Ausgabe 4/2008


07/01/08

IZMIR – Messe in der modernsten und am stärksten verwestlichten Stadt der Türkei


Izmir, an der türkischen Ägäisküste am Golf von Izmir gelegen, ist mit über drei Millionen Einwohnern die drittgrößte Stadt der Republik Türkei und Hauptstadt einer Provinz gleichen Namens. Sie beherbergt den nach Istanbul zweitgrößten Hafen des Landes. Die Stadt gilt als eine der modernsten Städte der Türkei.

Kategorie: Fachaufsaetze Ausgabe 4/2008
Erstellt von: Editor
Sie ist eine der ältesten Siedlungen der Welt (erste Siedlungen datieren ca. 6500– 4000 v. Chr.) und wurde von Luwiern, Hethitern, Phrygern und Griechen erobert bzw. besiedelt. In historischen Schriften hieß die Stadt Smyrna.
Smyrna war ein wichtiges Zentrum für Händler und Kaufleute in der Selschuken-Zeit und im Osmanischen Reich und der wichtigste Handelsplatz Kleinasiens. Da die Christen in Smyrna während des Osmanischen Reiches die Mehrheit bildeten, wurde die Stadt aufgrund ihres christlichen Flairs von den Türken Gavur Izmir (ungläubiges Izmir) genannt. Seine Bevölkerung setzte sich aus orthodoxen Christen (Griechen), Ameniern, Türken, Juden sowie katholischen abendländischen Christen zusammen. Die Bevölkerungsgruppen bewohnten jeweils eigene Stadtviertel.
Das heutige Stadtzentrum mit der Gemeindeverwaltung (Belediye) und dem Sitz des Provinzgouverneurs (Valilik) befindet sich in Konak. Im benachbarten Alsancak befi ndet sich das Geschäfts- und Einkaufszentrum, Kar¸sıyaka, Bornova, Hatay , Buca und Göztepe sind die größten Wohngebiete.
Die Provinz beherbergt 4,6 % der landesweiten Landwirtschaft und 9 % der gesamten Industrie. Die Ökonomie basiert auf 30,5 % Industrie, 22,9 % Handel, 13,5 % Transportgewerbe und Telekommunikation und 7,8 % Landwirtschaft. Die wichtigsten Exportgüter der Stadt sind Erdölprodukte und Chemikalien, Metall, Textilien , Autos, Lebensmittel (Feigen, Trauben, Oliven und Olivenöl), Bier der Marke Efes sowie Tabak und Wolle. Die meisten Unterhaltungs- und Einkaufskomplexe sind in Konak, Karsıyaka und Bornova, wobei die Industrie in Bornova, Çigli und Gaziemir konzentriert ist. Im nordöstlichen Teil von Izmir erstreckt sich der circa 46 Hektar große Kulturpark mit Zoologischem Garten, Freilufttheater und Messegelände.
Izmir wird kulturell als die modernste und am stärksten verwestlichte Stadt der Türkei angesehen. In der Stadt befinden sich vier Universitäten und ein Institut für Technologie.
Als Wahrzeichen der Stadt gelten der Saat Kulesi (Uhrturm) auf dem Konak-Platz und das Atatürk-Denkmal auf dem Cumhuriyet -Platz (Platz der Republik).
Hier fand vom 23.–25. Mai 2008 auf dem neuen Messegelände die 6. Aufzugs- und Technologie-Messe INELEX 2008 in Verbindung mit einem Aufzugs-Symposium statt. Die Messe wurde von der EFOR Fair Organization veranstaltet und das Symposium von der TMMOB, dem Dachverband der Architekten- und Ingenieurkammer in der Türkei.
Der neue Messekomplex umfasst 55 00 qm, wobei es Möglichkeiten für Außen- und Innenausstellungen gibt. Die vier modernen Ausstellungshallen haben eine Gesamtfläche von 23 750 qm. Sie sind mit Klimaanlagen ausgestattet, die dem internationalen Standard entsprechen. Der Adnan Menderes Flughafen ist nur 15 Minuten per Taxi entfernt und auch die nahe Innenstadt ist bequem zu erreichen.
An der Eröffnungszeremonie der Messe und des Symposiums nahmen folgende Persönlichkeiten teil:
TMMOB President Mehmet Sogancı, Emin Koramaz, Vorsitzender des Verbandes der Maschinenbauingenieure, Musa Çeçen, Vorsitzender des Verbandes der Elektroingenieure, Nuray Eyigele, General Director der EFOR Messeorganisation, Cevat Durak, Bürgermeister von Karsiyaka, Oguz Yanık, President der EAYSAD, Mehmet Özsakarya, Vorsitzender der MMO-Niederlassung in Izmir, Sedat Gülsen, Director der EMO-Niederlassung in Izmir und Akın Kazançoglu, stellvertretender Vorsitzender der Handelskammer Izmir.
Sedat Gülsen eröffnete die Messe mit folgenden Worten:
„Wir werden uns im Rahmen des Aufzugs-Symposiums drei Tage lang sowohl aus Sicht der Technik als auch der Verwaltung mit dem Thema Aufzüge und Fahrtreppen befassen, die aufgrund der rapiden Verstädterung und der vertikalen Strukturierung aus unserem täglichen Leben nicht mehr wegzudenken sind. Die Aufzugs- und Fahrtreppenbranche muss sehr genau die wissenschaftlichen und technischen Fortschritte verfolgen und umsetzen, um mit den Entwicklungen Schritt halten zu können. Darüber hinaus wird qualifiziertes Personal benötigt, um die Qualität der erzeugten Produkte und Dienstleistungen im Sektor zu verbessern. Der Einsatz von Fachkräften in der Branche zur Erhöhung der Effizienz und zur Anwendung und Förderung der Technik ist von größter Bedeutung.”
Der General Director der EFOR Messegesellschaft, Nuray Eyigele, zeigte sich erfreut darüber, dass es zum 6. Mal gelungen ist, die in der Aufzugsbranche tätigen Akteure zusammenzubringen. Die Messe spiegelt den Stand der Technik des heimischen Marktes wider. Noch 2006 lag die Zahl der Aussteller bei 83, und in diesem Jahr waren es schon 102. Eyigele führte an, dass die Teilnahme der Verbände EMO und MMO mit ihrem Symposium die Wirksamkeit der Messe noch vergrößert und die Veranstaltung bereichert hat.
Die Messe, die in der Halle 2 stattfand, hatte wie gesagt 102 Aussteller einschließlich der Unteraussteller. Es waren fast alles türkische Firmen. Einige der türkischen Aussteller waren Vertretungen für ausländische Unternehmen, wie z. B. die Firma FUPA Asansör die Unterhändler für Henning, Fermator, Monteferro, Gustav Wolf und Dätwyler ist. Gegen Mittag war die Messehalle gut besucht, was auch darauf zurückzuführen war, dass dann ebenfalls die Symposiumszuhörer neben den anderen Fachbesuchern die Ausstellung aufsuchten.
Die Öffnungszeiten der Messe waren von 11.00 Uhr bis 20.00 Uhr, wobei das Symposium bereits um 9.30 Uhr begann und gegen 18.00 Uhr endete.
Auf dem Symposium wurden 34 Vorträge gehalten, sie wurden bis auf 3 Reden, die von internationalen Gastrednern gehalten wurden, auf türkisch vorgetragen und simultan ins Englische übersetzt. Themen u. a. waren:
  • Die neue Sicht (Annäherung) in der Festigkeitsberechnung des Tragrahmens bei Aufzügen von Herrn Prof. Dr. Ali Fethi Okyar, Yeditepe Universität, Maschinenbau, Kayisdagi Istanbul. In dieser Ausarbeitung – im Auftrag einer Aufzugsfi rma – wurde eine neue Berechnungsmethode verwendet. Es wird die Wirkung der Kräfte und Momente auf die belasteten Bauteile nicht unabhängig von anderen Bauteilen betrachtet, sondern auch die Verformungen an den Verbindungsstellen des ganzen Rahmens in die Berechnung mit einbezogen. Das Ergebnis dieser Methode wurde mit dem standardisierten Berechnungsverfahren verglichen und ausgewertet.
  • Gleitfangvorrichtungen bei Aufzügen und konstruktive Probleme von Herrn Prof. Dr. Fatih C. Babalik und Prof. Dr. Kadir Cavdar-Uludag Universität, Maschinenbau, Bursa. Gleitfangvorrichtungen sind vor allem bei schnellen Aufzügen sehr wichtige Bauteile. Mit der Steigerung der Fahrgeschwindigkeiten der Aufzüge, die in der Türkei installiert werden, gewinnen auch die Gleitfangvorrichtungen an Wichtigkeit. In dieser Ausarbeitung wurde nach kurzer Schilderung der Gleitfangvorrichtung ein Konstruktionsbeispiel in Begleitung von Berechnungsmethoden und Analysen vorgetragen.
  • Analyse eines Fangrahmens beim Aufprall auf dem Schachtboden von Prof. Dr. Zeki Kiral, Prof. Dr. Binnur Kiral-Dokuz, Eylül Universität, Maschinenbau, Izmir. Bei dieser Ausarbeitung wurde das dynamische Verhalten des Fangrahmens beim Aufprall auf dem Schachtboden untersucht. Der verwendete Fangrahmen wurde in einem Versuchsaufzug simuliert. Es ist sicher der unglücklichste Fall, dass bei Seilbruch oder Übergeschwindigkeit die Fangvorrichtung nicht anspricht. Bei dieser Fanganalyse wurden die dynamischen Verformungen und Spannungen nach dem Zeitpunkt des Aufpralls in 200 Mikrosekunden mit dem COSMOSWorks Programm berechnet. Die Analysen beinhalten elastische und elastisch/plastische Eigenschaften der verwendeten Werkstoffe. Mit größer werdender Fallhöhe vergrößern sich auch Verformungs- und Spannungswerte.
  • Energieverbrauch bei Aufzügen im Stand-by-Zustand von Dr. K. Ferhat Çelik-Blain Hydraulics, Heilbronn. Unkontrollierter Energieverbrauch und übermäßiger CO2-Ausstoß verursachen globale Erwärmung und Umweltschmutz in beschleunigtem Maße. Dies erfordert auch eine optimale Ausnutzung der Aufzugssysteme. 4 %–10 % des gesamten Energieverbrauchs in den Gebäuden werden von den Aufzügen verursacht. Aus diesem Grunde wurden auch bei Aufzugssystemen energiesparende Maßnahmen entwickelt. Trotzdem ist bei den meisten Personenaufzügen (vor allem in Wohnhäusern) die Wartezeit (Stand-by) der Aufzüge viel länger als die Fahrzeit. Aus diesem Grunde ist es wichtig, dass der Energieverbrauch auch im Wartezustand berechnet wird. Dazu kommen noch die Kosten für Wartung und Reparatur umgerechnet als Energieeinheit, die letztendlich den wirklichen gesamten Energieverbrauch ergibt. Bei der Auswahl der energiesparenden Systeme ist die Amortisationsdauer ein wichtiges Kriterium. In dieser Untersuchung wurden Antriebe der Seil- und Hydraulikaufzüge unter Berücksichtigung des Stand-bys im Energieverbrauch und bei den Wartungs- und Reparaturkosten aus einer anderen Perspektive gewertet.
  • Wirkungsgrad bei hydraulischen Aufzügen, Wärmeentstehung, Lösungsvorschläge und energiesparende hydraulische Systeme von Maschinenbauingenieur Turhan Altinörs – Bucher Hydraulics, Istanbul. Der hydraulische Aufzug ist sicher eine der besten Beispiele der Physik, wo die Ergebnisse der Berechnungen alleine nicht maßgebend sind und unbedingt durch Untersuchungs- und Laborergebnisse unterstützt werden müssen. Bei dieser Untersuchung wird vor allem die Wärmeentstehung im hydraulischen System, die sehr oft Betriebsprobleme verursacht, unter die Lupe genommen. Ferner wird auf einfache Methoden hingedeutet, die zur Reduktion der Wärmeentstehung beitragen können. Letztlich wurde auch auf die frequenzgeregelten hydraulischen Antriebe aufmerksam gemacht, um nicht nur Wärmeentstehung und Betriebsstörungen zu vermeiden, sondern auch erhebliche Energieersparnisse erzielen zu können.
Die Gastredner waren Lazaros Asvestopoulos von der Firma Kleemann in Griechenland, Stefan Durholt von der Firma Henning GmbH in Deutschland und Frieder Wolfgang Helbing vom TÜV Rheinland.
Es war alles in allem eine gelungene Veranstaltung , die man sicher auch in 2 Jahren wieder besuchen wird.
4/2008