Ausgabe 3/2008
05/01/08
VFA Mitgliederversammlung 2008
Besuch bei AUDI

Die Besichtigung der modernen Produktionsstätte eines deutschen Autoherstellers ist für Aufzugs- und Komponentenhersteller, die alle technikinteressiert sind, sicherlich ein hoher Anreiz. Das waren die Überlegungen des VFA-Vorstandes bei der Festlegung eines Standortes für die Mitgliederversammlung 2008. Am 17./18. April traf man sich in Bad Gögging und startete die Veranstaltung mit einer Besichtigung des Audiwerkes in Ingolstadt. 132 Anmeldungen waren das beste Ergebnis für eine Mitgliederversammlung. Sicherlich wurde keiner enttäuscht, denn die Werksführung war hochinteressant und die Fachinformationen am nächsten Tag zeugten von aktiven Verbandstätigkeiten, die sich laufend den Änderungen am Markt anpassen.
Kategorie: Fachaufsaetze Ausgabe 3/2008
Erstellt von: Editor
Man merkte sofort bei der Einführung: Die Autoindustrie ist in der BRD ganz hoch angesiedelt. Gleichzeitig wird einem aber auch klar, dass ein Konjunktureinbruch in diesem Bereich enorme Auswirkungen hat, weil einschließlich der Vor- und Zulieferanten sehr viele Menschen davon abhängen. AUDI produziert im Wesentlichen an drei Produktionsstätten: In Ingolstadt, in Neckarsulm und in Ungarn. Das Signet – die vier Ringe – symbolisiert den 1932 vollzogenen Zusammenschluss von vier bis dahin unabhängigen Kraftfahrzeugherstellern: Audi, DKW, Horch und Wanderer. Sie sind die Wurzeln der heutigen AUDI AG.
Bei der Führung beeindruckt als erstes die Großraumsaugerpresse auf der durch modernste Umformtechnologien aus flachen Materialplatten die Karosserieteile entstehen und für den Besucher erkennbar werden. Im Folgenden werden durch Stanznieten, Kleben und Laserschweißen die verschiedenen Karosserieteile zusammengesetzt, und zwar in einem 95-prozentigen Automatisierungsgrad. Wenn Antriebsplattform und Karosserie zusammengefügt werden (diesen Vorgang nennt man Hochzeit), sieht man noch einmal das faszinierende Zusammenspiel der Schweißroboter. Danach wird der Prozess „menschlicher“, denn man sieht wieder Facharbeiter/innen, die die Endmontage vervollständigen. Dabei ist die logistische Vorbereitung hoch einzuschätzen, weil die unterschiedlichsten Ausführungen nacheinander am Laufband abwechseln. Am Ende der Montage läuft jedes Auto durch die verschiedenen Stationen des Prüfbereiches.

Beim anschließenden Abendessen in der Gastronomie von AUDI gab es viel Gesprächsstoff und nach der Rückfahrt konnte man den Abend an der Hotelbar ausklingen lassen.

Dem Kurbetrieb im Hotel angepasst startete die Mitgliederversammlung zu moderatem Zeitpunkt, aber dann auch schwungvoll. Die Regularien wurden wie immer schnell abgehandelt und der Vorsitzende Achim Hütter begann seinen Bericht mit dem wichtigen Punkt der Zusammenarbeit mit anderen Institutionen und Verbänden. Der VFA Interlift ist seinen Mitgliedern eine hervorragende Hilfe, aber ehrenamtliche Vorstandsarbeit hat eine zeitliche Begrenzung, denn alle Vorstandsmitglieder sind sehr aktiv in eigene Unternehmungen eingebunden.
So sucht man die erfolgreiche Zusammenarbeit mit anderen: Für das Messewesen mit der AFAG, im Hinblick auf Ausbildung mit dem Bundesverband Metall und mit der Handwerkskammer Hamburg. DAFA und DIN sind weitere wichtige Partner für den Bereich der Normen. Die ELA in Brüssel und dort die Vertretung in verschiedenen Komitees ist ein wichtiges Arbeitsfeld und der VFA ist dort sehr aktiv. Andere Partner des Verbandes sind der VDMA im Bereich der Statistik, der VDI bei den Normen und deren Kommentierung, der NAEC und der Lift-Report im Bereich der Ausbildung.
Zukünftig sieht der Verband ein starkes Arbeitspotenzial für seine Mitglieder in der Modernisierung. Von den 4 Millionen Aufzügen in Europa sind 50 % älter als 20 Jahre. Hinzu kommt ein Wachstum von 115 000 pro Jahr in Europa, davon ca. 15 000 in der BRD.
Die europäische Aufzugsstatistik hat aufgrund des Kartellverfahrens nur unvollständige Daten zur Verfügung und daher nur wenig Aussagekraft. Der neue Erhebungsweg über die ELA sieht eine Softwarelösung vor, bei der die Mitgliedsfirmen direkt ihre Daten eingeben und dann eine IT-Firma die zusammengefassten Daten an die nationalen Verbände gibt. Die nationalen Verbände überprüfen dann nur noch die gemeldeten Daten anhand ihrer Mitgliedslisten und überwachen den Berichtsprozess. Zu befürchten: Die Ungewissheit einer jeden Statistik bleibt.
Achim Hütter stellte Sabine Stanke als neue Mitarbeiterin in der Verbandsgeschäftsstelle vor. Aus einer großen Anzahl von Bewerbungen wurde die neue Geschäftsführerin Undine Stricker-Berghoff ausgewählt. Die diplomierte Maschinenbauingenieurin stellte sich in einem kurzen Statement selbst vor (siehe Lift-Report 2/2008). Wir wünschen beiden Damen eine erfolgreiche Arbeit in der „VFA-Familie“.

In drei Sätzen mehr als gewöhnlich präsentierte Dirk Henning als Schatzmeister seine gesunden Zahlen. Der Bericht über das abgelaufene Jahr und die Budgetdaten für 2008 fanden ungeteilte Zustimmung. Auf Antrag der Kassenprüfer wurden Vorstand und Schatzmeister einstimmig entlastet.
Da das „Normendickicht“ in der Aufzugsindustrie fast undurchsichtig ist, beanspruchte Klaus-Peter Kapp bei seinen Ausführungen mit Abstand die meiste Zeit. Aber das ist auch notwendig und gut so. Es wurden zunächst Tendenzen und Schwerpunkte herausgearbeitet. Dem Energieverbrauch von elektrischen Anlagen kommt eine immer größere Bedeutung zu, ebenso wie der Verhinderung unkontrollierter Fahrkorbbewegungen. Weitere Schwerpunkte sind Sensorik, Fernüberwachung/Monitoring, Prüfung ohne Gewichte etc. In starkem Maße müssen neben nationalen die europäischen Richtlinien beachtet werden. In vielen Bereichen gibt es aber noch kontroverse Diskussionen bei Behörden und Verbänden und endgültige Entscheidungen stehen noch aus. Aus diesem Grunde ist eine andauernde und intensive Beobachtung dieses Normen- und Richtlinienbereiches so wichtig, und eine zeitnahe Information an die Verbandsmitglieder unerlässlich. Den Unterlagen wurde eine hilfreiche Übersicht über die in Arbeit befindlichen Normen und Richtlinien beigefügt, aus der auch hervorgeht, wann der geplante Ausgabezeitpunkt ist.
Als Verantwortlicher für die Medien- und Öffentlichkeitsarbeit wies Joachim Ramrath auf die Pressearbeit in den Fachzeitschriften hin. Alle Vorstandsmitglieder berichteten aus ihren jeweiligen Fachbereichen und präsentierten den Verband in der Öffentlichkeit. Das ist auch für das laufende Jahr geplant und die Fachjournale freuen sich auf informative Beiträge.
Zum ersten Mal berichtete Andreas Hönnige über die Aus- und Weiterbildungsaktivitäten des Verbandes, nachdem er die Verantwortung für diesen Bereich von Gerhard Ludwig übernommen hatte. Die drei bekannten traditionellen Veranstaltungen sind:
1. Schwelmer Symposium 16.–17. 06. 08
2. ELCH Heilbronn 23.–24. 09. 08
3. Kasseler Aufzugstage 05.–06. 11. 08
Der VFA Interlift ist an allen Veranstaltungen sehr aktiv beteiligt und steht teilweise als Träger dahinter. Über alle Veranstaltungen wird in Lift-Report an anderer Stelle gesondert berichtet.
Neu im Angebot des Verbandes sind Aus- und Weiterbildungskurse, die die Akademie als Partner für Aufzugswissen veranstaltet. Auf der Grundlage der Kurse in Roßwein ist ein System aus Grundkurs (3 Tage) und Vertiefungskurs (3 Tage) entstanden, welches abgeschlossen werden kann mit Prüfung und Zertifikat nach VDI 2168. Erste Termine stehen fest. Mitgliedsfirmen stellen ihre Ausbildungsräume zur Verfügung. Nähere Informationenkönnen im Verbandssekretariat erfragt werden.
Geplant ist weiterhin ein Ausbildungsangebot zur Fachkraft der Fördertechnik in Zusammenarbeit mit dem BVM. Einzelheiten hierzu erhält man bei Ralf Koch (Ralf Koch Aufzüge, Berlin).
Alle diese Angebote füllen die Lücke, die sich am Markt durch das Nichtvorhandensein einer Fachausbildung im Bereich Aufzüge ergeben. Wir wünschen guten Erfolg!
Im Messebereich sind bei Erscheinen dieser Ausgabe bereits die zwei wesentlichen Veranstaltungen in Mumbai (Indien) und Peking gelaufen (siehe Berichte in unseren Zeitschriften 2- und 3/2008). Michael Gubisch wies in seinem Vortrag auf eine neue Ausstellung in Augsburg hin. Die b_free – barrierefreies Bauen vom 24.–27. 9. 2008 in Augsburg – könnte fürdie Aufzugsbranche interessant sein.
Der Rückblick von Joachim Kalsdorf auf die interlift 2007 konnte nur positiv sein und die Vorschau von Heiko Könicke drehte sich im Wesentlichen um die neue Halle, eigentlich eine „conditio sine qua non“ für den Verband. Am 24. 4. ist auch die politische Entscheidung positiv ausgefallen und damit sind wir vom baldigen Baubeginn überzeugt.
Es wurde noch einmal auf die Vorteile einer Teilnahme am Gemeinschaftsstand des Verbandes aufmerksam gemacht. Geringerer Aufwand für Messeplanung und Organisation entsteht, die Logistik ist einfacher, Hotelauswahl und Gruppenrabatte sind vorteilhafter etc. Für 2009 ist ein Gemeinschaftsstand für die Lift Expo Russia im Mai in Moskau geplant. Für die Liftex UK in London und die Messen in Indien und Barcelona muss erst noch das notwendige Interesse der Verbandsmitglieder beim Verband ankommen.
Maik Heißer von der AFAG erläuterte dann noch einmal das Konzept der b_free. Sie ist gerichtet auf die wachsende Zielgruppe der Senioren, wobei barrierefrei nicht mehr nur gesehen wird als behindertengerechtes Bauen, sondern ein zeitgemäßer Komfort für alle ist und fast zum modernen Lebensstil wird. Die Messe beinhaltet Foren, Tagungen und die Ausstellung. Erwartet werden Architekten, Planer, Wohnungsbaugesellschaften sowie Hotels und Gastronomie, also alles Interessengruppen auch für die Aufzugsindustrie. Der VFA wird mit einem Infostand vertreten sein.
Zuständig für Mitarbeiterinformationen und Internet ist im Vorstand Ivette Radetzky. Sie wies noch einmal hin auf den jeweils am Quartalsanfang erscheinenden Newsletter. Durch eine immer aktuelle Homepage gelangen Informationen schnell an die Mitglieder. Die Homepagebesuche der Verbandsseiten liegen bei weit über 8000 im Monat. Hier nochmals die Bitte an alle Mitglieder, die eigenen Hompages stets zu aktualisieren.
Mit der Mitgliederwerbung war der dafür Verantwortliche, Stephan Kretzschmar, zufrieden. Natürlich stehen den Zugängen immer Abgänge gegenüber. Firmenübernahmen oder -auflösungen sind die meisten Gründe dafür. Neue Mitglieder sind jederzeit willkommen, und dieser Bericht macht ja auch deutlich, dass bei den vielen Verbandsaktivitäten ein hoher Nutzen für die Mitglieder gegeben ist.
Zum Schluss dankte der Vorsitzende Achim Hütter allen Teilnehmern für ihr Kommen, besonders aber Angela Stamm für die wieder ausgezeichnete Vorbereitung und Organisation dieser Veranstaltung. „Die gute Mischung zwischen fachlicher Information und interessanten Kollegengesprächen hat wieder gestimmt.“ Freuen wir uns also auf die nächste Mitgliederversammlung am 24. April 2009, voraussichtlich in Bad Honnef.
Dr. Peter Lauer
3/2008


