Ausgabe 2/2009


03/01/09

Ein Aufzug als architektonisches Zentrum


Pole Nord – schwäbische Technik in Luxemburg

Nicht allzu häufig steht der Aufzug im Mittelpunkt der architektonischen Stilmittel. Der Bauherr Claude Konrath hat gemeinsam mit dem Architekturbüro Dagli + Atelier c’architecture s.a.r.l. einen Panoramalift genau dazu gemacht.
Kategorie: Fachaufsaetze Ausgabe 2/2009
Erstellt von: Editor

Das Geschäftshaus Pole Nord steht im Zentrum der Luxemburger Innenstadt im Schnittpunkt der wichtigen Axen Avenue de la Liberte – Avenue Marie Therese – Boulevard F. D. Roosevelt. Das Bauvolumen lag bei 4600 m2.

Es erforderte zum einen durch die äußerst wichtige Lage des Projektes und zum anderen durch die dazu gehörige Geschichte eine sehr sensible Herangehensweise an das Projekt.
Das Konzept für den Entwurf basiert auf dem Namen des Gebäudes, was sich ehemalig auf diesem Grundstück befunden hat. Das Pole Nord ist als Konzept am ganzen Gebäude spürbar. Die Fassade mit den ausbrechenden Eisblöcken, die Form der Stützen, der Panorama Aufzug, Sanitätsbereiche, Innenraumgestaltung und Eingang.
Der Entwurf nimmt die vorhandenen Gebäudehöhen der Nachbarbebauungen auf und fügt sich in das vorhandene Straßenbild ein. Die Typologie der Bürogeschosse ermöglicht, durch die flexible Struktur eine hohe Reversibilität. Die Kommunikation und Interaktion wird durch offene, gemeinsam genutzte Zonen im Kernbereich gefördert. Die hinterlüftete Fassade auf der Südseite des Gebäudes ist ein wesentlicher Bestandteil des Ökologiekonzeptes, die Fassadenzwischenräume werden permanent über Öffnungsflächen belüftet, womit sich der Komfort des Hauses erhöht.
Derzeitiger Nutzer ist die Banque Invik S.A., eine von Jan Hugo Stenbeck im Jahr 1989 gegründete Bank, in Luxemburg.
Der konzernunabhängige, mittelständische Aufzugshersteller Beil mit Sitz in Luxemburg bekam den Auftrag zur Planung und Projektierung dieses Aufzuges.
Das Unternehmen wurde 1976 von Louis Beil-Laschette gegründet, nachdem er bereits einige Jahre lang für verschiedene deutsche Hersteller die Anlagenmontage in Luxemburg durchgeführt hatte. Im Laufe der Jahre wurde die Fertigungstiefe des Unternehmens immer weiter ausgebaut, um auf die Wünsche seiner anspruchsvollen Kundschaft in vollem Umfang eingehen zu können. 1996 übergab der Firmengründer das Unternehmen an seinen Sohn, Claude Beil. In diesem Zuge wurde das Unternehmen in die BEIL s.à.r.l. umfirmiert.
Unter der Leitung von Claude Beil entwickelte sich das Unternehmen zu einem der bedeutenden Aufzugshersteller im anspruchsvollen Luxemburger Markt. Heute definieren die Aufzüge von Beil eine eigene Klasse in punkto Qualität, Funktionalität und Ästhetik.
Der Hersteller plant und projektiert die Aufzüge im eigenen Hause, die Kabinen, den Stahlbau sowie die Steuerungen werden in eigenen Werken gefertigt. Beil ist darauf spezialisiert, die Aufzüge nach individuellen Wünschen und auf die Gegebenheiten vor Ort. Der Panoramaaufzug im Pole Nord ist sicherlich eine beeindruckende Referenz für das Unternehmen.
Der Schacht ist aus Gründen der Optik wesentlich größer als notwendig. Eine Vorgabe war eine absolute Flächenbündigkeit der Schachtverglasung sowie der Innenkabine. Hierzu wurden Edelstahlleisten verwendet. Das verwendete Diamantglas war teilweise dreifach laminiert. Beim Fahrkorb wurde das Glas vierfach laminiert, was zu einer Dicke von 32 mm führte. Die Rufknöpfe wurden ohne Abdeckplatten direkt im Schachttürrahmen eingelassen.
Der Aufzug hat sieben Haltestellen und eine Tragfähigkeit von 630 kg. Das Gewicht der vollverglasten Kabine liegt bei 2000 kg. Die unterste Haltestelle ist wesentlich kleiner als die oberen, dadurch ist jedem Benutzer ein Blick in den Schacht erlaubt. Daher musste das sehr kleine Gegengewicht (290 x 340 mm) mit einer integrierten Fangvorrichtung versehen werden.
Die Flächenbündigkeit und Transparenz werden noch durch einige zusätzliche Auflagen unterstrichen. So sind außerhalb des Schachtes keine Befestigungen der Schachtverglasung zu sehen. Die vollverglasten und verkleideten Schachttüren sind nur unten befestigt, es gibt keine zusätzliche Befestigung der Türkämpfer. Der seitliche Schachttürrahmen ist sehr filigran (nur 50 mm Breite). Sichtbar sind die Schienen, die Kabine und das Gegengewicht. Die aus Edelstahl gefertigten Schienen werden jeweils an der Decke frontseitig befestigt. Der Tragrahmen innen und außen schließt flächenbündig mit der Kabinenverglasung.
Ein beleuchteter Glasboden rundet das Bild der Kabine ab.
Ein Großteil der Komponenten für dieses schöne Objekt lieferte das Unternehmen LiftEquip. Das 1981 durch Hans Köppen gegründete Unternehmen verkauft weltweit Aufzugskomponenten an mittelständische und größere Unternehmen. Alle Komponenten werden in kompletten Aufzugsanlagen auf ihr perfektes Zusammenspiel geprüft und mussten sich unter extremen Bedingungen bewähren.
Für den Panoramaaufzug im Pole Nord lieferte LiftEquip die Maschine TW 130.
Sie bietet: variable Motorlage (horizontal/ vertikal) dabei ist der Motor exakt regelbar (VVVF). Die TW 130 ist eine sehr laufruhige Maschine, die optional ein Notbremssystem NBS beinhaltet, die
Treibscheibe ist verschleißarm und kann optimal an die Anlage (Seilabgang horizontal/ vertikal) angepasst werden.
Der gelieferte Geschwindigkeitsbegrenzer von LiftEquip ist ein nach EN 81 baumustergeprüftes Sicherheitsbauteil. Er kann im Triebwerksraum oder bei MRL Lösungen im Schachtkopf eingebaut werden. Lieferbar in der Standardbauform mit Begrenzerraddurchmesser 300 mm oder als kompakte flache Ausführung, speziell für den Einsatz bei MRL Aufzügen, mit Begrenzerraddurchmesser 200 mm.
Die Schiebetüren Comfort bieten: hohe Förderleistungen (VVVF-Antrieb inklusive Umrichter), superleise (Spezialschienen und -laufrollen), hohe Zuverlässigkeit, optimale Anpassung (grundierte Oberfläche, Edelstahl 220, Edelstahl Struktur, gerahmtes Glas, Vollglas usw.). Im Pole Nord wurden die Schacht- und Fahrkorbtüren vollverkleidet geliefert.
LiftEquip GmbH Elevator Components, D-73765 Neuhausen
2/2009