Brasilien ist die zweitgrößte Industrienation des amerikanischen Kontinents. Mit einem Anteil von 28,5% am BSP decken die verschiedenen brasilianischen Industriezweige die Bereiche Automotive, Stahl und Petrochemie bis hin zu Computern, Flugzeugen und Konsumgütern ab. Durchdie steigende wirtschaftliche Stabilität hervorgerufen durch den Plano Real, haben die brasilianischen und multinationalen Unternehmen sehr stark in neue Ausrüstungen und Technik investiert, wobei der Löwenanteil durch US-Firmen gekauft wurde.

Brasilien verfügt auch über eine gemischte und relativ anspruchsvolle Dienstleistungsindustrie. In den frühen 1990er-Jahren zeichnete der Bankensektor für ganze 16 % des BSP verantwortlich. Auch wenn er derzeit umfassend saniert wird, bietet der brasilianische Sektor der Finanzdienstleistungen den örtlichen Unternehmen eine Vielzahl von Produkten und zieht viele neue Teilnehmer an, darunter auch Finanzunternehmen aus den USA. Die Börsen von São Paulo und Rio de Janeiro werden derzeit konsolidiert und die vormals monopolistische Rückversicherungsbranche öffnet sich für Dritte.
Am 31. Dezember 2007 gab es in Brasilien geschätzte 21 304 000 Breitbandverbindungen. Davon waren 75 % DSL- und 10 % Kabelmodemverbindungen.
Die nachgewiesenen Mineralressourcen sind beträchtlich. Große Eisen- und Manganreserven bilden wichtige industrielle Rohstoffquellen und Exporteinnahmen. Vorkommen an Nickel, Zinn, Chromeisen, Uran, Bauxit, Beryllium, Kupfer, Blei, Wolfram, Zink, Gold und anderen Mineralien werden ausgebeutet. Hochwertige verhüttungsfähige Kohle, die in der Stahlindustrie benötigt wird, ist knapp.
Die größten Unternehmen
2008 wurden 34 brasilianische Unternehmen in der Forbes Global 2000 Liste, einer durch das Forbes Magazine veröffentlichten jährlichen Auflistung der 2000 größten öffentlichen Gesellschaften der Welt, aufgeführt. Zu den 10 führenden Unternehmen gehören:
Energie
Die brasilianische Regierung hat ein ehrgeiziges Programm erstellt, um die Abhängigkeit von Ölimporten zu verringern. Früher deckten Importe mehr als 70 % des Ölbedarfs des Landes ab. Im Jahre 2006 wurde Brasilien aber ein energieunabhängiges Land. Brasilien ist weltweit einer der führenden Erzeuger hydroelektrischen Stroms mit aktuell einem Leistungsvermögen von ca. 108 000 Megawatt. Die vorhandenen hydroelektrischen Stromerzeugungsanlagen liefern 80 % des Strombedarfs der Nation. Zwei große Wasserkraftwerkprojekte, der 15 900 Megawatt erzeugende Itaipu-Damm im Strom Paraná (der größte Damm der Welt) und der Tucurui-Damm in Pará in Nordbrasilien, sind in Betrieb. Der erste kommerziell genutzte Kernreaktor Brasiliens, der Angra I in der Nähe von Rio de Janeiro, ist seit mehr als 10 Jahren in Betrieb. Angra II wurde 2002 fertiggestellt und ist ebenfalls in Betrieb. Angra III ist fast fertiggestellt und soll noch 2009 ans Netz gehen. Die drei Reaktoren sollen nach ihrer Fertigstellung zusammen eine Leistung von 9000 Megawatt bringen. Die Regierung plant den Bau von weiteren 17 Kernenergieanlagen bis zum Jahr 2020.
Wirtschaftlicher Status
„In Brasilien hat ein Gewerkschaftsboss über eine erstaunlich lange Periode des sozialen und wirtschaftlichen Fortschritts hinweg die Geschicke geleitet. Das Land ist auch eines der wenigen, das es erfolgreichgeschafft hat, die wirtschaftliche Ungleichheit zu einem Zeitpunkt zu verringern, als sich überall anderswo die Ungleichheiten noch vertieft haben. Die aufeinanderfolgenden brasilianischen Regierungen, zusammengesetzt aus rivalisierenden politischen Parteien, haben es geschafft, die Bildung, die Gesundheit und den Lebensstandard von Millionen verarmter Bürger zu verbessern, die heute der wachsenden Mittelschicht angehören. Brasilien betreibt eine Energiepolitik, die eine der Biokraftstoffindustrien mit der größten Dynamik der Welt hervorgebracht hat. 1995 besuchten 15 % der brasilianischen Kinder im schulfähigen Alter keine Schule. 2005 war dieser Wert auf 3 % gesunken, und heute hat Brasilien es geschafft, dass praktisch jeder eine Grundschulbildung erhält.“
Moisés Naím, Newsweek, Juni 2009
Stetiges Wachstum
Nachdem Brasilien 1500 durch Portugal entdeckt wurde, dauerte es bis 1808 bevor das Land von der portugiesischen Kolonialregierung die Erlaubnis erhielt, die ersten Fertigungsbetriebe zu errichten. Im 21. Jahrhundert steht Brasilien an achter Stelle der wirtschaftlich stärksten Länder der Welt. Bestand anfangs die Liste der Exportartikel noch überwiegend aus Rohstoffen und einfachen Gütern wie Zucker, Gummi und Gold, besteht der heutige Export zu 84 % aus Industriegütern und halbfertigen Erzeugnissen.
Der Zeitraum des großen wirtschaftlichen Wandels und Wachstums war zwischen 1875 und 1975.
Im letzten Jahrzehnt stieg die einheimische Fertigung um 32,3 % und die Agrarindustrie (Landwirtschaft und Viehzucht), die jährliche Zuwachsraten von 47 % bzw. 3,6 % verzeichnete, war der Sektor mit der größten Dynamik – auch noch nachdem internationale Krisen, die ständige Anpassungen der brasilianische n Wirtschaft erforderten, überstanden waren.
Steuerung und Reformen
Zu den kürzlich in Brasilien getroffenen Maßnahmen zum Ausgleich der Wirtschaft gehörten auch Reformen der Sozialleistungs- (staatliche Pensionen und Altersrenten ) und Steuersysteme. Diese Änderungen enthielten auch einen bemerkenswerten Zusatz: Ein Gesetz über die finanzwirtschaftliche Verantwortung, das die öffentlichen Ausgaben durch die Behörden auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene kontrolliert . Gleichzeitig erfolgten Investitionen in die verwaltungstechnische Effizienz und wurden die Grundlagen zur Förderung des Exports, der Industrie und des Handels geschaffen, wodurch sich neue Möglichkeiten für einheimische und internationale Investoren und Produzenten ergaben.
Durch die Einführung dieser Änderungen hat Brasilien seine Verwundbarkeit verringert: Man braucht das benötigte Öl nicht länger zu importieren, die Inlandsschulden wurden durch wechselkursgebundene Zertifikate halbiert und der Export stieg jährlich um durchschnittlich 20 %. Der Wechselkurs setzt die Industrie oder die Inflation (mit 4 % jährlich) nicht mehr unter Druck und verhindert die Möglichkeit einer Liquiditätskrise. Das hat dazu geführt, dass das Land nach 12 Jahren ein positives Ergebnis in der Export/Importbilanz zuzüglich Zinszahlungen, Leistungen und Überseezahlungen erzielt hat. Angesehene Wirtschaftswissenschaftler behaupten, dass das Land von der derzeitigen Weltwirtschaftskrise kaum betroffen sein wird (http://brazil.melhores.com.br/Betting on Brazil).
Konsequente Politik
Die Unterstützung für den Fertigungssektor wurde auf allen Ebenen vereinfacht; aktiv und unabhängig. Der Kongress und das Rechtswesen wachen über die Einhaltung der Regeln und Bestimmungen. Zu den wichtigsten Maßnahmen zur Förderung der Wirtschaft gehören die Verringerung um bis zu 30 % der Steuern auf Industrieerzeugnisse (IPI) sowie die Investition in Höhe von 8 Milliarden Dollar in Straßentransportmittel, um die Warenverkehrslogistik zu verbessern. Weitere Ressourcen gewährleisten die Vermehrung von Geschäfts- und Informationstelezentren.
Die Industrie-, Technik- und Außenhandelspolitik ihrerseits investiert 19,5 Milliarden Dollar in spezifische Bereiche und folgt damit dem Beispiel der Software- und Halbleiter-, pharmazeutischen und medizinischen sowie der Investitionsgüterbranchen.