob die Flachbauweise oder die langgestreckte Außenläuferversion gewählt wird, hängt meistens von den vor Ort anzutreffenden Platzverhältnissen ab. Die Verwendung kleiner Seildurchmesser ermöglicht die Reduzierung der Treibscheibendurchmesser und damit der Drehmomente, was zu insgesamt kleineren Antrieben führte. Die lieferbaren Baureihen können alle Bedarfsfälle abdecken und die weitere Entwicklung ist dahin ausgerichtet, dass neben dem Antrieb auch die zugehörigen auf den Motor abgestimmten Regelungen als Gesamtpaket zur Auslieferung kommen.
Die demographische Entwicklung zwingt die Aufzugsindustrie darüber nachzudenken, welche technischen Lösungen für den Vertikaltransport angeboten werden können – die von den Betroffenen auch finanzierbar sind – um den Aufenthalt in der gewohnten Umgebung möglichst lange zu ermöglichen. Ulf W. Thorn (Cibes Lift, Schweden) sowie Marco Marcetti (Vimec Italien) und Carlo Beletti (IGV, Italien) erläuterten in einem zusammengefassten Themenblock die Bemühungen der Normen und untermauerten den Bedarf für Plattformaufzüge mit entsprechenden praktischen Erfahrungen, insbesondere derjenigen in Schweden. Dabei sind Plattformaufzüge nicht als Ersatz für normale Aufzüge zu sehen. Dies ergibt sich insbesondere durch technische Beschränkungen dieser Aufzüge nach der Maschinenrichtlinie, die ihre Nutzung erschwert und einschränkt. Wichtigster Punkt ist die max. Betriebsgeschwindigkeit von 0,15 m/s sowie die Steuerung ohne Selbsthaltung (Totmannsteuerung), die auch eine praktische Begrenzung der Hubhöhe nach sich zieht. Der Einsatz von Plattformaufzügen empfiehlt sich daher eher in privat genutzten Gebäuden oder in Gebäuden mit wenigen Stockwerken, in denen behinderte Personen in die Benutzung eingewiesen oder mit Hilfe einer Hilfsperson gefahren werden können. Damit werden Plattformaufzüge vorwiegend dort eingesetzt, wo ein normaler Aufzug aufgrund der baulichen Situation oder des Preises nicht zum Einsatz kommen würde. Die Ergebnisse der bisherigen Normungsarbeiten an der prEN 81- 41 wurden erläutert und auf die Unterschiede zur EN 81-1/2 hingewiesen. Zur Verdeutlichung der empfohlenen Einsatzbedingungen wurden Beispiele von ausgeführten Anlagen gezeigt. Ulf W. Thorn stellte in seinem Beitrag auch kurz den Europäischen Verband für Plattformaufzüge und Treppenlifte EPSA vor, in dem sich Hersteller von diesen Aufzugsarten zusammengeschlossen haben.
Philippe Lamalle (OTIS, Frankreich) berichtete als Vorsitzender der ISO/TC 178 über die aktuellen Arbeiten und weiteren Aufgaben und Ziele auf internationaler Ebene. Die Struktur der ISO und ihrer Arbeitsgremien wurde erläutert und auch deren personelle Zusammensetzung aufgezeigt. Neben den bisher erstellten Normen wurden auch die derzeit in Beratung befindlichen Entwürfe genannt und kurz kommentiert. Seit geraumer Zeit laufen die Bemühungen, die international existierenden Normen zu vergleichen und auf die Möglichkeit einer Harmonisierung zu prüfen. Derzeit sind weltweit als führende Normen die EN 81 (Europa), die A17.1/ B44 (USA/Canada), und die JIS (Japan) in der Anwendung, wobei die EN 81 einen Abdeckungsgrad von über 80% bei Neuanlagen hat. Die Globalisierung der Märkte fordert eine Vereinheitlichung der Anforderungen an Aufzüge im Hinblick auf deren Sicherheit und Verfahren zu Bewertung und Konformität. Zu diesem Zweck wurde vor ein paar Jahren das Projekt zur globalen Harmonisierung begonnen, in dessen Rahmen die ISO/TS 22 559-11) für globale Sicherheitsanforderungen bereits veröffentlicht ist. Damit sind die Grundelemente vorhanden, um auch in anderen Ländern außerhalb Europas ein ähnliches System zur Aufzugsrichtlinie einzuführen und damit Innovationen schneller in den Märkten einführen zu können. Zudem werden über diese Aktivitäten auch die weltweit führenden Normen angeglichen. Die Vision einer weltweit einheitlichen Aufzugsnorm könnte mit diesen Vorarbeiten eines Tages erreicht werden.
In dem technisch hochinteressanten Schlussvortrag konnte Gerhard Thumm (ThyssenKrupp Elevator Deutschland) die Teilnehmer nochmals fesseln und eine für die Aufzugsindustrie neue Technik erörtern. Programmierbare elektronische Systeme in sicherheitsrelevanten Anwendungen von Aufzügen war das Thema und aus erster Hand konnte die Systematik der Lösungsfindung erfahren werden. Sicherheit ist die Schlüsselfrage Nr. 1 im Aufzugbau und dies schlägt sich auch in den normativen Anforderungen an die Bauteile nieder. Die Anwendung von softwarebasierten Lösungen für elektrische Sicherheitseinrichtungen wurde mit der Mitte dieses Jahres veröffentlichten Änderung A1 der Normen EN 81-1/2 nun auch bei Aufzügen als Alternative zu elektrischen Sicherheitseinrichtungen sowie Sicherheitsschaltern und Sicherheitsschaltungen eingeführt. Die Grundlagen dieser Technik sowie Elemente zur Realisierung von PESSRAL-Lösungen wurden aufgezeigt. Mit dieser Technik lassen sich aber nicht nur herkömmliche elektrische Sicherheitseinrichtungen ersetzen, sondern auch bisher mechanisch ausgeführte Sicherheitseinrichtungen können damit ersetzt werden. Ein Beispiel dafür ist der Geschwindigkeitsbegrenzer, dessen Überwachungsfunktion auch mit Hilfe von Sensoren und Elektronik sicher ausgeführt werden kann. In dem Aufzugssystem TWIN, in dem zwei Fahrkörbe im gleichen Schacht übereinander fahren, wurde ein Sicherheitssystem zur Kollisionsverhinderung auf Basis PESSRAL entwickelt und mittlerweile auch mehrfach ausgeführt. Damit konnte das mechanische Sicherheitssystem der ersten Generation des TWIN ersetzt werden, das bei großen Nenngeschwindigkeiten Nachteile hinsichtlich der einzuhaltenden Mindestabstände gehabt hätte. Das Sicherheitssystem und dessen Funktion sowie die darin vorgesehenen Maßnahmen zur Realisierung der höchsten Sicherheitsstufe wurden erläutert.
In seinem Schlusswort dankte Gerhard Schiffner den Teilnehmern für ihre Aufmerksamkeit und die lebhaften Diskussionsbeiträge sowie den Referenten für die interessanten Beiträge und Informationen. Der nächste European Lift Congress ist für Herbst 2008 geplant und wird rechtzeitig in der Fachpresse bekannt gemacht werden.
Mit dem Wunsch einer problemlosen Rückreise beendete Gerhard Schiffner die Tagung.
Der Tagungsband in englischer Sprache einschließlich einer CD mit den Vorträgen kann bei der Technischen Akademie gegen einen Unkostenbeitrag über tah@fhheilbronn.de unter Nennung der Empfängeradresse bestellt werden.
Otto Bielmeier

6/2006