Ausgabe 4/2004


07/01/04

Istanbul ein herrlicher Rahmen


ELEVCON 2004

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„Erst- und einmalig findet eine Elevcon in einem Palast statt!“ So formulierte es Joseph Stier bei seiner Begrüßung im Sultanspalast „Ciragan Sarayi“, direkt am Bosporus gelegen. Vom 27.–29. April hatte die „International Association of Elevator Engineers (IAEE) nach Istanbul eingeladen. Es war der 14. internationale Kongress für „Vertical Transportation Technologies“. Etwa 170 Fachleute aus allen Teilen der Welt hatten sich eingefunden. Sie wurden belohnt durch eine hervorragend organisierte Veranstaltung, sowohl was Anzahl, Ablauf und Qualität der Referate als auch die Events neben den Vorträgen betrafen.

Kategorie: Fachaufsaetze Ausgabe 4/2004
Erstellt von: Editor
Schon die Begrüßung am 26. April im festlich erleuchteten alten Sultanspalast war die Reise wert. Dieser Event wie überhaupt die gesamte Veranstaltung wurden gesponsort von der Firma ASRAY aus Istanbul. Es ist immer wieder ein Erlebnis mit weltweit angereisten Freunden aus der Branche ein Wiedersehen zu feiern. In lockeren Gesprächen wurden alte Kontakte aufgefrischt und neue geknüpft.

Als Chairman des Kongresses und Programmverantwortlicher konnte Ami Lustig am nächsten Morgen ein interessiertes Auditorium begrüßen. In den 19 Jahren ihres Bestehens hat die IAEE in fast ganz Europa Kongresse organisiert und etwa 400 wissenschaftliche und firmenspezifische Vorträge zu allen Themenbereichen der Branche präsentiert. In diesem Jahr wurden 37 Referate gehalten. Viele von ihnen sollten eigentlich schon im vergangenen Jahr in Peking veröffentlicht werden. Wenn früher wissenschaftliche Themen mehr angesprochen wurden, so überwiegen heute die Präsentationen von Industriefirmen. Die Referate im „Elevator Technologie 14“ sind Erstveröffentlichungen und die meisten von ihnen werden in der weltweiten Fachpresse anschließend veröffentlicht. Ami Lustig bedankte sich bei allen Vortragenden sowie beim Sponsor und für die tatkräftige Mithilfe des Steering Committee. Istanbul – gelegen zwischen Asien und Europa – verbindet nicht nur Kontinente, sondern auch unterschiedliche Kulturen und Religionen. Auch daher ist die Standortwahl eine gute gewesen!

Nach Ami Lustig begrüßte H. S. Kuok aus Hongkong das Auditorium im Namen des „Hongkong Branch of IAEE“. Sefa Targit dankte im Namen von ASRAY für die Durchführung dieser Verstaltung in Istanbul.
 
Dincer Kara überbrachte die Grüße des Ministeriums für Handel und Industrie und wünschte der Veranstaltung einen guten Verlauf.
 
Die Qualität der Veranstaltung profitierte gewissermaßen vom Ausfall der Elevcon Beijing im vergangenen Jahr, so konnte Ami Lustig aus einer großen Vielzahl eingesandter Abstracts aus den Jahren 2003 und 2004 wählen. Kurzfassungen der Vorträge wurden im Lift-Report 2-2004, (Seite 66-76) vorab abgedruckt. Einige der Referate werden in den kommenden Heften in der Langfassung veröffentlicht. Neben der ausgezeichneten Vorträge bestach auch in diesem Jahr die Organisation der Veranstaltung. Im Eingangsbereich fand eine kleine Ausstellung statt, dort konnten sich die Teilnehmer bei einigen Firmen nähere Informationen holen oder Exponate betrachten. In den Konferenzpausen traf man sich zu interessanten Gesprächen. Für das leibliche Wohl wurde stets gesorgt.
 
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Mit der provokanten Frage: „Ist es Wartungsmechanikern erlaubt zu töten?“ eröffnete R. E. Hawkins den Workshop in Session 6. Am Beispiel von außergewöhnlichen Fotos stellte er die nötige Sorgfalt und die Erfahrung des Wartungspersonals in Frage. Das darf man sicherlich allgemein tun und es gibt von Land zu Land große Unterschiede. Der Benutzer sowohl wie der Eigentümer erwarten eigentlich perfekte Kenntnisse des Monteurs, der Wartungen und Reparaturen vornimmt. Aber sind die Leute in den Fachbetrieben immer richtig geschult? In den meisten Ländern bestehen keine Standards und Richtlinien für Wartung. In den Niederlanden muss halbjährlich gewartet werden. Häufig stehen die Wartungsmechaniker unter Zeit- und Kostendruck (in London hat man 35 Minuten als Vorgabe für eine Wartung). In Israel gibt es Inspektionsvorschriften, aber wer qualifiziert einen Inspektor?
 
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Allgemeingültige Regeln aus Brüssel wären gut, aber dort beschäftigt man sich mit anderen Dingen. In den USA ist es von Stadt zu Stadt anders geregelt, aber es gibt ein Trainingsprogramm für Lift-Wartung, Dauer 4 Jahre. In der Türkei gibt es keine Regel über die Häufigkeit einer Inspektion, aber jeder schaut auf die Kosten. Lifte sind fast immer öffentliche Einrichtungen, also müsste auch eine öffentliche Verantwortung für die nötigen Sicherheitsanforderungen bestehen. Der TÜV in Deutschland ist ein Beispiel dafür.

Der ganzen Branche fehlen junge Ingenieure und deswegen muss die Branche für qualifizierten Nachwuchs werben. Das wäre die Aufgabe der Aufzugsverbände in den einzelnen Ländern.

Meistens ist der Eigentümer auf die Folgekosten der Aufzugswartung nicht vorbereitet, deswegen sollte man bei der Kalkulation einer Anlage gleich die Kosten der Wartung für die nächsten 10 Jahre mit einrechnen.

Die unterschiedlichen Beiträge haben gezeigt, dass eine einheitliche Regelung nach Sicherheitsanforderungen zwar wünschenswert aber sicherlich in nächster Zeit noch nicht realisierbar ist.

Am Mittwoch fand eine Besichtigung der 1968 gegründeten Aufzugsführungsschienenfabrikation bei Asray in Gebze statt. Die Teilnehmer wurden in Gruppen aufgeteilt und durch das Werk geführt. Auch diese Tour war hervorragend organisiert und entsprechend informativ. Beeindruckend für alle war wohl die Besichtigung der Produktion, bei der das Handling der rotglühenden Schienen beobachtet werden konnte. Im Anschluss brachten Busse die Gesellschaft zu einem Bootsanleger in Maltepe, wo man auf ein Ausflugsschiff umstieg und auf dem Bosporus ca. 1,5 Stunden bis zum KOC Industriemuseum fuhr. Viele Teilnehmer nutzten die Gunst der Stunde und starteten eine Besichtigungstour in den schön renovierten Ausstellungshallen mit interessanten Objekten. Inmitten von wertvollen Oldtimern begann das Galadiner, bei dem es auch wieder einige Mitglieder zu ehren galt. Besonderen Dank galt auch Sefa Targit, dem Geschäftsführer der Fa. Asray, und seinem Team, welcher Hauptsponsor der Istanbuler Veranstaltung war.
 
Am letzten Tag standen Jospeh Stier und Ami Lustig der anwesenden Fachpresse zur Verfügung. Die Internationalität der Veranstaltung wurde weiter gesteigert (Teilnehmer aus 21 Ländern), leider waren es weniger Amerikaner. Die Türkei war natürlich mit 60 Teilnehmern am stärksten vertreten, aus Deutschland kamen 15, aus der Schweiz 13 Teilnehmer, 10 aus Finnland, je 6 aus Hongkong, den Niederlanden, Großbritannien und den USA, je 4 aus Spanien, Griechenland und Italien. Das Bombenattentat in Madrid hat sicherlich viele Amerikaner abgeschreckt.
 
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Um die Veranstaltung auf diesem Level durchzuführen werden Sponsoren gebraucht und danach richten sich häufig die Veranstaltungsorte. Die Kongressbeiträge tragen die Kosten der Tagung nicht, und die Beiträge können nicht höher angesetzt werden, weil sie für einige Teilnehmer sowieso schon mehr als die Obergrenze sind.

Nach wie vor würde Joseph Stier gern die Länderaktivitäten der IAEE stärken. Dazu werden aber aktive Ingenieure und Organisatoren vor Ort gebraucht. Länderveranstaltungen in der jeweiligen Landessprache wären durchaus erwünscht. Wer übernimmt Aufgaben? Auch ländereigene Workshops wären eine Bereicherung im Veranstaltungsmix.

Gefragt nach dem Ort der nächsten europäischen Elevcon wurde die Mitte Europas nach Norden genannt. Sollten es Köln oder Helsinki werden? Eine Entscheidung wird in 6–7 Wochen fallen. Sicher ist die nächste ELEVCON ASIA 2005 vom 22.–24. Juni 2005 in Peking.

Dr. Peter Lauer
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