Ausgabe 1/2010


01/01/10

Ein Aufzug für das Hospital Diospi Suyana


Wie schon im letzten Editorial angedeutet, erlebte die interlift 2009 auch ein Beispiel von praktisch angewendeter Hilfsbereitschaft. Wolf-Dietrich Schreier aus Eibenstock, ein Fachmann aus der Aufzugsindustrie, besuchte mit Dr. Klaus John aus Peru die interlift, um für das Hospital Diospi Suyana in den Anden einen Aufzug zusammenzustellen.
Kategorie: Fachaufsaetze Ausgabe 1/2010
Erstellt von: Editor

Die beiden Herren, bewaffnet mit Laptop und Broschüren, suchten Unternehmen die Komponenten für diesen dringend benötigten Aufzug spenden könnten.

Wer sich auf der interlift 30 Minuten Zeit nehmen konnte, um sich die Präsentation von Dr. Klaus John über die Entstehung und Arbeit des Hospitals anzusehen, war beeindruckt von der Leistung der Familie John und ihrer Unterstützer und Freunde.
Im Dezember 2008 lernte Dr. John durch Zufall die Familie Schreier kennen und erwähnte den dringend benötigten Aufzug. Mit Unterstützung von Wolf-Dietrich Schreier konnte nach der interlift folgende Bilanz gezogen werden:
  • Merico aus Ungarn: Sponsert die Planung und Schachtausrüstung
  • Omeras GmbH aus Lautern: Baut kostenlos
  • Schneider Steuerungstechnik aus Hilzingen: Spendet die Steuerung und Bedienungstableaus
  • Riedl aus Feldkirchen: Stiftet die Aufzugstüren
  • Ziehl-Abegg aus Künzelsau: Unterstützt dieses Projekt mit einem Aufzugsantrieb inklusive allem notwendigen Zubehör im Gesamtwert von ca. 6000 € für den Aufzug des Hospitals. Bei dem Antriebspaket handelt es sich um eine hochwertige Einheit, bestehend aus Getriebe, Motor, Bremse und elektronischer Regelung. Lieferung erfolgte bereits im Dezember 2009
  • Sautter aus Stuttgart: Gegengewicht, Fangrahmen etc.
  • Einbau von Wolf-Dietrich Schreier im Sommer 2010 (kostenlos)
Der Wert dieser geballten Sachspende liegt in der Größenordnung von 35 000 – 37 000 Euro.
Im Lift-Report wird nach Einbau des Aufzugs ein aktueller Bericht erscheinen, in dem auch näher auf die gespendeten Komponenten eingegangen werden wird.
„Diospi Suyana“ – „Wir vertrauen auf Gott!“
Die Erben der Inkas führen in den Bergen Perus ein beklagenswertes Schattendasein. Nur ein Drittel der Quechua-Indianer mit ernsthaften körperlichen Beschwerden kommt in den Genuss einer guten medizinischen Behandlung. Zum einen können sich die Patienten moderne Behandlungsmethoden nicht leisten, zum anderen fehlen auf dem Land die Ärzte. In Apurímac kommen auf 10 000 Menschen noch nicht einmal drei Ärzte. Im Vergleich dazu sind es in Deutschland 33. Die widrigen Lebensumstände begünstigen die Entstehung einer Reihe von medizinischen Erkrankungen , wie Tuberkulose, Hautinfektionen und eine endemische Durchseuchung mit Würmern und Parasiten.
Wie die Menschenrechtsorganisation Amnesty International (ai) meldet, gilt der Süden Perus als das Armenhaus des Landes. Hier leben die Menschen vom Anisanbau und verdienen etwa zwei Euro am Tag. Das Trinkwasser wird über offene Kanäle in die Städte transportiert; es ist mit Wurmeiern und Parasiten kontaminiert.
Martina und Klaus-Dieter John lernten sich mit 17 auf dem Gymnasium kennen und stellten eine Gemeinsamkeit fest: „Wir wussten beide von klein auf, wohin die Reise geht“, erzählt Klaus-Dieter John: „Schnell den Facharzt machen und dann in die Dritte Welt und was bewegen.“ Dr. Klaus-Dieter und Dr. Martina John haben während ihrer Facharztausbildung an renommierten Kliniken auf diversen Kontinenten wertvolle Erfahrungen gesammelt.
Sein Werdegang zum Chirurgen führte ihn unter anderem an die Universitäten Harvard, Yale, Johannesburg und Berlin. Ihre Laufbahn krönte die ehemalige Stipendiatin der Studienstiftung des deutschen Volkes mit dem Abschluss des amerikanischen und deutschen Facharztes der Kinderheilkunde.
Von 1999 bis 2003 haben die John’s am Hospital Vozandes del Oriente in Ecuador unter Indianern und Mestizen gearbeitet und dabei ihr Konzept für ein modernes Missionskrankenhaus entwickelt. Am 17. und 18. August 2002 gründeten sie mit zehn sozial engagierte Christen eine überkonfessionelle Vereinigung mit der Absicht, ein Missionsspital für die Berglandindianer zu errichten. Der Verein wurde bald als gemeinnützig anerkannt.
Nach einem ausführlichen Gespräch zwischen Campoverde am 3. Februar 2003 folgte im April des gleichen Jahres ein detaillierter Kooperationsvertrag zwischen der ärztlichen Provinzbehörde und dem Hospital Diospi Suyana. In Peru und den USA entstanden Schwestervereine von Diospi Suyana, die als gemeinnützige Organisationen vom Staat anerkannt sind.
Durch mittlerweile über tausend Vorträgen wurde Diospi Suyana zu einem der bekanntesten Projekte in Deutschland und Peru.
Von Januar 2004 bis Dezember 2007 haben unzählige Privatpersonen aus allen Schichten der Gesellschaft rund 3,5 Millionen USD für das Missionsspital gesammelt. 2 Millionen USD an Sachspenden wurden gesammelt.
Bei der Ausstattung des Krankenhauses halfen rund 50 Firmen aus mehreren Ländern mit. So wurden zum Beispiel 100 Tonnen an Gerätschaften von DHL, Hamburg- Süd und Neptunia kostenlos von Deutschland zum Missionsspital in Peru transportiert.
Zeitplan
Das Missionskrankenhaus Diospi Suyana liegt in den Anden, 2600 Meter über dem Meeresspiegel, am Rand der Stadt Curahuasi, direkt an der Panamericana. 25 000 Menschen leben in einem Umkreis von drei Stunden Fahrzeit. Auch das Arztehepaar John lebt hier zusammen mit seinen drei Kindern.
Unzählige Gäste aus dem In- und Ausland waren zur Zeremonie der Einweihung am 31. August 2007 da. Die First Lady Perus bezeichnete das Missionsspital als eine „Kathedrale der Liebe“ und meinte, ganz Peru könne von Diospi Suyana lernen. In seiner Eröffnungsansprache nannte Dr. John das Spital ein „Krankenhaus des Glaubens“. Es sei ein Hinweis darauf, dass der Gott aus alter Zeit auch im 21. Jahrhundert existiere. Am 22. Oktober öffnete das Missionsspital seine Pforten. Die Sprechzimmer, die Apotheke, die Zahnarztsuite, die Physiotherapie und ein Ultraschallservice sind seit diesem Tag in Betrieb.
Die Service-Bereiche des Spitals schließen 12 Behandlungszimmer, vier Operationssäle, Notaufnahme, ein umfangreiches Labor sowie eine Röntgenabteilung mit Computertomographie und digitalisiertem Röntgen mit ein. Hinzu kommen eine Intensivstation mit 5 Betten und eine hervorragend ausgestattete physiotherapeutische bzw. endoskopische Abteilung. Das Hospital Diospi Suyana bietet den Berglandindianern nun eine niveauvolle Medizin, die bisher weitgehend der Oberklasse des Andenstaates vorbehalten geblieben war.
Derzeitige Pläne
Derzeit wird das Krankenhaus um eine moderne Zahnklinik erweitert. Bei 110 Mitarbeitern, von denen 30 Freiwillige aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und den USA sind, liegt die aktuelle Kapazität des Hospitals bei 300 Patienten pro Tag, 100 000 pro Jahr. Doch der Bedarf ist riesig – oft müssen Patienten weggeschickt werden, weil mit den zurzeit zehn in der Klinik tätigen Fachärzten nicht genug Mediziner da sind, um alle Patienten zu behandeln. Auch die auf Spenden angewiesene Apotheke kann nicht immer  alle Bedürftigen hinreichend versorgen.
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