Ausgabe 6/2008


11/01/08

Erneut ein erfolgreicher und aktueller Europäischer Lift-Congress Heilbronn (ELCH)


Am 23./24. September 2008 fand der dritte European Lift Congress Heilbronn, veranstaltet von der Technischen Akademie Heilbronn (TAH) in der Hochschule Heilbronn statt. Über 100 Teilnehmer aus 14 europäischen Ländern sowie aus USA und Israel konnten sich an der gelungenen Übermittlung aktueller Themen des Aufzugsbaues mit fundierten Vorträgen durch kompetente Referenten erfreuen.

Kategorie: Fachaufsaetze Ausgabe 6/2008
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Das von Dr.-Ing. Gerhard Schiffner erneut erarbeitete Konzept zeichnete sich durch eine interessante Mischung von Vorträgen über die Arbeiten an den Europäischen Richtlinien und Normen und der Einbeziehung von aktuellen Innovationen – mit dem Themenschwerpunkt „Energieeffizienz im Aufzugsbau“ aus.

Die Tagung eröffnete Prof. Dr. Georg Clauss und begrüßte als Geschäftsführer der Technischen Akademie Gäste und Teilnehmer und dankte für das rege Interesse an der nunmehr dritten internationalen Veranstaltung für die Aufzugsbranche. Zweck und Ziele der Technischen Akademie Heilbronn (TAH) wurden kurz erläutert und auf die den Kongress begleitende Fachausstellung im Foyer hingewiesen, die eine starke Erweiterung erfahren hatte.

Als Repräsentant der Hochschule Heilbronn begrüßte Rektor Prof. Dr. Schröder die Teilnehmer und stellte die Ausbildungswege der Hochschule vor, die mit derzeit über 5300 Studenten zu den großen Hochschulen des Landes zählt und 22 verschiedene Studienabschlüsse anbietet. Mit einer Zunahme der Studenten von ca. 25 % bis zum Jahr 2012 wird gerechnet und stellt die Hochschule vor enorme Aufgaben. Der in Heilbronn seit Jahrzehnten bestehende intensive Kontakt zur Aufzugsbranche erreicht mit dieser internationalen Veranstaltung wiederum einen seiner Höhepunkte bezüglich des Weiterbildungsangebots der Technischen Akademie Heilbronn.

Der Generalsekretär der European Lift Association ELA Luc Rivet richtete ebenfalls ein Grußwort an die Teilnehmer und unterstrich die Bedeutung des Themenschwerpunkts „Energieeffizienz und Ökologie“ für die Aufzugsindustrie. Die ELA war auch in diesem Jahr neben den beiden Deutschen Herstellerverbänden VDMA und VFA und dem Verband der Technischen Überwachungsvereine VdTÜV einer der ideellen Träger der Veranstaltung.

Dr.-Ing. Gerhard Schiffner eröffnete als Leiter die von ihm konzipierte Veranstaltung mit der Begrüßung der Anwesenden und gab eine Einführung in die Thematik der Tagung. Die Veränderungen der Aufzugstechnik der letzten Jahre sind enorm und die „Energieeffi zienz für Aufzüge“ bestimmt derzeit die Aktivitäten in der nationalen und internationalen Normung ebenso wie in den Entwicklungsbüros der Unternehmen. Besonderen Dank übermittelte Dr. Schiffner den Referenten sowie den ideellen Trägern der Veranstaltung.

Den ersten Vortrag mit dem Thema „Europäische Regelungen für Aufzüge“ übernahm Frau Beata Pich von der Europäischen Kommission in Brüssel.

Die Struktur der Aufgaben und deren Verantwortlichkeiten in der EG-Kommission wurden erläutert und auf die Veränderungen durch die neue Maschinenrichtlinie und die dadurch geänderte Aufzugsrichtlinie hingewiesen. Die bisherigen Unklarheiten in der Abgrenzung zwischen den beiden Richtlinien sind bereinigt, da eine eindeutige Zuordnung der Aufzüge fixiert wurde.

Weitere Fragen zur Aufzugsrichtlinie wurden in einem Leitfaden besprochen, der von der Webseite der Europäischen Kommission heruntergeladen werden kann. Für die nächsten Jahre ist eine Überarbeitung der Aufzugsrichtlinie angedacht, in der neben Fragen zu den Konformitätsbewertungsverfahren und der Marktaufsicht insbesondere auch Unklarheiten zu den Anforderungen an Schutzräume in Anhang I, Punkt 2.2 geklärt werden sollen.

Die Energieeffi zienz von Aufzugsanlagen war für die folgenden 5 Vorträge des ersten Tages das Schwerpunktthema. Esfandiar Gharibaan von KONE International, Belgien, führte in das Thema ein und erläuterte die derzeitigen Aktivitäten im Bereich der Europäischen Richtlinien sowie im Bereich der Normung in der ISO sowie auf nationaler Ebene. Auch der Europäische Herstellerverband ELA unterstützt diese Aktivitäten und ist Partner eines von der Europäischen Kommission geförderten Projektes über die Energieeffizienz von Aufzügen und Fahrtreppen (4E).

Gerhard Thumm von ThyssenKrupp Elevator (CENE), Deutschland, ging auf den derzeitigen Beratungsstand der VDI 4707 ein und zeigte auf, wie die Ermittlung der Kennwerte und Effi zienzklassen durchgeführt werden kann und welche Resultate sich daraus für beispielhafte Anlagen ergeben. In Aufzugsgruppen ist der Energiebedarf der Aufzüge auch wesentlich vom gewählten Gruppenalgorithmus abhängig. Dr. Richard Peters von Peter Research, Großbritannien, wies darauf hin, dass die Zielgrößen einer geringen Wartezeit sowie einer optimalen Verkehrsabwicklung teilweise konträr zu einer Optimierung des Energiebedarfs laufen. An Beispielen demonstrierte er, wie sich unterschiedliche Algorithmen auf das Verkehrsverhalten auswirken.

In zwei weiteren Vorträgen wurden die Möglichkeiten zur Reduzierung des Energiebedarfs bei Aufzugskomponenten betrachtet. Uli Vetter von Ziehl Abegg, Deutschland, konzentrierte sich auf die Effizienz von Antriebssystemen. Lars Kollmorgen von Kollmorgen Steuerungstechnik, Deutschland, berichtete über die Potentiale bei derAufzugssteuerung sowie der elektrischen Ausrüstung.

Die gestellten Fragen an die Referenten beweisen ferner, dass ein umfangreicher Informationsbedarf zu diesem Thema besteht. Klar zu erkennen war, dass das Produkt Aufzug an vielen Stellen die Möglichkeit der Energieeinsparung ermöglicht und die technische Entwicklung (wenn auch in vielen kleinen Schritten) auf diesem Gebiete noch lange nicht abgeschlossen ist.

Einen Blick in die Zukunft bot Markus Klettner von der European Spaceward Association , Luxemburg, und stellte das Projekt des Space Elevator vor, der die Erdoberfläche über ein Seil mit einer Orbitstation verbinden soll, an dem eine Kabine Personen und Material transportieren kann. Die damit verbundenen Herausforderungen sowohl an den Antrieb und seine Energiezufuhr als auch an die Materialien des Verbindungsseiles bergen noch viele technische und ökonomische Probleme. Als Zeitrahmen konnten die Jahre 2030 bis 2050 bis zu einer ersten Realisierung genannt werden.

Der erste Tag endete mit einem interessanten Einblick in eine hochmoderne Prototypenfertigung von Getrieben bei der Firma GETRAG in Untergruppenbach. Das weltweit agierende Unternehmen erreichte im letzten Geschäftsjahr einen Umsatz von 2,4 Mrd. Euro und beschäftigte 10 500 Mitarbeiter. Insgesamt konnten in den weltweit verteilten Fabriken 3 Mio. Getriebe und 0,9 Mio. Achsen für die Automobilindustrie hergestellt werden, wobei kaum ein Autohersteller in der Kundenliste fehlt. Der Abend fand seinen
würdigen kulturellen Abschluss auf der seit dem 11. Jahrhundert über dem Ort Untergruppenbach weithin sichtbaren Burg Stettenfels. Unter den inzwischen 33 wechselnden Besitzern waren auch die Kaufmannsleute der Fugger-Familien aus Augsburg, die die Burg mehrere Hundert Jahre besaßen und diese mit einem Schlossbau ergänzten.

Auch heute noch gilt der „Fugger-Saal“ als vielseitig genutzter Veranstaltungsort und war auch Treffpunkt der ELCH-Teilnehmer zu einem ausgezeichneten Buffet.

Der zweite Tag begann mit einem weiteren Vortrag zum Thema Umweltschutz, in dem Louis Bialy von Otis, USA, auf ökologische Betrachtungen für ein Aufzugsunternehmen einging. In einer gesamtheitlichen Betrachtung aller ökologischen Aspekte eines Aufzugsunternehmens müssen alle Lebensphasen des Aufzugs von der Produktion, über den Betrieb bis hin zur Entsorgung betrachtet werden. Dabei sind neben dem Energiebedarf für die Herstellung und den Betrieb auch mögliche Umweltschäden durch die verwendeten Werkstoffe und die mögliche Kontaminierung der Luft, der Erde und des Wassers zu betrachten. Otis hat in China die erste grüne Fabrik eröffnet, die nach diesen Kriterien ausgelegt ist.

Karl Edelmann vom TÜV Süd Services, Deutschland, erläuterte, dass auch durch elektromagnetische Strahlungen Verschmutzungen entstehen können und wie diesen Problemen begegnet werden kann. Walter Schmid von Schindler, Schweiz, stellte die laufenden Aktivitäten zur Überarbeitung der EN 81-1/2 vor. Im Laufe des kommenden Jahres soll eine Entwurfsfassung erarbeitet werden, in der eine Vielzahl von Punkten auf Basis von Risikobeurteilungen überprüft und geändert bzw. dem Stand der Technik angepasst werden sollen. Die Veröffentlichung der neuen Normenteile EN 81-20 und EN 81-50, in die die EN 81-1/2 überführt werden sollen, wird frühestens 2010 erfolgen.

 

Jean-Pierre Vestri von KONE, Frankreich, erläuterte die Maßnahmen und Verpfl ichtungen zur Verbesserung der Sicherheit bestehender Aufzüge in Frankreich. In 3 Stufen müssen in den kommenden 15 Jahren insgesamt 17 Gefährdungen berücksichtigt und Maßnahmen zur Verbesserung der Sicherheit durchgeführt werden . Darüber hinaus muss ein Wartungsvertrag mit einem qualifizierten Instandhaltungsunternehmen abgeschlossen werden und die Aufzüge müssen spätestens alle 5 Jahre von einer unabhängigen Stelle geprüft werden. Das weiterhin aktuelle Thema Evakuierung von Gebäuden in Notfällen wurde von Roger Hawkins von Arup, Großbritannien, aufgegriffen. Aufzüge werden in immer mehr Gebäuden zur Evakuierung besonders von Personen mit eingeschränkter Beweglichkeit eingesetzt. Beispiele für derartige Evakuierungskonzepte wurden vorgestellt und über die laufenden Normungsaktivitäten informiert.

Gerhard Bräuer von CEDES, Schweiz, zeigte die Möglichkeiten neuer Technologien zur intelligenten Türüberwachung mit Hilfe der 3-D Kameratechnik vor. Mit dieser neuen Technologie kann sowohl der Komfort für den Benutzer wie auch die Sicherheit deutlich erhöht werden. Die Sicherheit von Benutzern im Falle einer Störung des Aufzugs ist durch ein funktionierendes Fern-Notrufsystem gewährleistet. Emanuele Emiliani von DMG, Italien, ging in dem letzten Vortrag der Veranstaltung auf die Zuverlässigkeit und die Möglichkeiten heutiger Kommunikationsnetzwerke, insbesondere auf Basis von Mobilfunknetzen ein.

Als Leiter und Initiator der Veranstaltung stellte Dr. Gerhard Schiffner fest, dass die rege Diskussion zu den Beiträgen die hohe Qualität der Themen und der Vortragende bestätigte. Diese Veranstaltung wird ihre Fortsetzung in zwei Jahren mit dem 4. European Lift Congress erfahren und bis dahin sicherlich neue und alte Themen zur intensiven Diskussion stellen.

Dr. Schiffner dankte den Teilnehmern für ihr Interesse an der Veranstaltung und wünschte eine gute und sichere Rückreise.

Otto Bielmeier

 

6/2008