Ausgabe 3/2007


05/01/07

Dipl.-Ing. Otto G. J. Bielmeier 80 Jahre


Schon vor 20 Jahren haben wir an dieser Stelle eine Laudatio für Otto Bielmeier geschrieben. Seine außergewöhnliche Fachkompetenz hat uns bis heute begleitet und es gibt immer wieder Gelegenheiten, bei denen wir gern darauf zurückgreifen.

Kategorie: Fachaufsaetze Ausgabe 3/2007
Erstellt von: Editor

Schon bevor der VFZ-Verlag den Lift-Report herausgegeben hat, war Otto Bielmeier für die Fachredaktion tätig. Seiner Initiative ist es zu verdanken, dass der VFZ-Verlag in Dortmund die Herausgeberschaft übernehmen konnte. Seine jahrelange Tätigkeit als Chefredakteur haben unserer Zeitschrift ihr Ansehen und Profil gegeben.

Der erfolgreiche Übergang in jüngere Hände zeigt eine gute Anpassung an Marktgegebenheiten. Das von Otto Bielmeier übernommene analytische Arbeiten, die von ihm immer geforderte Integrationsfähigkeit in die und mit der Branche gehören auch heute zum Grundhandwerkszeug unserer Redaktion. Unsere in letzter Zeit stark vollzogene Hinwendung zu den Internationalen Märkten ist ein durch die wirtschaftliche Globalisierung erforderlich gewordener Schritt. So erfolgt die Weiterentwicklung unserer Zeitschrift eigentlich laufend ohne dass dabei die erfolgreiche Grundkonzeption verlassen wird und damit bleibt die Handschrift Otto Bielmeiers noch erhalten.
Verlag und Redaktion wünschen dem Geburtstagskind weiterhin eine starke Gesundheit und seine ausgeglichene Haltung, damit er seinen dritten Lebensabschnitt in entsprechender Ruhe genießen kann.
Dr. Peter Lauer
Sein Werdegang
Im Rahmen der Heilbronner Aufzugstage fand am 6. 3. 2007 ein gemeinschaftliches Abendessen statt. Hierbei würdigte Prof. Dr. Walter Dörr, der frühere Rektor der Hochschule Heilbronn und Initiator der Heilbronner Aufzugstage, die Arbeit von Dipl.-Ing. Otto Bielmeier für den Aufzugsbau, der sich verschiedene andere Grußadressen anfügten. Er bedankte sich besonders für das langjährige Engagement und den Einsatz für das immer gute Gelingen der Heilbronner Aufzugstage und der Tür-und-Tor-Veranstaltungen, deren Leitung zukünftig in jüngere Hände gelegt wird, da Herr Bielmeier dieses Jahr seinen 80. Geburtstag feiert.
Das Leben von Otto Bielmeier war sehr abwechslungsreich und hatte seit fast 60 Jahren in unterschiedlicher Form den Aufzugsbau zum wesentlichen Inhalt. Otto Bielmeier wurde am 17. 4. 1927 in Augsburg geboren und absolvierte eine Lehre als Metallflugzeugbauer bei der Firma Messerschmitt in Augsburg, bei der er zuletzt 1944 Lehrlingsausbilder war. Danach wurde er zum Arbeits- und Militärdienst eingezogen und geriet in französische Kriegsgefangenschaft. Nach seiner Freilassung 1946 machte er ein Nachkriegsaufbausemester mit einem anschließenden Studium des Maschinenbaus in Augsburg und einem Teilstudium der Elektrotechnik in München. Wie berichtet wird, finanzierte er sein Studium teilweise als aktiver Musiker und Sänger mit eigener Tanzband, nachdem er eine Akkordeon- Ausbildung im Konservatorium Augsburg durchlaufen hatte. 1949 begann seine konstruktive Tätigkeit bei der Aufzugsfirma Bauer in Augsburg, die während zweier Jahre anschließend bei der Firma Kleindienst in Augsburg fortgesetzt wurde. Von 1953 bis 1957 war Otto Bielmeier technischer Leiter bei Pellenz-Aufzüge in Köln, bei der er moderne Konstruktions- und Fertigungstechnik eingeführt hat. 1958 kam er zum Aufzugsbau R. Stahl als Leiter der Gesamtkonstruktion und des Normbüros in Stuttgart-Wangen. Noch im selben Jahr wurde er zu der dänischen Tochtergesellschaft Stahl-Elevator Kopenhagen AS gesandt für den weiteren Aufbau des dänischen Unternehmens, dem er dann als Direktor vorstand. Verschiedene Großaufträge, wie 45 gleiche Personenaufzüge in Wohnblocks, die komplette fördertechnische Ausrüstung des neuen Krankenhauses in Naestved sind als herausragende Aufträge zu nennen, wie auch die damals europaweit erstmalige Montage eines Turmaufzuges mittels Hubschraubereinsatz in Frederikshavn. Die damals in Dänemark üblicherweise verwendeten Schachttüren aus Holz wurden durch Stahlblechtüren von Rathgeber ersetzt. Parallel zur Tätigkeit in Dänemark übernahm er von 1962 bis 1964 die Funktion eines technischen Vorstandes bei Stahl-Hissar AB Stockholm. Zurück in Stuttgart trat er 1964 in die Abteilung Zentraler Verkauf ein, die nicht durch die Niederlassungen, sondern durch das Stammhaus verkauften Aufzüge betreut. Anschließend bis 1971 baute er die Produktreihe Normaufzüge von R. Stahl auf. Die Tätigkeit bestand in der damals erstmaligen technischen und organisatorischen Zerlegung eines einfachen Personenaufzuges in vielseitig kombinierbare Baueinheiten, verbunden mit einer vereinfachten Auftragsbearbeitung, die das Ziel hatte, standardisierte Aufzüge mit den fertigen lagerhaltigen Baueinheiten zu kombinieren und auszuliefern. So war es zuletzt möglich, dass durch eine einzige Person ohne EDV-Unterstützung die Rekordzahl von monatlich über 120 Normaufzügen ab Lager ausgeliefert werden konnte. Die konstruktiven und förderungstechnischen Voraussetzungen zu diesem System wurden durch die Entwicklungsabteilung von R. Stahl unter der damaligen Leitung von Prof. Dr. Feyrer ermöglicht.
Als 1971 die Position der Geschäftsführung des Deutschen Aufzugsausschusses DAA frei wurde, wurde Otto Bielmeier als neuer Geschäftsführer berufen, der zugleich den Ex-Ausschuss DexA, den Ausschuss für Gashochdruckleitungen AGL und den Ausschuss für brennbare Flüssigkeiten DAbF zu betreuen hatte. Diese Position war dem Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung mit Sitz bei der Bundesanstalt für Arbeitsschutz in Dortmund angegliedert. Zum damaligen Zeitpunkt waren diese Ausschüsse für überwachungsbedürftige Anlagen rein national ausgerichtet. Die erforderlichen technischen Regeln wurden von diesen Ausschüssen erarbeitet und durch den Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung veröffentlicht. Während dieser Zeit hat er alle anstehenden Vorschriftenänderungen betreut und mit besonderer Akribie eine Protokollhierarchie für die Beschlüsse geschaffen. Die Arbeit des Deutschen Aufzugsausschusses war hierbei ein wesentlicher Beitrag für die Erarbeitung der Europäischen Norm EN 81 bei der CEN, wodurch die Erfahrung mit Vorschriften von deutscher Seite in die Europäische Normung eingebracht werden konnte. Noch während seiner Tätigkeit als Geschäftsführer des DAA hat Otto Bielmeier an der Gründung der Zeitschrift Lift-Report mitgewirkt und 1982 die Chefredaktion übernommen und den Vorsitz im Redaktionsbeirat innegehabt. Diese Tätigkeit wurde später auch für den Tür-und- Tor-Report bis 2002 beim VFZ-Verlag in Dortmund weitergeführt. 1980 bis 2006 war Otto Bielmeier Mitautor beim 13-bändigen Loseblattwerk „Überwachungsbedürftige Anlagen“, des WEKAVerlages. Neben dieser publizistischen Tätigkeit förderte Otto Bielmeier auch Aufbauseminare, so 1982 bis 1983 bei der Technischen Akademie Wuppertal und 1984 bis 2007 mit der Konzeption und Leitung der Heilbronner Aufzugstage bei der Technischen Akademie Heilbronn. Parallel liefen zwischen 1998 und 2004 Aufzugsseminare, deren Konzeption und Leitung er übernommen hatte und entsprechend zwischen 1995 und 2005 die Heilbronner Türenaktuell-Seminare und Tür-und-Tor-Tage. Diese schriftstellerischen und ausbildungsgerichteten Tätigkeiten waren anfangs parallel zur Tätigkeit als Geschäftsführer des Deutschen Aufzugsausschusses und danach eine Vollzeitbeschäftigung.
Als 1986 in Nizza ein professioneller Veranstalter einen internationalen „Aufzugs-Kongress“ mit Ausstellung durchführte, war dies in Europa die erste Veranstaltung, die sich an die verschiedenen mittelständischen und kleineren Aufzugsfirmen wandte. Wenn bis dahin im europäischen Raum das Know-how für Aufzüge an Universitäten und in den großen Aufzugsfirmen weiter entwickelt wurde, so hat es mit diesem Zeitpunkt eine weitere Öffnung auch zu den Anwendern gegeben. In Deutschland waren zu diesem Zeitpunkt lediglich die größeren produzierenden Firmen im VDMA organisiert. Die kleineren, vorwiegend Montagefirmen, hatten jedoch keinen Verband. Otto Bielmeier sah darin eine Marktlücke und war 1987 Gründungsinitiator des VFA-Interlift und der seit 1988 stattfindenden Messe interlift, die das erste Mal in München stattgefunden hat und dann nach Augsburg übersiedelte. Von 1987 bis 1990 war Otto Bielmeier kommissarischer Geschäftsführer des VFA-Interlift. Er ist Mitglied in der technischen Organisation von Sachverständigen TOS und im VDI seit 1949 und Träger der goldenen VDI-Nadel. Durch die vielfältigen Tätigkeiten und sein Beziehungsnetzwerk hat Otto Bielmeier insgesamt im Aufzugbau verschiedentlich Anstöße für Weiterentwicklungen gegeben. Rückfließend konnte er dadurch auch für das jährliche Programm der Heilbronner Aufzugstage noch im Ansatz vorhandene Entwicklungen für das Folgejahr in die Thematik des Seminars aufnehmen, bevor diese Lösungen allgemein bekannt waren. Dadurch hatten die Heilbronner Aufzugtage immer einen aktuellen Stand und waren insbesondere für den Mittelstand und die Montagefirmen eine vorzügliche Quelle der Weiterbildung, aber auch die technische Überwachung, wie auch Vertreter größerer Aufzugsfirmen sind stetige Teilnehmer an diesen Seminaren.
Harro Streng
3/2007