Ausgabe 4/2004
07/01/04
Aufzüge und Fahrtreppen im Reich der Mitte
China World Elevator Expo – 15. – 18. April 2004 in Shanghai

Während die Baubranche in Deutschland in einer tiefen Krise steckt, werden in China ganze Großstädte aus dem Boden gestampft. Seit einigen Jahren locken Chinas boomende Metropolen mit gewaltigen Aufträgen. Vor allem Shanghai begeistert durch ein atemberaubendes Tempo: Dort wachsen Wolkenkratzer in Rekordzeit in den Himmel. Die 17-Millionen-Megacity will um jeden Preis modern sein. In dieser Weltstadt fand im April die China World Elevator Expo, eine Aufzugs- und Fahrtreppenmesse statt. Unter der organisatorischen Leitung des VFA konnte ein deutscher Gemeinschaftsstand teilnehmen.
Kategorie: Fachaufsaetze Ausgabe 4/2004
Erstellt von: Editor
In dieser Weltstadt fand im April die China World Elevator Expo, eine Aufzugs- und Fahrtreppenmesse statt. Unter der organisatorischen Leitung des VFA konnte ein deutscher Gemeinschaftsstand teilnehmen.
Shanghai – Perle des Orients, Grande Dame, Sündenbabel, das waren Assoziationen, die mit dieser Stadt in den „goldenen” 20er Jahren dieses Jahrhunderts geweckt wurden. Fast 60 Jahre später schickt sich Shanghai an, wieder zu einem Zentrum der Region, zum wirtschaftlichen und kulturellen Motor Chinas und zu einer der bedeutendsten Metropolen Asiens zu werden. Shanghai ist inzwischen eine der größten Städte der Welt. Zugleich ist es auch die größte der 57 chinesischen Millionenstädte. Shanghai heute hat mit obigen Vorstellungen aus der „Gründerzeit” wenig mehr zu tun. Lediglich die imposanten Bauwerke, die vor allem den Bund – die Promenade am Huangpu-Fluss – zieren, zeugen noch von der Größe und Bedeutung von Shanghai in jener Zeit.
Heutzutage tobt ein Bauboom ohnegleichen. Allein in den letzten Jahren wurden ganze Stadtteile niedergerissen, um Platz zu schaffen für die glitzernden und gigantischen Wolkenkratzer, die inzwischen das Stadtbild beherrschen. Der ständig steigende Verkehr quält sich durch die Straßen, aber neben einer Vielzahl von örtlich produzierten Volkswagen Santana sind des öfteren auch Mercedes oder BMW zu sehen und die Menschen kleiden sich je nach Möglichkeit bunt und modisch nach westlichem Chic.
Schon während der Fahrt vom Flughafen in die Innenstadt kann man die vielen Baustellen und neu fertig gestellten Wohn- und Geschäftskomplexe bewundern. Neben dem höchsten Fernsehturm Asiens, der auch dritthöchster der Welt ist, stehen hier mit die höchsten Bauwerke Chinas und gerade ist der Grundstein für das in wenigen Jahren mit über 500 Metern höchste Haus der Welt gelegt worden. Der Bedarf an vertikalen Beförderungsmitteln ist dementsprechend groß.
Der Fortschritt hat jedoch auch seinen Preis. Durch veraltete Industrieanlagen und den rasanten Bauboom ist Umweltverschmutzung ein großes Problem; die Luftqualität ist schlecht, der Verkehr ist oft katastrophal und selbst alle Anstrengungen der Regierung, die Zahl der Autos zu limitieren und neue, moderne Verkehrswege zu erschließen hält der Geschwindigkeit dieser Stadt nicht stand.

In den alten chinesischen Vierteln oder den alten Häusern der ausländischen Settlements lebt die einfache Bevölkerung dicht gedrängt und traditionell chinesisch. So kann man des morgens noch vielen älteren Leuten beim Tai Chi und auf den zahlreichen Märkten den Menschen beim Handeln zusehen und beim chinesischen Tee oder der köstlichen Küche in den zahlreichen Restaurants und kleinen Gaststätten etwas von chinesischer Lebensart erfahren.
Unter die in letzter Zeit durchweg euphorischen Stimmen der Chinabeobachter mischen sich zunehmend kritischere. Sie sehen die kurz- und mittelfristige Entwicklung gefährdet durch den Aufbau von Überkapazitäten im Immobilien- und Automobilsektor sowie durch die weiterhin bestehenden Strukturprobleme im Finanzsektor. Die deshalb restriktivere Kreditpolitik der chinesischen Zentralbank könnte 2004 zu einem spürbaren Rückgang von Wirtschafts- und Importwachstum führen.
Diejenigen Analysten, die für 2004 einen Wachstumsrückgang prognostizieren, sind der Ansicht, dass der Boom – speziell der Jahre 2002 und 2003 – hauptsächlich kreditgetrieben war. Und es mehren sich die Befürchtungen, dass es wegen der expandierenden Kreditvergabe zu einer Überhitzung der Wirtschaft kommen könnte, der Regierung und Zentralbank dann mit einer restriktiven Geld- bzw. Fiskalpolitik begegnen müssten.
Ein Rückgang des Wirtschaftswachstums in der VR China hätte auch gravierende Auswirkungen auf andere Länder der Region. Da viele asiatische Staaten darauf setzen, dass das Reich der Mitte als Wachstumslokomotive fungiert bzw. wirtschaftlich an die Stelle Japans tritt, besteht eine zunehmende Abhängigkeit. Da in einigen asiatischen Ländern die Hoffnung auf den Wirtschaftsboom in der VR China an die Stelle von Strukturreformen trat, hätte eine nachlassende Dynamik im Reich der Mitte schmerzliche Folgen für die Region.
In Shanghai stellt die Immobilienbranche, nach Einschätzung von Branchenkennern, den viertgrößten Sektor nach Finanzen, Handel und der Informationstechnologie dar und trägt rd. 10 % zum Wirtschaftswachstum der Stadt bei.

Der Bauboom in China beschränkt sich mittlerweile jedoch nicht nur auf die Großstädte Beijing und Shanghai, sondern stellt eine landesweite Entwicklung dar. Selbst in Städten, in denen der Markt für privates Wohnen noch in den Kinderschuhen steckt, wird die Nachfrage zunehmend von spekulativen Erwartungen getrieben.
Dementsprechend sind die Zahlen der chinesischen Aufzugs- und Fahrtreppenindustrie gigantisch. Der Präsident des chinesischen Aufzugsverbandes, Ren Tianxiao, erläuterte im Lift-Report 2-2004 anschaulich die Entwicklung und den Stand des chinesischen Aufzugsmarktes. Ablesen konnte man das große Interesse an diesem Markt auch an der Messeteilnahme fast aller großen Hersteller, beileibe nicht nur aus dem asiatischen Raum. Die Messe fand in einer zweigeschossigen Halle und einem weitläufigen Außenbereich statt. Der zur Verfügung stehende Platz war bis auf den letzten Meter ausgereizt.
An dem deutschen Gemeinschaftsstand nahmen die Firmen AFAG, Bernstein AG, Böhnke & Partner, Dietz-Electronic, Drahtseilerei Gustav Kocks, Henning, LiftEquip, Lift-Report, Chr. Mayr, Ing. Wolfgang Schäfer und der VFA-Interlift teil. Der Stand war im Erdgeschoss sehr günstig positioniert, auch wenn die Geräuschkulisse einiger Nachbarstände recht groß war. Andere deutsche Firmen stellten alleine oder in Verbindung mit ihren chinesischen Partnern aus. Die Messeorganisation war gelungen und die Aufteilung nach Produkten schaffte eine gute Übersichtlichkeit.
Das Erstaunen einiger ausländischer Teilnehmer ihre Produkte oder Prospekte unter „chinesischer Flagge“ wiederzufinden, währte nur kurz. Während der Messe konnte man in den täglich erscheinenden englischsprachigen „Shanghai News“ nachlesen, dass diese Problematik den chinesischen Behörden bewusst ist und sie entsprechende Maßnahmen dagegen planen.
Parallel zur Ausstellung lief in benachbarten Gebäuden ein umfangreiches Foren-Programm, bei dem auch ausländische Aussteller informative Vorträge halten konnten. Leider waren einige Vorträge nur mäßig besucht, dies lag vermutlich zum Teil an den langen Wegen.
Die Organisatoren luden am ersten Messetag zu einem imposanten Galadiner ein, bei dem Ren Tianxiao, der Präsident des chinesischen Aufzugsverbandes die ca. 400 Gäste begrüßte.
Der unglaubliche Besucherstrom des ersten Tages – der einige Aussteller dazu bewog Informationsmaterial nur gegen Visitenkarten herauszugeben – verringerte sich schon am zweiten Tag auf ein normales Maß. Das Echo der Aussteller war am Ende der Ausstellung dementsprechend positiv, es wurden viele qualitativ hochwertige Fachgespräche geführt und neue Kontakte geknüpft. Die nächste China Elevator Expo findet vorraussichtlich 2006 in Peking statt.


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