Ausgabe 3/2010
05/01/10
Bewertung der Umweltverträglichkeit von Aufzügen im Laufe ihrer Nutzungsdauer
José Alberto Roig, Ana Lorente, Agustín Chiminelli und José Luis Núñez
In diesem Aufsatz wird der methodologische Vorgang der Bewertung der Umweltverträglichkeit von Aufzügen im Laufe ihrer Nutzungsdauer beschrieben. Die Methode basiert auf Messungen des Energieverbrauchs sowie auf Verkehrsberechnungen und wird als ein Bewertungswerkzeug präsentiert, das im Rahmen einer Lebensdauerbewertung (LDB) zum Einsatz kommt. Der Energieverbrauch solcher Anlagen im Laufe ihrer Nutzungsdauer wurde als Schlüsselfaktor erkannt und hat einen erheblichen Einfluss auf die Umweltbelastung im Laufe der kompletten Nutzungsdauer. Die Methode kann für den Vergleich sowohl unterschiedlicher Techniken (Aufzugstyp, Antrieb, den Energieverbrauch beeinflussende Komponenten usw.) als auch der Einflüsse des Anlagenzustands bei festgelegten Verkehrsmustern verwendet werden. In dieser Hinsicht kann der beschriebene Vorgang auch als eineMethode zur Bewertung der Energieeffizienz angesehen werden. Als Sonderfall wird der Einfluss eines falschen Gegengewichts auf die Umweltverträglichkeit des Aufzugs bewertet.
Kategorie: Fachaufsaetze Ausgabe 3/2010
Erstellt von: Editor
Um eine globale Nachhaltigkeit und eine hohe Lebensqualität erreichen zu können, haben die entwickelten Länder der Vermeidung einer Beeinträchtigung der Umwelt durch die globale Erwärmung, den Abbau der Ozonschicht, die Zerstörung von Ökosystemen und das Aussterben der Tierwelt die höchste Priorität eingeräumt.
Im Falle der Energie nutzenden Produkte (EnP) bezieht sich die Umweltverträglichkeit auf die Nutzung der Energie, den Verbrauch von Werkstoffen und natürlichen Ressourcen, die Erzeugung von Abfällen und die Freisetzung schädlicher Substanzen.
In Europa stellt die Richtlinie 2005/35/EC über die ökologische Auslegung von EnP, die im Juli 2005 durch das europäische Parlament und den europäischen Rat eingeführt und im Amtsblatt der Europäischen Union (L 121 22.7.2005) veröffentlicht wurde, die Entschlossenheit der Kommission unter Beweis, die Umweltaspekte in die Unternehmenspolitik zu integrieren. Die Richtlinie definiert die Umstände und Kriterien für die Erstellung der Anforderungen bezüglich umweltrelevanter Produkteigenschaften und ermöglicht deren schnelle und wirksame Verbesserung. Die Einführung ökologischer Auslegungsmaßnahmen, die Forderungen nach einer verbesserten Energieeffizienz der Produkte enthalten, ist ein langfristiger Beitrag zur Bekämpfung der Klimaänderung, zur Sicherung der Energieversorgung und zur Erzielung einer nachhaltigen Entwicklung.
Die ersten vorbereitenden Studien zur Einführung und Umsetzung dieser Richtlinie wurden in 14 Gruppen von Energie nutzenden Produkten unterteilt. Eine Gruppe bezog sich auf Elektromotoren mit einer Leistung von 1 – 150 kW und hat damit Auswirkungen auf die Aufzugshersteller, die gemäß dieser Richtlinie verpflichtet werden, eine Bewertung des EnP-Modells über die Nutzungsdauer auf der Grundlage realistischer Annahmen der normalen Zustände und Einsatzzwecke durchzuführen. Auf der Grundlage dieser Bewertung erstellen die Hersteller ein Ökoprofil dieser EnP nach den umweltrelevanten Produkteigenschaften und den Ein-/Ausgangsgrößen im Laufe der Lebensdauer des Produkts ausgedrückt in messbaren physikalischen Größen.
Um dieser Forderung gerecht zu werden, haben MP Lifts und das ITA an einem Umweltbewertungsprojekt gearbeitet, wobei die Studie sich nicht allein mit dem Antrieb, sondern auch mit den anderen Komponenten des Aufzugs befasst hat. Die in diesem Aufsatz vorgestellte Arbeit entspricht der Analyse des Energieverbrauchs der Aufzüge im Laufe ihrer Nutzungsdauer sowie der damit zusammenhängenden Umweltbelastung, die in einer international anerkannten Einheit quantifiziert wird (Öko-Indikator 99), was eine allgemein übliche Methode in der Bewertung der Lebensdauer ist.
Bewertung der Lebensdauer
Eine Lebensdauerbewertung (auch bekannt als Lebensdaueranalyse, Öko-Bilanz oder Analyse von der Wiege bis zum Grab) ist die Untersuchung und Beurteilung der Umweltverträglichkeit eines bestimmten Produkts im Laufe seiner Existenz auf der Grundlage der Analyse der Ein-/Ausgangsgrößen physikalischer Faktoren (Werkstoffe, Energie, Emissionen usw.) in allen Phasen seiner Lebensdauer, d. h.:
- Rohstoffgewinnung
- Fertigung, Transport und Lagerung halbfertiger Werkstoffe und Komponenten
- Produktfertigung einschließlich Umformverfahren, Montage und Verpackung
- Vertrieb einschließlich Transport und Lagerung
- Nutzung und Wartung des Produkts
- Ablauf der Nutzungsdauer, Beurteilung, Recycling und Wiederverwendung
Die Lebensdaueranalyse identifiziert und quantifiziert die Nutzung der Werkstoffe und Energie sowie die Umweltemissionen in allen diesen Phasen, bestimmt die Auswirkungen auf die Umwelt, die zu diesen Umweltbelastungen führen, und gilt als eines der besten Werkzeuge zur ökologischen Auslegung von Produkten, weil sie dazu beiträgt, neue Strategien zur Verbesserung der Umwelt zu finden.
Der durch die internationale Norm ISO 14 040 definierte grundlegende Aufbau der Methodologie der Lebensdaueranalyse ist wie folgt:
- Definition der Ziele und des Umfangs: Dort werden der Zweck der Studie, die Verantwortlichkeiten und die Funktionseinheit, die sich auf die Ein- und Ausgänge bezieht, beschrieben. Bei der Beschreibung der Funktionseinheit müssen die Lebensdauerphasen des Produkts klar definiert werden.
- Bestandsanalyse: Identifizierung und Bewertung der Eingangsgrößen (Rohstoffe und Energie) und Ausgangsgrößen (gasförmige Emissionen, Flüssig- und Festabfälle) in jeder Phase der Lebensdauer des Produkts.
- Bewertung der Auswirkungen: Klassifizierung, Charakterisierung, Standardisierung und Bewertung der in der Analyse der Bestandsphase identifizierten Auswirkungen auf die Umwelt.
- Interpretation der Ergebnisse: Erläuterung der Befunde und Empfehlungen im Einklang mit den Zielen der Studie.
- Kritische Überprüfung: Kontrolle der verwendeten Methodologie, Annahmen und Daten durch Hinzufügung einer Bewertung der Verbesserungen. Dieser Schritt ist optional.
Am Ende der Bestandsphase kann die Umweltverträglichkeit des Produkts in Form einer dimensionslosen Zahl, genannt Öko-Indikator 99 (meistens in Millipunkten mpt ausgedrückt), quantifiziert werden. So können die Hersteller ihre Produktauslegungen mit anderen Alternativen vergleichen. Auch wenn nach der ISO-Norm 14042 diese Zahlen nicht für vergleichende Aussagen der Öffentlichkeit gegenüber verwendet werden sollten, sind sie dennoch für interne Bewertungen sehr nützlich.
Der Öko-Indikator 99 ist eine schadensorientierte Methode der Lebensdauerbewertung, die folgende Arten von Umweltschäden gegeneinander abwägt:
- Risiken für die Gesundheit des Menschen (Risiken ausgedrückt in Jahren des Gesundheitsverlustes, DALY, die Lebenserwartung verkürzende Risiken oder Risiken, die eine Behinderung zur Folge haben).
- Beeinträchtigungen der Qualität des Ökosystems (Verringerung der Anzahl von Arten pro Flächeneinheit in einer bestimmten Zeit).
- Schäden an den Ressourcen (Zusatzenergie, die für den künftigen Abbau von mineralen oder fossilen Brennstoffen erforderlich sein wird).
Unabhängig von diesen Schäden werden beim „Öko-Indikator 99“ folgende Kategorien der Umweltverträglichkeit berücksichtigt : Übersäuerung/Eutrophierung, Klima änderung, Ökotoxizität, Bodennutzung, Verbrauch der Ressourcen (fossile Brennstoffe und Mineralien), Abbau der Ozonschicht, Strahlung, Auswirkungen auf den Atmungsapparat (aufgeteilt auf Auswirkungen verursacht durch organische und anorganische Substanzen) und die krebserregende Wirkung.
Beim Durchlesen der Informationen und Ungewissheiten ergeben sich drei unterschiedliche Blickwinkel:
Der hierarchische, der Auswirkungen basierend auf dem Konsens mit der Perspektive enthält, dass es einen ausgeglichenen Unterschied zwischen kurz- und langfristigen Auswirkungen gibt und mit der richtigen Vorgehensweise auf der Grundlage von Kontrollmaßnahmen viele Probleme vermieden werden können (mehr Kontrolle).
Der individualistische, der ausschließlich nachgewiesene Auswirkungen mit einer kurzfristigen Perspektive enthält und von der Überzeugung ausgeht, dass mit der Technik viele Probleme vermieden werden können.
Der egalitäre, der alle möglichen Auswirkungen mit einer langfristigen Annäherung sowie die Perspektive enthält, dass die Umweltprobleme zur Katastrophe führen können.
Bei unserer spezifischen Untersuchung erfolgt die Bewertung aus der egalitären Perspektive heraus.
Verfahren zur Messung des Energieverbrauchs von Aufzügen und die Vorhersage ihres Verbrauchs im Laufe der Nutzungsdauer für ihre Bewertung im Rahmen einer Lebensdaueranalyse
Um die Umweltverträglichkeit des Aufzugs im Laufe seiner Nutzungsdauer bewerten zu können, muss ein Verfahren zur Messung des Energieverbrauchs definiert werden, das die Art beschreibt, in der die Messung durchgeführt werden soll, und darüber hinaus angibt, welche spezifischen Bedingungen und welche Parameter berücksichtigt werden sollen. Das Verfahren soll gewährleisten, dass die Messungen sowohl im Prüfturm als auch vor Ort mit Hilfe tragbarer Messgeräte durchgeführt werden können.
Unter diesen Umständen wurde folgendes Verfahren festgelegt:
- Der Energieverbrauch in einem repräsentativen Zyklus. Zuerst beschreibt das Verfahren eine Methodologie auf der Grundlage des Normentwurfs ISO/ DIS 25 745-1 zur Messung der Energie, die in einem repräsentativen Zyklus verbraucht wird:
- Aufwärtsfahrt zur höchsten Haltestelle
- Türbetrieb (öffnen und schließen)
- Abwärtsfahrt zur unteren Haltestelle
- Türbetrieb (öffnen und schließen)
Die Einrichtung verfügt über die gleiche Anzahl Haltestellen, die in der Funktionseinheit definiert sind.
- Kalkulation des Energieverbrauchs bei anderen Fahrten. Die bei anderen Fahrten verbrauchte Energie wird mit Hilfe der vorher erhaltenen Diagramme und Daten berechnet.
- Einbeziehung in ein Verkehrsmuster für die Kalkulation des Gesamtverbrauchs. Die Anwendung dieses Modells für ein bestimmtes Verkehrsprofi l (dargestellt als einen Satz Pfade/Fahrten) sowie die Einbeziehung jeder dieser Ergebnisse zum Zeitpunkt der Bewertung ergibt den Gesamtverbrauch eines Aufzugs über den in Betracht gezogenen Zeitraum.
- Einbeziehung der Auswirkungen durch den Verschleiß. Schließlich ist auf der Grundlage der bei den intensiven Messungen erhaltenen Diagramme und Daten eine Schätzung möglich, wie stark sich der Verschleiß in der Anlage im Laufe der Lebensdauer des Aufzugs auswirkt (diese Daten können im Verbrauchsmodell aktualisiert werden, auch wenn dieser Fall in diesem Aufsatz nicht vorgestellt wird).
Die Messung des Energieverbrauchs eines Aufzugs während der vorher beschriebenen repräsentativen Fahrt erfolgt in Übereinstimmung mit dem Normentwurf ISO/DIS 25 745-1.
Nach dieser Norm wird der Energieverbrauch in mindestens zehn Zyklen gemessen, wonach ein durchschnittlicher Verbrauch einer einzelnen Bezugsfahrt berechnet wird. Bei der Durchführung dieser Messungen muss sichergestellt werden, dass die gesamte vom Aufzug verbrauchte Energie berücksichtigt wird, weil manchmal die Stromerzeugung und der Komplementärstrom (Beleuchtung, Lüfter, Warneinrichtungen, Fernseher, Batterieladegeräte, Displays usw.) an unterschiedliche Versorgungsquellen angeschlossen werden. Sobald die Werte der Bezugsfahrt registriert sind, wird der Verbrauch für den Standby-Betrieb berechnet indem man den Aufzug 5 Minuten lang im Erdgeschoss stehen lässt (in einigen Fällen reduziert der Aufzug den Verbrauch durch Abschaltung der Beleuchtung und der Steuerungen mit einem hohen Verbrauch).
Diese Messungen definieren zwei Energiebezugswerte: Die Energie, die während einer Bezugsfahrt verbraucht wird und die Energie, die im Standby-Betrieb verbraucht wird. Diese Werte sind nur gültig bei einer Anlage, in der die Messungen durchgeführt wurden, weil zwei Aufzüge – auch wenn sie die gleiche Last befördern können, dieselbe Geschwindigkeit vorweisen und im selben Gebäude installiert sind – dennoch Unterschiede in der Entfernung zwischen zwei Haltestellen, in den Türöffnungs- und -schließzeiten, im durch ein Gegengewicht ausgeglichenes Kabinengewicht, in der Art der Führungsschuhe, Verdrahtung, Anzahl der Kabineneingänge, im Antriebssystem usw. aufweisen.
Nachstehend wird ein Diagramm eines ISO-Bezugszyklus einer durch einen getriebelosen Permanentmagnetantrieb an getriebenen Leerkabine gezeigt, die zwischen der unteren und oberen Etage auf- und abfährt. Die violette Linie zeigt die durch den Aufzug zurückgelegte Strecke während die blaue Linie den Stromverbrauch angibt. Wie man erkennen kann, ist im günstigsten Fall (d. h. bei der Aufwärtsfahrt) der Stromverbrauch praktisch gleich Null, weil der Motor dann als Generator fungiert und die potentielle Energie in elektrische Energie umwandelt, die dann über eine Widerstandsbremse abgeleitet wird. Die einzige Energie, die verbraucht wird, stammt von den Energieverlusten und den elektronischen Geräten.
Im Falle einer asynchronen Anlage mit Getriebe würde das Diagramm des Stromverbrauchs in beiden Richtungen gleich aussehen.
Wie bereits erwähnt, besteht der Zyklus der Bezugsfahrt aus vier Teilen: Stromverbrauch der Aufwärtsfahrt (mit einem Spitzenwert beim Anfahren und abnehmend bei Erreichen der Nenngeschwindigkeit) (1), Türbetrieb an der oberen Haltestelle (2), Stromverbrauch der Abwärtsfahrt (3) und Türbetrieb an der unteren Haltestelle (4). Nach Ablauf der Fahrt wird die Anlage in den Leerlauf geschaltet.

Der Energieverbrauch ist der Bereich unterhalb des Diagramms. Die Energie, die verbraucht wird, ist natürlich abhängig von der Länge der Bezugsfahrt, sodass bei unterschiedlicher Dauer auch die Ergebnisse abweichen.
Für die Berechnung des Energieverbrauchs auf anderen Strecken gibt es drei Möglichkeiten:
1. Die Durchführung von Verbrauchsmessungen für jede mögliche Fahrt.
2. Kalkulation des Energieverbrauchs auf der Grundlage der Folgerungen aus den Diagrammen des Bezugszyklus
3. Kalkulation des Energieverbrauchs auf der Grundlage eines vereinfachten Modells.
Im ersten Fall werden die Verbrauchsdaten direkt erfasst, sodass die Notwendigkeit von Extrapolationen nicht gegeben ist. Im zweiten Fall erhält man das Diagramm der Fahrt durch Subtrahierung der nicht gefahrenen Strecken aus dem Diagramm des Bezugszyklus. Wenn zum Beispiel in einem fünfstöckigen Gebäude der Aufzug lediglich von der 1. in die 4. Etage fährt, entspricht das Diagramm des Energieverbrauchs den Messungen des Bezugszyklus von denen das Intervall entsprechend der Fahrstrecke zwischen zwei Zwischenhalts bei Nenngeschwindigkeit subtrahiert wird. Dieser Vorgang lässt sich durch den Einsatz von Analysetools wie Matlab automatisieren.
In dem besonderen Fall, dass die Fahrt zwischen zwei aufeinander folgenden Haltestellen stattfindet, kann es sein, dass die Nenngeschwindigkeit nicht erreicht wird (je nach Abstand und Beschleunigung), so dass die Diagramme nicht extrapoliert werden können. Dann ist es erforderlich, die Messungen direkt durchzuführen oder den Energieverbrauch auf der Grundlage der verfügbaren Daten zu schätzen.
Um ein Energiemodell in ein Verkehrssimulationsprogramm eingliedern zu können, muss man wissen, wie viel Energie für die Anfahrt und für den Betrieb in einer Reihe von Belastungen zwischen 0 und 100 % in beiden Fahrtrichtungen (auf und ab) benötigt wird, um den Energieverbrauch für unterschiedliche Fahrgastmengen berechnen zu können.
Da die elektrischen Aufzugsanlagen mit Gegengewichten ausgestattet sind, ist es notwendig, wenigstens Messungen mit Nulllast, halber Last und Volllast durchzuführen. Die übrigen Lastfälle lassen sich entweder messen oder berechnen, wenn von der Annahme ausgegangen wird, dass es eine lineare Beziehung gibt. Das ist zwar nicht unbedingt exakt, aber der Fehler ist vernachlässigbar.
Niemand kann das Verkehrsmuster einer Aufzugsanlage vorhersehen. Daher müssen Simulatoren verwendet werden, die uns Informationen über die transportierte Last, die Fahrtrichtung, die Anzahl der Fahrgäste, die die Kabine betreten oder verlassen, die zurückgelegte Fahrstrecke, die Türbetriebszeiten usw. geben. Diese Profile können für die Analyse der Auswirkungen auf den Verbrauch unterschiedlich sein.
Für den Fall, dass ein Simulator nicht zur Verfügung steht, lässt sich das Verkehrsaufkommen auf eine Art und Weise schätzen, die repräsentativ für die Art der Anlage und ihre Nutzung ist.
Fallstudie
Als Sonderfall wird die Umweltverträglichkeit eines Aufzugs mit einer Tragfähigkeit von 600 kg, einer Geschwindigkeit von 1 m/s und einem Verkehrsmuster von 150 000 Fahrten pro Jahr in einem spanischen Wohngebäude berechnet.
Wenn das Verkehrsmuster des Gebäudes vorliegt, so kann es benutzt werden, um den Energieverbrauch über die gesamte Standzeit des Produkts zu schätzen. Weil jedoch die für die Modellierung notwendigen Eingaben sich auf die Anzahl aller möglichen Standardfahrten ungeachtet der Zeitfolge beziehen, ist eine Schätzung des täglichen Verkehrsaufkommens unter Berücksichtigung der Gebäudeeigenschaften möglich: Anzahl der Etagen, Anzahl der Bewohner (Wohngebäude) oder tätigen Personen (Bürogebäude) auf jeder Etage, Anzahl der sich zwischen den Etagen bewegenden Personen usw. sowie die möglichen Unterschiede im Verkehrsaufkommen an Werktagen und am Wochenende.
Die Standardfahrt definiert sich durch:
- Die zurückgelegte Fahrstrecke (ausgedrückt in Anzahl Etagen)
- Die Fahrtrichtung (auf- oder abwärts)
- Die Anzahl der Fahrgäste (ausgedrückt in Anzahl Fahrgäste oder Gewicht)
Der Energieverbrauch bei jeder Standardfahrt wurde früher nach dem o. g. Verfahren berechnet und in einer Datenbank gespeichert , die abgesehen von diesen Informationen noch folgende Daten enthält:
- Energieverbrauch beim Türbetrieb
- Energieverbrauch im Standby-Modus
- Dauer der Fahrt
- Zeit für das Öffnen und Schließen der Türen
- Die Zeit des Standby-Modus errechnet sich als Differenz zwischen der ganztägigen Betriebsdauer und der Zeit, in der der Aufzug genutzt wird.
Die Ergebnisse des Energieverbrauchs werden auf das ganze Jahr extrapoliert und danach auf die Nutzungsdauer des Aufzugs (30 Jahre) umgerechnet, sodass man eine Größenordnung des Energieverbrauchs ausgedrückt in kWh erhält. Dieser Wert wird dann in ein Tool zur Bewertung der Lebensdauer eingeführt, um die entsprechenden Auswirkungen auf die Umwelt berechnen zu können, die nicht nur von der Menge an Energie, sondern auch von den Eigenschaften der eingesetzten Energie-Erzeugungstechnik abhängig sind. Normalerweise handelt es sich bei diesen Erzeugungsarten um Wasserkraft, Kernkraft, Steinkohle, Erdgas, Windkraft, Photovoltaik, Kombi-Erzeugung und andere.
Je nach Gewichtung, die jede Technik im Spektrum der Energieerzeugung in dem Land hat, in der der Aufzug installiert wird, kann die Umweltverträglichkeit bei einem gleichwertigen Energieverbrauch sehr unterschiedlich sein.
Zum Beispiel liegt die Umweltverträglichkeit im Zusammenhang mit der Nutzungsdauer identischer Aufzugsanlagen, die im Jahre 2000 in fünf verschiedenen europäischen Ländern installiert wurden, in Frankreich bei 0,45, in Finnland bei 1,2, in Deutschland bei 1,55, in Großbritannien bei 1,87 und in Spanien bei 2,1 KPt (siehe Abbildung 3).
Das Spektrum der verschiedenen Arten der Energieerzeugung der zwei Länder mit den geringsten und stärksten Auswirkungen stellt sich prozentual wie folgt in Abbildung 4 dar.

Auch die Einführung neuer umweltfreundlicher Technologien kann sich positiv auf die Umweltverträglichkeit von Aufzugsanlagen auswirken. Wie in Abbildung 5 gezeigt, würde die Umweltbelastung eines im Jahre 2000 in Spanien installierten Aufzugs sich aufgrund der Einführung dieser technischen Neuerungen und Verbesserungen im Jahre 2007 um ca. 28 % reduzieren. Durch die Anwendung weiterer die Umwelt schützender Maßnahmen könnte sich diese Reduzierung bis ans Ende der Standzeit fortsetzen.

Indem wir das in diesem Aufsatz beschriebene Verfahren auf den Aufzug unserer Fallstudie anwenden, ergibt sich ein Energieverbrauch in Höhe von ca. 1855 kWh/ Jahr, der einer Umweltverträglichkeit von 1,5 KPt (Öko-Indikator 99) entspricht. Die größten Beeinträchtigungen haben mit der Nutzung natürlicher Ressourcen (fossile Brennstoffe) und mit der menschlichen Gesundheit (anorganische Substanzen und ihre Auswirkungen auf die Atmungsorgane) zu tun.
Die gleichen Berechnungen werden bei einem Aufzug durchgeführt, der mit dem falschen Gegengewicht ausgestattet ist (mit einem überflüssigen Gewicht von 75 kg). Bei diesem Verkehrsmuster führt dies zu einer Erhöhung des Energieverbrauchs, dessen Auswirkung auf die Umwelt die o. g. Zahl (siehe Abb. 1) um ca. 5 % erhöht. Andere Studien zeigen, dass die Zustände in der Aufzugsanlage und eine schlechte Ausrichtung eine Steigerung des Energieverbrauchs im Vergleich zum Idealfall herbeiführen.
Schlussfolgerungen
Die in diesem Beitrag beschriebene Methodologie hat sich als ein sehr effektives Werkzeug für die Bewertung der Auswirkungen auf die Umwelt des Energieverbrauchs eines Aufzugs im Laufe seiner Nutzungsdauer erwiesen. In diesem Sinne scheint ihre Anwendung prädestiniert für die in dieser Branche tätigen Firmen, um die Verträglichkeit ihrer Produkte zu bewerten.
Meistens wird das Argument des Energieverbrauchs herangezogen, um nachzuweisen, dass aus Sicht des Umweltschutzes eine Aufzugstechnik sich besser eignet als eine andere. Diese Studie zeigt jedoch, dass es mehr Faktoren als nur die Aufzugstechnik gibt, die die Umweltverträglichkeit beeinflussen (z. B. das Spektrum der verschiedenen Energien eines Landes). Da dieses Spektrum von Land zu Land und auch in einem Land über die Nutzungsdauer gesehen stark variieren kann, hängt dieses Argument von den spezifischen am Betriebsstandort des Produktes vorherrschenden Umständen ab.
Ein weiterer Faktor, der im Laufe der Entwicklung nicht berücksichtigt werden kann, sind die Auswirkungen des Anlagenzustands. Ein schlecht über das Gegengewicht (leichter oder schwerer als notwendig) ausbalancierter Aufzug kann einen durchschnittlichen Energieverbrauch aufweisen, der je nach Verkehrsmuster stark variieren kann. Darum ist es notwendig, dass die durch die Hersteller unterbreiteten Anweisungen für die Installation des Produkts sehr präzise sind und bei der Inbetriebnahme der Anlage eine Kontrolle durchgeführt wird, um sicherzustellen, dass ungewünschte Auswirkungen unterbleiben. Gleichzeitig könnte eine ordnungsgemäße Verkehrssteuerung dazu beitragen, dass die für die Wartung zuständige Firma mit nützlichen Informationen versorgt wird, damit der Energieverbrauch des Aufzugs optimiert werden kann.

Zu den Autoren
José Alberto Roig ist ein Maschinenbauingenieur mit 14-jähriger Berufserfahrung in der Aufzugsbranche, der überwiegend im Bereich Qualitätssicherung, Forschung und Entwicklung tätig war. Derzeit arbeitet er für die Firma MP Lifts als Leiter der technischen Forschungsabteilung. Seit dem Jahre 2000 arbeitet er kontinuierlich mit dem Instituto Tecnológico de Aragón auf dem Gebiet lokaler und europäischer Innovationsprojekte zusammen.
Ana Lorente ist Maschinenbauingenieur und Absolvent der Universität von Zaragoza und verfügt über Berufserfahrungen in der Forschung und Entwicklung, in der Qualitätssicherung und im Umweltschutz, die er in internationalen Firmen gesammelt hat. Seit Februar 2006 arbeitet er für das Instituto Tecnológico de Aragón auf dem Gebiet europäischer Projekte und ökologischer Auslegungen.
Agustín Chiminelli ist Werkstoffingenieur und Maschinenbauingenieur und Absolvent der Universität von Zaragoza. Er arbeitet für das Instituto Tecnológico de Aragón an verschiedenen Projekten im Zusammenhang mit neuen Werkstoffen und ökologischen Auslegungen.
José Luis Núñez ist Maschinenbauingenieur und Absolvent der Universität von Zaragoza. Er arbeitet seit 1998 als Forscher im Instituto Tecnológico de Aragón. Derzeit ist er an diesem Institut als technischer Koordinator der Bereiche Forschung, Entwicklung und technische Dienstleistungen tätig.
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