
Zum 1./2. April 2004 hatte der VFA-INTERLIFT e. V., Verband für Aufzugstechnik, nach Bremen zur ordentlichen Mitgliederversammlung geladen. Der Ort schien gut gewählt, denn über 100 Mitglieder folgten dem Ruf dorthin. Der Vorstand hatte – wie meistens – diesen Termin mit einer Arbeitssitzung verbunden und war zeitig angereist.
Da ging es den Teilnehmern, die am Donnerstag von Süden mit dem Auto die A1 gen Norden fuhren, wesentlich schlechter. 20?000 Liter ausgeflossener Kunstharz auf der Autobahn bei Osnabrück sorgten für eine Vollsperrung in beiden Richtungen und so manches VFA-Mitglied wurde davon arg getroffen. So kamen viele mit zwei Stunden Verspätung in Bremen an. Aber die Branche ist hart im Nehmen und spätestens im Ratsweinkeller nach den ersten „Glaserln“ war auch an den Tischen der „Staugeschädigten“ die Stimmung wieder obenauf. Die Führung durch den Ratsweinkeller vom Oberkellermeister höchst persönlich entschädigte für vieles, und wir konnten nur staunen über die Vielfalt, teilweise das Alter und die Aufbewahrungsart des Weines. Das 1405–10 erbaute Rathaus mit seinem traditionellen Keller sollte für jeden Weinkenner und -liebhaber ein „Muss“ sein. So fühlte sich auch die Aufzugsbranche im Bacchuskeller pudelwohl und der Abend verging bei kollegialen Gesprächen wie im Fluge. Nach dem Fußmarsch durch die Altstadt zum Hotel stand dann die schwere Entscheidung an, ob man den Abend an der Hotelbar verlängern sollte oder nicht. Da die Teilnehmer alle Entscheider waren, wurden nur richtige Entscheidungen getroffen.
Um 8.30 Uhr am nächsten Tag war der Start zur Stadtführung. In mehrere Gruppen aufgeteilt konnten wir den Kern des kleinsten Bundeslandes zu Fuß erkunden. Eine Furt durch die Weser war der Grund für die ersten Ansiedlungen. Um 787 erfolgte in Bremen eine Bistumsgründung und knapp 100 Jahre später wurde das Erzbistum Hamburg nach Bremen verlegt. Der erste hölzerne Dom wurde von Wikingern zerstört, aber danach sofort durch einen steinernen ersetzt. Der hohe dreischiffige, kreuzgewölbte Bau (begonnen 1042) ist eindrucksvoll und erinnert an den immerwährenden Kampf zwischen Kirche und Bürgertum. Seit 965 hat Bremen Marktrecht. Die sich stark entwickelnde Kaufmanns- und Bürgerschaft trat 1358 in die Hanse ein. Freiheit und Unabhängigkeit werden dokumentiert durch den Ritter Roland, der vorm Rathaus steht und trutzig gen Dom und Kirche blickt. Der gotische Kern des Rathauses direkt am Markt bekam später eine Front im Stil der Weserrenaissance. Die Böttchergasse, eine Museums- und Ladenstraße (etwa 1926–30 angelegt), mit ihren roten Backsteinhäusern, Arkaden und Stufengiebeln ist ein eigenwilliges, reizvoll expressionistisch gestaltetes Baudenkmal.

Der Empfang durch Bremens 2. Bürgermeister, Hartmut Perschau, in den traditionellen Rathausräumen war außergewöhnlich. Hanseatische Würde und republikanischer Bürgerstolz strahlten sowohl die Räume als auch die Worte des Bürgermeisters aus. Gerade zur Stadt der Wissenschaft 2005 aus dem Wettbewerb des Stifterverbandes hervorgegangen konnte Perschau auf Bremens Entwicklung verweisen. Kaufmännischer Unternehmensgeist hat Bremen schon immer ausgezeichnet. Wissenschaftliche Institutionen und innovative Technologien der international tätigen Bremer Unternehmerschaft sind die Grundlage für Bremens Bewerbung zur Kulturhauptstadt Europas im Jahre 2010. In Bremen wird gute Politik gemacht. Der Bürgermeister strahlte Optimismus und Unternehmensgeist aus und man hatte den Eindruck, hier stehen Menschen mit Tatkraft und einem starken Bürgertum. Die Aufzugsindustrie des VFA wünscht viel Erfolg bei der Bewerbung.

Als der Vorsitzende Achim Hütter um 11.30 Uhr die eigentliche Mitgliederversammlung eröffnete, war es nicht so leicht, sich nach der interessanten Stadtgeschichte wieder auf nüchterne Zahlen und Fakten zu konzentrieren, aber es gelang. Hütter referierte über die Tätigkeit des VFA innerhalb der europäischen Verbände. Besonders bemüht ist man in der ELA (European Lift Association) um die Integration neuer Mitgliedsländer und deren Verbände. Die „alternde“ Gesellschaft und deren Ansprüche an Mobilität sind ebenso Diskussionspunkte wie der „low application“ Aufzug, der aber dennoch der Aufzugsrichtlinie entspricht. Für Engagement in der ELA erhielt der VFA den Award für besondere Leistungen. Über die Statistiken und das veröffentlichte Zahlenmaterial meinte Hütter, man solle weniger die absoluten Zahlen als die Trends bewerten.
Im ELCA, dem Verband der Komponentenindustrie, hat es drei Treffen gegeben. Die Zusammenarbeit beschränkt sich momentan auf Sachthemen und den Informationsaustausch. Die Sitzungen gestalten sich teilweise schwierig, da nicht alle Teilnehmer englisch sprechen.
Erfreulich ist die aktive Zusammenarbeit mit dem chinesischen Verband (CEA). Die starke Präsenz der Chinesen auf der interlift hat dazu geführt, dass auch vom 15.–18. April ein gut bestückter VFA-Gemeinschaftsstand auf der Messe in Shanghai zustande gekommen ist. Mit der NAEC ist der Kontakt nach wie vor ausgezeichnet. Die nächste Convention ist in Baltimore im September 2004, die nächste World Elevator Expo 2006 in Orlando. Interessant dürfte die NAEC 2005 werden, weil sie nämlich gemeinsam mit dem kanadischen Verband in Toronto stattfindet.

Eine interessante Zusammenarbeit hat sich mit dem VmA entwickelt. Ein Ergebnis daraus ist ein gemeinsamer Stand auf der „Light and Building“ im April in Frankfurt. Darüber hinaus will der VmA Themen für die Kasseler Aufzugsseminare einbringen. Weil viele Mitglieder in beiden Verbänden sind, werden für die Zukunft Mitgliederversammlungen am gleichen Ort an zwei aufeinander folgenden Tagen geplant. Das wären für die Mitglieder Synergieeffekte!

Mit dem VDMA besteht eine regelmäßige Zusammenarbeit und ein gemeinsamer Workshop ist das Ergebnis der Intensivierungsbemühungen. Auch der IAF hat Interesse an einer gemeinsamen Aktivität gezeigt.
Für den zurückgetretenen Horst Wittur hatte Achim Hütter auch den Bericht über das Referat Normen übernommen. Mehr als 30 Normen sind 2003 zu dem bisherigen Bestand von über 200 hinzugekommen und können von den Mitgliedern abgerufen werden. Weitere Wünsche zur Aufnahme noch anderer Normen sollten an das Sekretariat gegeben werden.
Werner Böhm und Albrecht Hildebrandt hatten die Geschäftsführung des VFA im letzten Jahr gemeinsam durchgeführt. Hier in Bremen verabschiedete sich Albrecht Hildebrandt nun endgültig in den Ruhestand nicht ohne noch einmal darauf hinzuweisen, dass es für den Verband wichtig sei, überall dabei zu sein, wo etwas entschieden wird. Werner Böhm berichtete dann über die unterschiedlichen Sitzungen und Gremien, an denen der VFA maßgeblich beteiligt war.

In einem Workshop VDMA/VFA wurden 4 Einheitsblätter erarbeitet zur Problematik der Standardisierung der Schnittstellen zwischen den wichtigsten Komponenten innerhalb der elektrischen Ausrüstung des Aufzuges. Die Einführung ist innerhalb der nächsten zwei Jahre geplant und ebenso eine Übertragung auf Europa (EN-Norm). Im DAfA ging es um die Umsetzung der Betriebssicherungsverordnung (BSV), um den Erfahrungsaustausch zur Anwendung der BSV und um die Aktualisierung des Umbaukataloges. In der European Lift Association ist der VFA engagiert im Committee Communication und im Committee Components, in welchem Werner Böhm den Vorsitz von Horst Wittur übernommen hat. In der Zentralstelle der Länder für Sicherheitstechnik (ZLS), die für die Zulassung der Überwachungsstellen zuständig ist, arbeitete der VFA im Arbeitskreis 3 mit, der sich mit den Anforderungen an das Prüfpersonal beschäftigt.

Der Geschäftsführer selbst hielt einen Vortrag auf den Heilbronner Aufzugstagen. Der VFA hat Interesse an einer Beteiligung bei der fachlichen Gestaltung der TAH-Veranstaltungen. Sicher könnte das Weiterbildungsangebot erweitert werden. Dass sich der VFA im Messe- und Forumsbeirat der interlift eingebracht hat, ist selbstverständlich, denn er ist ja ideeller Träger der Messe.
Der Bericht des Schatzmeisters Dirk Henning war erfreulich kurz. Es gab auch keine Diskussion darüber. Die Kassenprüfer Mario Baumann und Björn Kollmorgen bestätigten die korrekte übersichtliche Kassenführung und so erfolgte die einstimmige Entlastung von Schatzmeister und Vorstand. Gratulation!
Joachim Ramrath, verantwortlich im Vorstand für Medien- und Öffentlichkeitsarbeit, konnte von einer erfreulichen Steigerung der monatlichen Zugriffe auf die VFA-Homepage berichten. Auch die Mini-Homepages der Mitglieder werden verstärkt in Anspruch genommen. Natürlich hat sich der Zugriff auf die Normen erhöht. Besonders wurde auf den zusätzlichen Service des neuen Archivs im Netz hingewiesen. In unterschiedlichen Kategorien wird nach und nach alles Wissenswerte gespeichert und per Download zugänglich gemacht. Ein letzter Appell von Joachim Ramrath ging an die Mitglieder mit der Bitte, ihre eigene Seite (Minihomepage) noch einmal zu überarbeiten, eventuell neu zu gestalten. Der Verband präsentiert sich nur so gut wie die Gesamtheit seiner Mitglieder.
Wolfgang Raike (Raike Kommunikation GmbH) referierte über die Basisaktivitäten im Jahre 2003. Dies waren im Besonderen der VFA-News Letter, die Aktivitäten in Augsburg vor und während der interlift mit dem „Augsburger Manifest“. Ergebnis: Das Engagement des VFA ist sichtbarer geworden. Für 2004 ist die Ansprache der Fachöffentlichkeit (Ingenieure, Planer) und das Thema „Altbauerneuerung“ das Ziel.
Zum Thema Seminare, Aus- und Weiterbildung nahm Gerhard Ludwig wie folgt Stellung: Am 4./5. November 2004 finden wieder „Kasseler Aufzugstage“ statt. Themen aus acht unterschiedlichen Bereichen informieren über neueste Trends und Vorschriften, nicht nur für Techniker. Besonders mit den Themen Finanzierung, Versicherungen und Marketing werden Bereiche angesprochen, die für jeden Mittelständischen Unternehmer immer wichtiger werden. Auch auf die informativen Grundseminare in Roßwein wies Gerhard Ludwig noch einmal hin.

Zum Thema Messewesen gab Stephan Kretzschmar einen Rückblick auf 2003 und eine Vorschau auf 2004. Die Messe in Dubai im Februar 2003 hat gezeigt, dass dieser Standort für Geschäfte im Vorderen Orient immer wichtiger wird. Die ELE España im März in Barcelona war eine fast rein spanische Messe. Immer interessanter und größer wird die Asansör, die im April in Istanbul 2003 stattfand. An der Schnittstelle zwischen Orient und Okzident trifft sich die Aufzugsbranche der Welt. 7000 Besucher und 100 Aussteller waren eine erhebliche Steigerungsrate. Die Liftmesse in Moskau im Mai war ein neuer Start. Immerhin waren dort 32 % der Aussteller aus dem Ausland und 2005 gibt es eine Folgemesse. Über die erfolgreiche interlift in Augsburg wurde bereits umfangreich berichtet. In einer Bildpräsentation zeigte Joachim Karlsdorf noch einmal, dass es eine Messe der Rekorde war und sie ihre Spitzenposition als Highlight der Branche festigen konnte.
Die erste Messe des Jahres 2004 in Shanghai liegt bereits hinter uns. Der Gemeinschaftsstand der AFAG/VFA brachte viele positive Kontakte und nach ersten Informationen, kamen die Teilnehmer zufrieden zurück. Die Hellas Lift im Mai in Griechenland erwartet 6000/7000 Besucher. Eine Aufzugsmesse in Izmir/Türkei, im September die NAEC in Baltimore und die Liftex in London sowie im November die Lift in Mailand bestimmen die Messelandschaft des Jahres 2004.
Einen erfreulichen Bericht über die Mitgliederbewegung konnte Klaus Reinhardt geben. Nach einer Steigerungsrate von 20 % kann bis zur Mitgliederversammlung 2005 das Ziel von 150 Mitgliedern angepeilt werden. Das ist besonders dann realistisch, wenn jedes Mitglied versucht, ein neues zu werben!
Soweit sie anwesend waren, bekamen alle neuen Mitglieder die Gelegenheit, sich kurz der Versammlung vorzustellen. Die Internationalität des VFA gewinnt weiter an Bedeutung, denn zu den bereits bestehenden ausländischen Mitgliedschaften kommen weitere Interessenten. Für Klaus Reinhardt war es der letzte Bericht, denn er scheidet aus dem Vorstand des VFA aus.
Der auf vielen Mitgliederversammlungen heiß diskutierte Tagesordnungspunkt „Wahlen“ wurde unter der souveränen Leitung von Albrecht Hildebrandt in der kürzesten Zeit erledigt. Der alte Vorsitzende wurde auch der neue. Einstimmig wurde Achim Hütter in seinem Amt bestätigt, genauso wie Werner Köpf als sein Stellvertreter gewählt wurde. Bei den positiven Bilanzzahlen wurde auch Dirk Henning als Schatzmeister einstimmig wiedergewählt. Horst Wittur und Klaus Reinhardt schieden aus der Vorstandsarbeit aus. Daher wurden, neben Bestätigung der Herren Kretzschmar, Ludwig und Ramrath in ihren Ämtern, Frau Ivette Radetzki und Klaus-Peter Kapp neu in den Vorstand gewählt. Björn Kollmorgen stand als Kassenprüfer nicht mehr zur Verfügung, weil er ein Vorstandsamt im VDMA angenommen hat. So bekam Mario Baumann als neuen Kassenprüfungskollegen Heinrich Leurs. Alle Wahlen erfolgten ohne Gegenstimmen. Lift-Report wünscht dem neuen Vorstand weiterhin eine gute Hand und viel Erfolg.

Als Schlusswort verblieb dem Vorsitzenden Achim Hütter nur noch der Dank an seine Vorstandskollegen, an Geschäftsführung und Sekretariat und natürlich an die Mitglieder, denn ohne deren Aktivität und oftmals Hilfe wird es auch für einen Vorstand schwer. Ein Verband muss heute moderner Dienstleister für seine Mitglieder sein, sonst geht das Interesse verloren. Hier wurde der Eindruck mitgenommen, dass der VFA diese Position gewonnen hat. Die steigende Mitgliederzahl beweist es.
Nach der Bekanntgabe des Termins für die nächste Mitgliederversammlung am 7./8. April 2005 in Hannover, entließ der Vorsitzende uns lächelnd ins Wochenende und den immer noch bestehenden Stau in den Süden (als „Nordlicht“ hatte er damit natürlich keine Probleme!).
Dr. Peter Lauer