Ausgabe 3/2010
05/01/10
VDI 4707 „Energieeffizienz von Aufzügen“
Optimierung des Stillstandsbedarfs in 80% der Fälle am effizientesten
Conradin Jost
Das Thema Energieeffizienz wird immer wichtiger – auch im Aufzugsbereich. Bucher Hydraulics hat diesen Trend schon früh erkannt und ist seit Jahren führend bei der Herstellung und Weiterentwicklung von energieeffizienten Hydrauliksystemen .
Dieser Artikel öffnet den Blickwinkel auf das gesamte Aufzugssystem und zeigt auf, dass eine Optimierung des Stillstandsbedarfs in 80 % der Fälle die besten Resultate liefert.
Kategorie: Fachaufsaetze Ausgabe 3/2010
Erstellt von: Editor
Um was geht’s?
Mit der Richtlinie VDI 4707 „Energieeffizienz von Aufzügen (Blatt 1)“ wird ein Versuch unternommen, die Energieeffizienz kompletter Aufzugssysteme miteinander vergleichbar zu machen, weil die alleinige Betrachtung der Anschlusswerte ungenaue Resultate liefert.

Dabei wird der Aufzug in die Energieeffizienzklassen A – G eingeteilt, ähnlich wie bei Kühlschränken oder Glühbirnen. Da es sich bei einem Aufzug aber um ein komplexes Gesamtsystem handelt, ist eine Bewertung ungleich komplizierter. Dabei müssen unterschiedliche Förderhöhen oder verschiedene Nutzlasten bis hin zu ungleichen Nenngeschwindigkeiten der einzelnen Aufzugssysteme berücksichtigt werden. Hilfreiche Unterstützung bei der Bestimmung der Energieeffizienzklasse bieten spezielle Software-Tools, wie zum Beispiel EnergyLabel des VFA.
Energiebedarf während Stillstand und Fahrt
Im Unterschied zu einer Glühbirne, die entweder ein- oder ausgeschaltet ist, wird bei einem Aufzug ein klarer Unterschied zwischen Stillstand (Standby) und Betrieb (Fahrt) gemacht.
Stillstandsbedarf:
Der Stillstandsbedarf wird 5 Minuten nach Beendigung der letzten Fahrt ermittelt und umfasst alle relevanten Komponenten, die zur Betriebsbereitschaft oder zum Betrieb des Aufzuges notwendig sind.
Fahrtbedarf:
Der Fahrtbedarf wird typischerweise über eine Referenzfahrt bei leerer Kabine ermittelt und umfasst einen kompletten Fahrzyklus: Die Messung startet bei geöffneter Türe in der untersten Haltestelle. Der Aufzug schließt die Türe und fährt in die oberste Etage, wo die Türe auf- und zugeht. Die Kabine fährt wieder nach unten und der Zyklus wird mit offener Tür beendet. Dieser Ablauf soll eine übliche Nutzung des Aufzugs widerspiegeln.
Die fünf Nutzungskategorien
Um den Stillstands- und Fahrtbedarf in eine Energieeffizienzklasse umrechnen zu können, wird der Aufzug – je nach Nutzungshäufigkeit – in eine von fünf Nutzungskategorien eingeteilt. Die durchschnittliche Fahrzeit pro Tag bestimmt die Nutzungskategorie: Je öfter der Aufzug benutzt wird, desto höher ist die Nutzungskategorie. In Tabelle 1 ist die Einteilung nach VDI 4707 übersichtlich dargestellt.


Der große Einfluss der Nutzungskategorie auf die Energieeffizienzklasse
Aus der Tabelle 1 ist ersichtlich, dass ein Aufzug in der Nutzungskategorie 1 rund 99% der Zeit nicht gebraucht wird und sich somit im Stillstand befindet. Deshalb hat der Stillstandsbedarf sehr hohen Einfluss auf die Effizienzklasse. Der Bedarf während der Fahrt hingegen ist unter diesen Bedingungen zweitrangig.
Das folgende Beispiel zeigt, wie stark die Energieeffizienzklasse von der Nutzungskategorie abhängt. Dabei wird ein typischer hydraulischer Personenaufzug (630 kg Nutzlast und einer Nenngeschwindigkeit von 0,63 m/s über 12 m Förderhöhe) mit tiefem Stillstandsbedarf und etwas höherem Fahrtenbedarf betrachtet. Der einzige Unterschied der beiden Aufzüge ist die durchschnittliche Fahrtzeit pro Tag.

Wo ist Optimieren am sinnvollsten ?
Diverse Untersuchungen haben gezeigt, dass rund 80 % aller Aufzüge der Nutzungskategorie 1 bis 3 zugeteilt werden können. In diesem Segment sind kostenoptimierte Lösungen in Anschaffung, Installation und Betrieb absolut notwendig, um am Markt bestehen zu können. Mit intelligenter Planung und der Auswahl der passenden Komponenten, lässt sich eine Minimierung des Stillstandsbedarfs problemlos und kostengünstig realisieren:
- Ausschalten des Kabinenlichtes im Stillstand (Anmerkung: Hohes Einsparpotenzial)
- Intelligente Steuerung mit geringem Verbrauch und Sleep-Modus
- Fahrkorbtürantrieb sollte nur bei Türbewegung aktiv sein
- Vollständiges Ausschalten aller Antriebskomponenten im Stillstand
Optimierungen im Fahrtbedarf sind typischerweise deutlich aufwändiger und bringen in den unteren Nutzungskategorien keinen merklichen Vorteil in der Energieeffizienz, wie das Beispiel oben musterhaft gezeigt hat. Somit lässt sich in den meisten Fällen problemlos ein kostengünstiger und energieeffizienter Aufzug (Energieeffizienzklasse: B) mit einem hydraulischen Antriebssystem planen und bauen.

Abschließend lässt sich sagen, dass bei einem Aufzug mit geringer Nutzung insbesondere der Stillstandsbedarf optimiert werden sollte, um ein optimales Kosten- Nutzen-Verhältnis zu erreichen.
Mit dieser Regel bauen Sie mit vernünftigem Aufwand energieeffiziente Aufzüge:
Wird der Aufzug wenig benutzt, so ist auf tiefen Stillstandsbedarf zu achten; wird der Aufzug häufig benutzt, ist ein tiefer Fahrtbedarf wichtig.

3/2010


