Ausgabe 3/2008


05/01/08

ELA 2008 Tagung in Budapest


Die jährliche ELA-Tagung des Jahres 2008 fand im Hotel Meridian in Budapest statt. Das diesjährige Event trug die Überschrift „Aufzugsmodernisierung für das 21. Jahrhundert“. An der Tagung nahmen mehr als 100 Delegierte teil, eine Zahl, die über den Erwartungen lag. Zu den Delegierten gehörten u.a. Joaquin Calvo Basaran von der Europäischen Kommission, Yuri Radin und Lev Volf-Trop aus Russland und einige örtliche Regierungsbeamte aus Ungarn. Wie erwartet waren auch viele Vertreter der Aufzugsverbände aus den Mitgliedsländern zusammen mit Normungsspezialisten, Unternehmensanwälten und den Fachmedien zugegen.
Kategorie: Fachaufsaetze Ausgabe 3/2008
Erstellt von: Editor

Bei der Eröffnung der Tagung hieß Kornel Apatini als Vertreter des ungarischen Aufzugsverbandes die 102 registrierten Delegierten in Budapest willkommen. Apatini sprach von den Hoffnungen und Erwartungen Ungarns als mitteleuropäisches Land, das große Fortschritte macht, um ein geschätztes und dynamisches Mitglied der Europäischen Union zu werden. Er gab aber zu, dass die Zeiten nicht leicht und die Änderungen, die notwendig sind, um Ungarn in Einklang mit dem Rest der Union zu bringen, sowohl aus Sicht der Gesetzgebung als auch der finanziellen Disziplin und der Kommunikation der Initiativen an die ungarische Öffentlichkeit sehr schwer umzusetzen sind.

    

William Orchard veranschaulichte die Notwendigkeiten, die Hintergrundinformationen und die wirtschaftlichen Indikatoren, die der Sicherheitsinitiative in Europa vorangehen. Orchard erfreute die Zuhörer durch den Nachweis, dass im Zeitraum von 2004 bis 2007 das durchschnittliche Wirtschaftswachstum in den neuen Mitgliedsstaaten bei 3,75 % lag, während dies bei den 15 älteren Mitgliedsstaaten nur 2,50 % betrug. Er zeigte daraufhin eine Grafik mit Vorhersagen zum realen Wachstum des Bruttoinlandsproduktes in überwiegend mitteleuropäischen Ländern. Diese wachsenden Aufzugsmärkte sind wichtig und Orchard führte an, dass auch wenn man berücksichtigt, dass der neue Aufzugsmarkt sich nach Asien verlagert (China = 120 000 neue Aufzüge pro Jahr), der europäische Sektor immer noch für über 4 Mio. Aufzüge gut ist. Und fügt man noch die Tatsache hinzu, dass der neue Aufzugsmarkt in Europa weiterhin jährlich um 115 000 Stück wächst, erkennt man klar, dass es sich um den bei weitem größten Markt für Aufzüge und Fahrtreppen der Welt handelt.
Orchard schloss die Einführung mit der Auflistung der wichtigsten Prioritäten für die europäische Aufzugsbranche ab:
1. Sicherheit vorhandener Aufzugsanlagen
  • Verbesserung, Modernisierung und Instandsetzung.
  • 60 % der Aufzüge, die älter als 20 Jahre sind, auf den gleichen Sicherheits- und Komfortstandard der modernen Aufzüge bringen.
2. Verbesserter Zugang
  • Zugang für Menschen mit Behinderungen
  • Der zunehmend älteren Bevölkerung dabei helfen, in ihrer gewohnten Umgebung wohnen bleiben zu können.
3. Globale Harmonisierung der Normen
  • Die Vereinbarung zwischen ELA-NEIIPALEA soll zu einer weltweiten Harmonisierung führen (globaler, technischer, barrierefreier Handel), und zwar auf der Grundlage der Norm EN 81-1/2, und wird ISO mit einbeziehen sobald die CEN die Norm EN 81-1/2 zusammen mit asiatischen, nordamerikanischen und russischen Beobachtern überarbeitet hat.
4. Energieeffizienz
  • Es wird zusammen mit der Europäischen Kommission an dem Projekt E4 gearbeitet.
Marek Oppeln-Bronikowski vom polnischen Aufzugsverband befasste sich mit den Beschränkungen der Modernisierung in den osteuropäischen Ländern. Die in Betracht gezogenen Länder waren Polen, die Tschechische Republik und Ungarn; Marek bezog sich auf die makroökonomischen Statistiken, die einen Vergleich zwischen dem Bruttoinlandsprodukt und den Inflationswerten aus den Jahren 2005 bis 2007 anstellten. Sie illustrieren die unterschiedlichen wirtschaftlichen Leistungen dieser Länder. Er unterstrich die Bedeutung des Alters der vorhandenen Aufzugsanlagen. Dabei sind 110 000 zwischen 15 und 35 Jahre alt und 70 000 älter als 35 Jahre. Herausragend dabei ist die Tatsache, dass es sich bei den 110 000 Stück, die zwischen 1970 und 1990 gefertigt wurden, um importierte Anlagen ohne Kabinentüren handelt. Aus der Statistik geht weiterhin hervor, dass 81 % der Unfälle mit Aufzügen in Polen sich in Anlagen ereignet haben, die zwischen 1970 und 1990 gebaut wurden.
Anschließend informierte man uns über die Umsetzung der SNEL-Initiative. Diese befindet sich auf einem guten Weg. Auch wenn in Polen die Bemühungen zur Beseitigung gefährlicher Situationen erheblich gesteigert wurden, wird die vollständige Umsetzung erst 2023 bis 2028 abgeschlossen sein. Der Grund dafür liegt überwiegend im finanziellen Bereich, da allein in Polen 2 Milliarden Euro für diese Modernisierung gebraucht werden. Am Ende seines Vortrags identifizierte Marek drei Schlüsselaspekte, die notwendig sind, damit der „nächste Schritt“ getan werden kann:
1. Die örtlichen SNEL-Bestimmungen umsetzen.
2. Das Bewusstsein für SNEL auf den örtlichen Märkten fördern.
3. Die finanziellen Mittel notwendig für einen frühen Beginn der Modernisierungen sichern.
Peter Gunther vom VDMA führte den Tagungsteilnehmern den deutschen Weg zur Modernisierung vor Augen. Zuerst gab er eine Übersicht über das Potenzial des Marktes für Aufzugsmodernisierungen und unterstützte dies mit Statistiken über die jährlich projizierten Bauausgaben bis 2015. Die Aussage „die Gesetzgebung stimuliert die Modernisierung“ umreißt die strategische Vorgehensweise in Deutschland. Gunther erklärte, dass es zwar keine Verpflichtung zur Modernisierung von Aufzugsanlagen gibt, aber seit Ende des Jahres 2002 schreibt die deutsche Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) den Betreibern und Eigentümern vor, dass sie sicherstellen müssen, dass ihre Anlagen dem neuesten Stand der Technik (EN 81) in Sachen Sicherheit entsprechen.
Die nachstehend aufgeführten Richtlinien geben klar die Schlüsselaspekte vor, mit denen man bei fortschreitendem Verfahren konfrontiert wird.
1. Der Betreiber möchte seine Anlage modernisieren:
  • Die BetrSichV schreibt gesetzlich eine Modernisierung nach dem neuesten Stand der Technik vor.
  • Wenn der Betreiber die Modernisierung gemäß der Änderungscheckliste oder TRBS 1121 durchführt, gilt die Forderung nach dem neuesten Stand der Technik als erfüllt.
2. Der Betreiber führt eine Risikobewertung gemäß BetrSichV durch:
  • Wenn dabei Sicherheitsmängel festgestellt werden, müssen diese behoben werden.
  • Wenn aus diesem Grund eine Änderung der Anlage erforderlich ist, muss diese gemäß der Änderungscheckliste oder TRBS 1121 durchgeführt werden.
Dazu hat der VDMA folgende Empfehlungen für alle Aufzugsbetreiber herausgegeben:
  • Durchführung der Risikobewertung – vorzugsweise auf der Grundlage von DIN EN 81-80.
  • Betrachtung der Ergebnisse und Besprechung möglicher Lösungen mit der Hersteller- oder Wartungsfirma.
  • Sofortige Behebung schwerwiegender Sicherheitsmängel.
  • Planung der notwendigen Investitionen für alle weiteren Aspekte, sofern anwendbar.
  • Schnellstmögliche Modernisierung der Aufzugsanlage! Dabei sollte der Sicherheit stets Priorität eingeräumt werden.
  • Nur qualifizierte Fachkräfte für die Wartung und Änderung einsetzen, die auf der Grundlage der DIN EN 13 015 arbeiten .
  • Nach strukturellen Änderungen im Bereich der Aufzugsanlage oder technischen Änderungen der Aufzugsanlage könnte eine neue Abnahme erforderlich sein.
Abschließend verpflichtet die deutsche Gesetzgebung den Betreiber nicht direkt zur Durchführung von Nachbesserungen oder Modernisierungen. Sie hält ihn jedoch in Sachen der Sicherheit für haftbar. Für die Zukunft erkennt der VDMA die Notwendigkeit, einen Beitrag zur Verringerung der Umweltverschmutzung und zur Steigerung der Energieeffizienz innerhalb der Aufzugsbranche zu leisten. Aus diesem Grund unterstützt man die Zielsetzungen der EU-Richtlinie. Damit diese Initiative Wirkung zeigen kann, muss eine Maßnahme zur Umsetzung bei Aufzugsanlagen die Tatsache berücksichtigen, dass ein wesentlicher Beitrag zur Steigerung der Energieeffizienz in der Modernisierung bestehender Aufzugsanlagen liegt.
Der Vortrag von Michel Chartron trug den Titel „Der französische Fall“.
Darin wurden das Wachstum und die Größe der französischen Modernisierungsbranche klar umrissen. Diese Modernisierungsphase wird wahrscheinlich noch 2008 anhalten, da 60 % der Aufzüge in Frankreich mehr als 20 Jahre alt sind. Tatsächlich beliefen sich alleine die  Wartungs- und Modernisierungsumsätze im Jahre 2006 auf 1540 Mio. Euro.
Chartron zeigte dann anhand einer Zeitlinie was sich in der französischen Aufzugsbranche seit dem Jahre 2001 abgespielt hat.
Abschließend zeigte Chartron einige Punkte auf, die der Schlüssel zu einer erfolgreichen Umsetzung der Initiative sind, und zwar:
  • Die Bereitschaft und die Aufwendung von genügend Zeit, um zu einem Konsens über vernünftige und realistische gesetzliche Forderungen zusammen mit vorgeschriebenen Anforderungen und zeitlichen Vorgaben zu kommen.
  • Die Umsetzung sollte durch unabhängige Inspektoren überprüft werden.
  • Alle auf EU-Ebene durchgeführten Arbeiten (Empfehlungen 95/216/EC, SNEL und harmonisierte Normen) haben die Definition der Anforderungen stark vorangetrieben .
  • Zuverlässige von der Aufzugsindustrie vorgelegte Statistiken sind ein wichtiges Element, das erforderlich ist, um sinnvolle Gespräche mit Regierungen und eine informative Kommunikation mit den Medien führen zu können.
  • Als letzter und wichtigster Aspekt muss ein kontinuierlicher Dialog zwischen allen Beteiligten und interessierten Stellen zu Stande kommen.
Die gesamte Initiative ist eine äußerst positive Herausforderung für die französische Industrie, und eine, die man sehr begrüßen muss.
Nach einer kurzen Diskussionsrunde mit Fragen und Antworten wurde das Seminar beendet. Darin waren sich alle Redner einig, dass die Umsetzung nicht leicht ist und viel Geld und Engagement erfordert. Wer mehr zu diesem Thema erfahren möchte, setzt sich bitte mit der ELA unter www.ela-aisbl.org in Verbindung.
Xavier Lightfood
3/2008