Ausgabe 3/2010


05/01/10

VDMA Mitgliederversammlung FV Auf, 19. 4. 2010


Positive Grundstimmung

Der Ruf nach Frankfurt zur Mitgliederversammlung ist immer ein Signal. Ihm folgten auch 2010 wieder gut 90 Teilnehmer aus den Mitgliedsunternehmen. Sie wurden von Vorstand, Geschäftsführung und Komiteesprechern hervorragend informiert. Die Krise hat auch die Aufzugsindustrie erreicht, aber im Vergleich zu anderen Branchen in sehr bescheidenem Maße. Daher war die Gesamtstimmung der Versammlung als deutlich positiv zu bezeichnen.
Kategorie: Fachaufsaetze Ausgabe 3/2010
Erstellt von: Editor

Für das Vorabendtreffen lässt sich die Geschäftsstelle immer etwas Besonderes einfallen. In diesem Jahr waren wir im Deutschen Architekturmuseum (DAM). Nach vielen Diskussionen um die Entstehung erfolgte 1977 eine Absichtserklärung der Stadt Frankfurt, ein solches Museum zu realisieren. Am Mainufer wurde eine historische Villa umgebaut, wobei kein funktionaler Museumsbau, sondern ein programmatisches Gebäude für Architektur kreiert wurde. Im Kernbereich entstand ein „Haus im Haus“ und damit wurde die älteste Bauaufgabe, nämlich das einfache Haus, verwirklicht. Die quadratische Struktur des Raumgefüges, die fast ausschließliche Verwendung der Farbe Weiß und die gemischte Tages- und Kunstlichtführung betonen das abstrakte Raumerlebnis. Viele Besucher der Ausstellungen kommen auch des Gebäudes wegen. Durch große und kleine Ausstellungen bezieht das Museum heute Stellung zu architekturhistorischen und aktuellen Themen der Architektur und des Städtebaus. Übrigens: Wir sind dort auch hervorragend bewirtet worden!

    

Zur offiziellen Mitgliederversammlung am 19. April begrüßte Albert Schenk als Vorstandsvorsitzender pünktlich. Zunächst wurde Horst Witturs gedacht, der auch in diesem Gremium aktives Engagement gezeigt hat. Aber das Leben geht weiter, und daher war es ihm eine große Freude, sieben neue Mitglieder im FV Auf begrüßen zu können. Eine Mitgliedschaft ist ja auch keine Strafe, sondern das Netzwerk, die zahlreichen Dienstleistungen und immer neue Aktivitäten bieten den Mitgliedern auch etlichen Nutzen.
Konjunkturdaten
Es ist schon eine gute Tradition, dass Albert Schenk die Daten der Baukonjunktur präsentiert und auf dieser Grundlage die Auswirkungen auf die Aufzugsindustrie zu prognostizieren versucht. 2009 hat die Rezession auch die Bauwirtschaft erreicht und eine Erholung der Wirtschaftsbaukonjunktur wird nicht vor 2011 erwartet. Öffentliche Aufträge liegen im Plusbereich wegen der Konjunkturprogramme. Der Ifo-Geschäftsklimaindex im Bauhauptgewerbe ist im Februar erneut gestiegen und die Geschäftserwartungen haben sich verbessert. So ist es auch erklärlich, dass der Auftragseingang Aufzüge im Jahr 2009 nur minimal unter 2008 liegt, lediglich bei den Fahrtreppen ist der Rückgang stärker. Die Ergebnisse der Tendenzumfrage vom Januar 2010 in der Aufzugsindustrie sehen daher auch nicht schlecht aus.
Die Aktivitäten des Vorstandes reichen von Besuchen bei Mitgliedern, über das Engagement bei der Entwicklung des technischen Regelwerkes (Normen) bis hin zu Bestrebungen nach hoher Energieeffizienz bei Aufzugsanlagen. In einem Gespräch beim Bundesministerium für Arbeit und Soziales ging es um die neue Betriebssicherheitsverordnung und in dem Zusammenhang um das Thema Wartung. Aufzüge sollten überwachungsbedürftig bleiben und die generelle Wartungspflicht sollte von qualifizierten Unternehmen durchgeführt werden. Das Ministerium arbeitet eng mit dem FV Auf zusammen und erwartet Vorschläge.
Geplant wird ein Deutscher Aufzugstag als Plattform der Leitungsebene der bundesweiten Aufzugsbranche. Natürlich sind als Teilnehmer auch wichtige Persönlichkeiten aus Betreiber- und Planerkreisen sowie von Behörden und Normungsorganisationen erwünscht. Angedacht ist eine Veranstaltung in Berlin am 11. November 2010, unter dem Thema „Wirtschaftliche Perspektiven für die Deutsche Aufzugsbranche“.
Bericht Geschäftsstelle
Die bekannten drei Säulen des VDMA (Netzwerk, Dienstleister für die Mitglieder, Interessenvertretung) sind auch für die tägliche Arbeit im FV Auf entscheidend. Verbindungen und Gespräche mit der Politik, gute Zusammenarbeit mit anderen Verbänden und aktive Mitarbeit in europäischen Institutionen und technischen Kommissionen gehören zum Alltag. So berichtete Ebru Gemici-Loukas als Vorsitzende des ELA Statistical Committees aus ihrer Arbeit. Günther Horny nahm Stellung zur neuen Maschinenrichtlinie 2006/42/EG und das damit in Verbindung gebrachte Verbot von Kinderwagen auf Fahrtreppen. Dabei ist die Nutzung mit Kinderwagen nur eine vorhersehbare Fehlanwendung und darauf muss hingewiesen werden. Erfolgt dies nicht, hat das Produkt einen Mangel und der Hersteller haftet verschuldensunabhängig.
Peter Günther skizzierte die Mitarbeit des FV Auf bei der Novellierung der Betriebssicherheitsverordnung. Wenn Aufzüge „überwachungsbedürftige“ Anlagen bleiben, stärkt das natürlich die Rolle der Wartungsunternehmen im Markt, sofern man ein Fachbetrieb ist und damit die Wartung durchführen kann. Der FV Auf ist ebenso in der Expertengruppe EXPRES S der EU-Kommission und in der „Kommission Mittelstand“ (KOMMIT) des DIN vertreten. Durch diese Aktivitäten versucht man, bei der Entstehung der Normen Einfluss zu nehmen und wenn möglich im Sinne der Mitglieder zu entscheiden. Gespräche mit den Zentralen Überwachungsstellen (ZÜS) haben ergeben, dass etwa 50 % des Anlagenbestandes bei Aufzügen mangelhaft sind. Auch hier versucht man gemeinsam Maßnahmen einzuleiten, die zu einer Verbesserung führen.
Man sieht: Im Fachverband wird nicht geschlafen.
Komitee-Aktivitäten
Die Komitees des Fachverbandes sind die ausführenden Organe des Vorstandes, und Teilnehmer aus den Mitgliedsbetrieben sind hier auf ehrenamtlicher Basis tätig. Durch einen Paten aus dem Vorstand wird der direkte Kontakt dorthin jederzeit gewahrt.
Hans-Jürgen Großmann (Schindler) als Teamleiter berichtete über die mannigfaltigen Themen im Komitee Aufzüge. Es geht dabei um aktive Mitarbeit am technischen Regelwerk, um die Interpretation und Hilfen bei der praxisorientierten Anwendung, um Know-how, Transfer in Schulungsmaßnahmen und Workshops und um die Erfassung und Analyse von Unfällen bei Aufzügen und Fahrtreppen. Die neue Maschinenrichtlinie 2006/42/EG ist ab dem 29. Dezember 2009 ohne Übergangsfrist anzuwenden und damit hat sich auch die Aufzugsrichtlinie 95/16/EG verbindlich geändert. Damit werden einige Unklarheiten beseitigt. Auch bei der Betriebssicherheitsverordnung traten ab 29. Dezember 2009 einige Änderungen bei Aufzugsanlagen in Kraft. Der Fachverband Auf hat entsprechend informiert. Immer noch fehlt ein zentrales Melderegister für Unfälle und die letzte offizielle Auswertung vom DAA erfolgte in 2002. Daher sind alle Veröffentlichungen unvollständig.
Als Sprecher des Komitees Wirtschaft erläuterte Raimo Hätälä (OSMA) im Wesentlichen die Arbeit im Bereich der Statistik. Die vierteljährlichen Konjunkturmeldungen sowie die erarbeiteten Unterlagen über Konjunkturaussichten sind den Mitgliedern eine wertvolle Information. Die Tendenzumfrage zum Geschäftsklima, der „VDMA Aufzugsindex“, von Januar 2010 zeigt ein sehr erfreuliches Ergebnis, und die vierteljährliche Erhebung sollte weiter geschehen. Das Angebot der durchgeführten Seminare hinsichtlich Bauvertragsrecht wurde gut angenommen. Alle Veranstaltungen waren ausgebucht und wurden gut bewertet. Weitere Seminare über „Baukonstruktion für den Aufzugsbau“ folgen im Juni und Oktober.
Über Arbeit und Ziele des Komitees Wissen und Ausbildung trug Peter Gurdon (Schindler) vor. Man will Ausbildungs- und Qualifikationsdefizite erkennen, Standards und Anforderungsprofile erarbeiten und durch Qualifizierungsangebote versuchen, Mitarbeiter an die Firmen zu binden. Insgesamt soll das Berufsbild der Branche aufgewertet werden, um u. a. auch leistungsstarke Mitarbeiter aus anderen Branchen anzuziehen. Ziel bei allen Aktionen sind Servicetechniker, Auszubildende und Quereinsteiger. Für sie gilt es, geeignete Weiterbildungsmaßnahmen zu schaffen. Auch einer Zusammenarbeit mit anderen Organisationen/ Institutionen steht man nicht ablehnend gegenüber. So wird z. B. für die Zusatzqualifikation „Servicetechniker“ mit der Handwerkskammer Hamburg als Begleitung gemeinsam gearbeitet. Das Kompetenzzentrum Elbkampus mit seinen Weiterbildungsmöglichkeiten wurde von Wolfgang Reich vorgestellt. Zusammen mit einem Personaldienstleister (Bunnies Personal) werden hier die Interessenten geworben und zusammengebracht. In Maßnahmen bestehend aus einer Kombination der Kenntnisvermittlung in Theorie und Praxis wird hier mit Erfolg gearbeitet.
    
Vom Komitee Komponenten wurden wieder zahlreiche Normenanalysen vorgenommen. Lars Kollmorgen berichtete als Sprecher über alle Aktivitäten. Das E4 Projekt beschäftigt sich mit Messungen des Energiebedarfs von Aufzügen und Fahrtreppen, um dann daran Einsparmöglichkeiten aufzuzeigen. Es wurde ein Energieeffizienz-Prognosetool erarbeitet, welches den Aufzugsbauer bei der Planung hinsichtlich erwartetem Energieverbrauch unterstützen soll. Es dient als Entscheidungshilfe zur sinnvollen Wahl von energieeffizienten Aufzugskomponenten, um den Verbrauch im Standby- und Fahrzustand zu optimieren. Die Anlagedaten des Aufzuges können an den VDMA geschickt werden. Die Ergebnisse werden dann per E-Mail versandt. Als geplanter Starttermin ist der April 2010 vorgesehen. Auch für 2010 ist die Energieeffizienz ein Arbeitsschwerpunkt. Sicherlich ist die Übertragungssicherheit von Notrufsystemen eine Betrachtung wert, denn wenn 2015 das Analogsystem eingestellt werden soll, gibt es Handlungsbedarf.
Odo Hake (OSMA), Sprecher des Komitees Kommunikation, beschrieb die Aufgabe dieser Gruppe mit einem Satz: „Wir müssen alles, was im FV Auf erarbeitet wird, bestmöglich „unter die Leute bringen“, d. h. unterschiedlichen Zielgruppen wie Mitgliedern, Betreibern, Gesetzgebern und der interessierten Öffentlichkeit zur Kenntnis bringen.“ Das geschieht durch Publikationen, Pressearbeit (Tagespresse/Fachpresse), Internet- Auftritt des FV Auf, Messeauftritte und Sonderveranstaltungen. Eine Vielzahl von Flyern gibt Mitgliedern und Interessenten qualifizierte Informationen. Im Internet sind für die Mitglieder zahlreiche wichtige Informationen durch Downloads abrufbar. Unter dem Thema „Sicherheit bei bestehenden Aufzugsanlagen“ steht bei der Geschäftsstelle ein Film der ELA (European Lift Association) zum kostenlosen Abruf bereit. Beim erfolgreichen Auftritt auf der interlift 2009 konnte der FV Auf sein Netzwerk zu Herstellern, Betreibern, Prüfinstituten und Behörden weiter pflegen und ausbauen.
Mit seinem Dank an die wertvolle Komiteearbeit wies Albert Schenk noch einmal auf die Wichtigkeit dieser Tätigkeiten für den Verband hin.
Im Sinne der Umsetzung des Konjunkturpaketes der Bundesregierung hörten wir zum Schluss einen Gastvortrag von Dr. Heinrich Schlomann, Direktor KfW Mittelstandsbank , mit dem Thema: Wie kann die Aufzugsbranche vom Sonderprogramm der KfW profitieren?“ Eine Kreditklemme in diesem Bereich besteht nicht, allerdings hat sich auch die Nachfrage verringert. Das ist allerdings nicht verwunderlich, denn die Anforderungen für eine Gewährung sind sehr hoch. Und wenn dann ein positiver Bescheid erfolgt, sind die Bedingungen sehr hart. Man muss schon ein sehr gesunder Betrieb sein, um in den Genuss dieser Mittel zu kommen – und dann braucht man eigentlich keinen Kredit mehr.
Pünktlich konnte uns Albert Schenk ins Wochenende bzw. in die Osterferien entlassen, nicht ohne vorher den Organisatoren der Veranstaltung für die Arbeit wie auch den Teilnehmern für ihre Anwesenheit zu danken und auf die nächste Mitgliederversammlung des FV Auf am 24./25. März 2011 hinzuweisen.
3/2010