Ausgabe 6/2008
VDMA Juniorentreffen in Dresden

Am neunten und zehnten Oktober fand der VDMA Juniorentag in Dresden statt. Der Einladung des VDMA und der Wittur Electric Drives GmbH folgten ca. 40 Junioren aus der ganzen Republik.

Dipl.-Ing. Klaus Gerhards, Geschäftsführer der Wittur K+S GmbH, begrüßte die Teilnehmer. Er wies auf die vielen Erfindungen hin, die in Dresden ihren Ursprung haben. So zählt die Tageszeitung, weißes Porzellan, Zahncreme, Kaffeefiltertüten, Nähmaschine und Kondensmilch zu den Errungenschaften aus der Barockmetropole.
Der Vorsitzende des Fachverbands Aufzüge und Fahrtreppen, Albert Schenk (OSMA Aufzüge), erläuterte in seiner Ansprache die Geschichte des VDMA Juniorentreffens und führte den Referenten des anschließenden Vortrages ein, Dipl.-Ing./Arch. Christoph Frenzel, der Geschäftsführer der Stiftung Frauenkirche, der einen ausführlichen Überblick über die Geschichte der Kirche gab und dann über den Wiederaufbau des Baudenkmals berichtete. Der Wiederaufbau war ein einmaliges Ereignis, welches nicht nur Dresden betraf, die Kosten beliefen sich auf etwa 131 Mio. Euro wobei 2/3 aus Spenden kamen. Seit ihrer Weihe im Jahre 2005 besuchten 6,6 Mio. Menschen das Gotteshaus. Bis zu 1500 Besucher kommen zu den Gottesdiensten oder den Konzerten.

In der Unterkirche gibt es eine kleine Ausstellung, die den Wiederaufbau dokumentiert.
Schon im 11. Jahrhundert wurde an der Stelle der heutigen Frauenkirche eine kleine romanische Kirche erbaut, die der Jesusmutter Maria geweiht war und folglich „Zu unserer lieben Frauen“ hieß.

Der Rat der Stadt Dresden beschloss 1722, eine neue Kirche zu bauen. Er beauftragte den Architekten und Ratszimmermeister George Bähr mit der Planung. Am 26. August 1726 wurde der Grundstein gelegt, und bis 1743 entstand ein barocker Neubau. Die Außenkuppel sollte nach Bährs ursprünglichen Plänen aus Holz bestehen und mit Kupfer verkleidet werden. Allerdings lag der Bau in den Jahren 1731 bis 1733 brach, da das Kupfer zu teuer war. Bähr schlug daraufhin eine Steinkuppel vor, von der er sich eine großartigere Wirkung versprach.
Die Dresdner Kuppel ruhte auf acht Pfeilern im Innenraum, die zu den Diagonalen etwas enger standen als zu den Hauptachsen und so eine Kreuzform andeuteten.
Die Außenmauern bildeten einen annähernd quadratischen Grundriss. Die Treppentürme in den Ecken dienten als Widerlager für die Kuppel und führten zu Emporen zwischen den Pfeilern.

Die Frauenkirche hatte eine Gesamthöhe von ca. 91 m. Sie war ca. 42 m breit und 50 m lang. Die Kuppel begann in einerHöhe von etwa 40 m, und die Laterne – der Kuppelaufsatz – öffnete sich in luftiger Höhe von 62 Metern über dem Neumarkt von Dresden. Die aus sächsischem Sandstein gemauerte Steinkuppel hatte unten einen Außendurchmesser von ca. 26 m.
Bautechnische Schwächen verursachten immer wiederkehrende Reparaturen, die vor allem mit der massiven Steinkuppel zusammenhingen. Ihre Hauptlast mussten die acht Innenpfeiler im Kirchenschiff aufnehmen, entgegen der Meinung George Bährs, der auch von einer Lastverteilung über die Außenmauern ausging.
Nach dem Luftangriff auf Dresden durch britische und amerikanische Bomber in der Nacht vom 13. auf den 14. Februar 1945 brannte die Frauenkirche vollständig aus. Die Frauenkirche war dem Feuersturm schutzlos ausgesetzt, der im Stadtzentrum, mit einer Brandhitze von bis zu 1200 Grad Celsius, am stärksten wütete.
Der Hauptgrund für den Einsturz des Gebäudes war der mit viel Holz ausgestattete Innenraum, der nach dem Schmelzen der Fenster dem Feuer reichlich Nahrung bot. Lange nach dem Angriff brannte die Frauenkirche immer noch, während die Kuppel über den Ruinen thronte. Am 15. Februar um 10 Uhr morgens konnten die ausgeglühten Innenpfeiler schließlich die Last der gewaltigen Gewölbekonstruktion mit der steinernen Kuppel nicht mehr tragen. Ein riesiger Trümmerberg lag da, wo einmal die Kirche war.
Nach dem Krieg wurden auf Initiative des damaligen Landeskurators Hans Nadler erste Untersuchungen zum Wiederaufbau durchgeführt. 1947 wurde der Altar gesichert und zugemauert, um ihn vor der Witterung zu schützen. Der Trümmerberg wurde mit Rosen bepflanzt.
So blieb der Trümmerberg mitten im Stadtzentrum von Dresden über 40 Jahre lang als Mahnmal erhalten. Viele überlebende Dresdner gedachten hier ihrer bei den Bombenangriffen ums Leben gekommenen Angehörigen, für die es oft keine Gräber gab.
Die Idee eines Wiederaufbaus des Gotteshauses nahm nach der Wende immer konkretere Formen an.
Der Grundstein der neuen Frauenkirche wurde am 27. Mai 1994 gelegt. 1996 begann der eigentliche Wiederaufbau; der Baumeister war Eberhard Burger.
Für den Wiederaufbau wurde der Trümmerhaufen ab dem 4. Januar 1993 Stein für Stein abgetragen und alle noch brauchbaren Trümmersteine vermessen, katalogisiert und eingelagert. Aus der Lage im Trümmerberg und mit teilweise extra für diese Aufgabe erstellten Geo-Computerprogrammen konnte bei vielen Steinen der ursprüngliche Platz im Gemäuer ermittelt werden. Aus den Trümmern konnten über 8000 Stücke geborgen und davon 3539 Stücke in die Außenfassade eingebaut werden.
Beim Wiederaufbau wurden die katalogisierten Steine, insgesamt 43 Prozent der Original-Bausubstanz, teilweise wiederverwendet. Sogar einige große Fundstücke konnten im Ganzen wieder an ihren ursprünglichen Platz gehoben werden. Die Reste des Eckturms und des Chors wurden ebenfalls in den Bau integriert. Alleine diese damals stehengebliebenen Ruinenteile machen 34 Prozent der Gesamtmasse aus.

Nur bei dem komplizierten Kuppelbau (steinerne Glocke) konnten aus Statikgründen ausschließlich neue Sandsteine zum Einsatz kommen. Die Steine der Kuppel sind einer besonders starken Belastung ausgesetzt. Da die alten Sandsteine beim Brand einer hohen Hitze ausgesetzt waren, wollte man hinsichtlich ihrer Stabilität kein Risiko eingehen.
Zwei versteckte stählerne Ringanker und ein verstecktes Stahlgerüst tragen nun die Kirche anstelle der damaligen Konstruktion. Die Stahlelemente können zur Not auch ausgetauscht werden, da sie zugänglich gebaut wurden.
Dank moderner Fertigungsmethoden konnten die Sandsteinblöcke der Pfeiler millimetergenau zugesägt werden. Mit Konstruktionsprogrammen (Catia V. 4.2.)aus dem Flugzeugbau wurde die Geometrie der 560 unterschiedlichen Sandsteinplatten des Kuppelanlaufs ermittelt, denn die von der Kuppel abzuleitenden Kräfte sind sehr groß und verursachten schon in der alten Frauenkirche immer wieder Risse.
Für die Kuppel gab es an den Universitäten Dresden und Karlsruhe zwei Jahre lang ein eigenes Forschungsprogramm. Beispielsweise waren neue Mörtelmischungen notwendig, denn Stein ist nur bedingt geeignet den Regen abzuhalten.
Der eigentliche Altar von Johann Christian Feige, bzw. sein Kernstück, das nach dem Krieg eingemauert wurde, wurde aus den Trümmern der alten Frauenkirche geborgen und bewusst mit seinen Beschädigungen im Neubau wiederverwendet. Er bildet in seiner optischen Rohheit einen Kontrast zum sonst üppigen Dresdner Barock der Kirche und somit ein dauerhaftes Mahnmal. Eine originalgetreue Rekonstruktion der alten Orgel von Gottfried Silbermann aus dem Jahr 1736 erschien nicht möglich, da die alte Orgel im Laufe der Zeit nicht nur siebenmal modifiziert, sondern auch beim Brand im Kirchinneren 1945 völlig zerstört wurde und die genauen Baupläne Silbermanns nicht überliefert worden sind.
Im Anschluss an den Vortrag gab es für die Teilnehmer des Juniorentreffens die Möglichkeit die Frauenkirche zu besichtigen. Alle Details des Baus konnten so von Christoph Frenzel anschaulich erläutert werden. Nach dem Aufstieg in die Laterne konnte man den Blick über die Stadt genießen.
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Ein Abendessen, in dem viele Fachgespräche geführt werden konnten, rundete den ersten Tag ab.
Am folgenden Tag gab das Unternehmen Wittur Electric Drives GmbH den Teil nehmern die Möglichkeit, sich über das Unternehmen und die Produktion in Dresden zu informieren und die Produktionsstätte zu besichtigen.

Jens Werdin erläuterte die Entwicklung des Unternehmens von der Firmengründung bis zur aktuellen Zeit.
Steffen Mann referierte in einem zweiten Vortrag über die Möglichkeiten energieeffi zienter Gearless-Antriebe. Dabei ging er auf die Entwicklung der von der Wittur Electric Drives angebotenen Produkte ein und erläuterte deren Vor- und Nachteile sowie die Anwendungsgebiete.
Die Produktpalette der Wittur Electric Drives GmbH umfasst sowohl Synchron- als auch Asynchronmotoren mit einem Leistungsbereich von 0,2 bis 700 kW. Weltweit haben sich diese Motoren inzwischen mehr als 100 000-fach bewährt. In einer hochmodernen Fertigungsstätte wird effektiv, schnell und flexibel entsprechend den Wünschen der Kunden produziert. Dank dieses Know-hows kann die Wittur Electric Drives GmbH auch eine durchgängige Antriebsreihe von Gearless-Maschinen für einen Einsatz im Aufzugsbau mit einer Nutzlast von 320 kg bis 4,7 t und Achslasten bis zu 35 t anbieten.



