Am 19. Mai 2010 hatte die Firma Kollmorgen Steuerungstechnik zum Kölner Technik-Tag 2010 eingeladen. Die immer neuen Anforderungen an moderne Gebäudetechnik, die starke Entwicklung der Technologien und die umfangreicher und komplizierter gewordenen Normen und Vorschriften sollten durch praxisbezogene Fachvorträge Aufzugsbauern, Betreibern, Planern und Architekten vermittelt werden. Das ist sehr gut gelungen. Zur Abrundung der Veranstaltung bestand Gelegenheit zu einem Firmenrundgang.
Seit 1965 beschäftigt man sich im Hause Kollmorgen mit der Entwicklung und Fertigung hochwertiger Steuerungssysteme und Komponenten für die internationale Aufzugsindustrie. Mehr als 85 000 Steuerungen wurden weltweit geliefert. Das zeugt von Innovationskraft, Leistungsfähigkeit und Marktverbreitung. Häufig waren Steuerungen von Kollmorgen die ersten ihrer Art, so z. B. 1980 die erste Mikroprozessorsteuerung und 1994 die ersten Feldbussteuerungen für den Aufzugsbau. Ab 2001 begann eine starke Umstrukturierung. So wurde in dem Jahr auch der Grundstein für die eigene Tableau-Fertigung geschaffen, die man 2006 in eine neue Halle verlegte. Seit der Zeit ist auch die Fertigungstiefe stark erhöht worden. Vom Jahr 2000 an hat sich bis heute die Zahl der Mitarbeiter auf ca. 130 erhöht, also etwa verdoppelt. Ab 2006 hat man auch die SMD Fertigung und Bestückung der Platinen wieder „inhouse” aufgenommen. Bei der Lötung hat man sich für die bleifreie Version entschieden. Die erforderlichen Maschinen müssen eine große Flexibilität wegen der vielen Umrüstungen gewährleisten. Eine Serienproduktion gibt es bei Kollmorgen so gut wie nicht. Natürlich gibt es Wiederholungsaufträge, aber die meisten Steuerungen sind Einzelanfertigungen. Die hohen Qualitätsanforderungen verlangen eine intensive Prüfung der Produkte. Alle Prozessoren werden in Wärmeschränken unter klimatischen Extrembedingungen ausgiebig getestet. Zudem werden die Baugruppen einem computerunterstützten Funktionstest unterzogen. Zum Schluss wird jede Anlage im Prüffeld komplett, d. h. inklusive Tableaus und allen Komponenten, mit Hilfe spezieller Prüfeinrichtungen auf einwandfreie Funktion kontrolliert.
Der hochinteressante Betriebsrundgang vermittelte den Eindruck, dass die Produkterstellung hier gut durchorganisiert, in hoher Qualität und mit modernster Technik erfolgt.
Intensiv betreut von den beiden Inhabern, Björn und Lars Kollmorgen, dem Marketingleiter, Christian Weidekamp, und einem guten Team fühlten sich die etwa 50 Gäste sehr wohl. Das Auditorium setzte sich zusammen aus Aufzugsbauern, Betreibern und Vertretern von Prüfinstituten. Nach der Begrüßung durch Björn Kollmorgen wurde zügig gestartet mit dem ersten Fachvortrag.

Der erste Vortrag, gehalten von Lars Kollmorgen, beschäftigte sich mit der steuerungsseitigen Optimierung von Aufzugsanlagen. Ziele sind eine effiziente Inbetriebnahme, intelligente Diagnosen, selbst optimierendes Fahren und natürlich: Energiesparen. Türzeiten z. B. sollten adaptiv optimiert werden und nicht fest sein. Die Steuerung muss das Verkehrsmuster eines Gebäudes erst lernen, um die günstigste Position für die Parkebene des Aufzugs zu finden. Das variiert sicher mit der Tageszeit (Beispiel Up Peak / Mitte des Tages Inter Floor Traffic/Down Peak). Durch ein verkehrsabhängiges Abschalten von Energieverbrauchern im Aufzug erfolgt dann eine adaptive Energieoptimierung. In unterschiedlichen Energiemodi können unterschiedliche Energieverbraucher abgeschaltet werden. Die Optimierung der Verzögerungswege führt zu verkürzten Fahrzeiten und damit auch zu Energieeinsparung. Dazu ist natürlich ein geeignetes Antriebskonzept erforderlich, genauso wie eine hochwertige Schachtkopierung. Man sieht: Der Steuerungshersteller kann sehr viel für eine Optimierung des Energieverbrauchs machen. Wichtig ist auch der qualifizierte Monteur, der vor Ort die Voreinstellungen noch einmal verbessern kann.

Mit der Problematik der Lüftung der Aufzugsschächte beschäftigte sich Guy Stamet. Dieses Problem nimmt zu bei energieeffizient gebauten Immobilien. Rauch-, Wärmeabzug und Lüftung sind notwendig für Gesundheit und Sicherheit der Nutzer und des Wartungspersonals. Das Ziel jeder Entlüftung ist die CO2 neutrale Immobilie. Seit Einführung der EnEV in Deutschland herrscht Unsicherheit darüber, wie die Sicherheits- und Gesundheitsanforderungen auf die obligatorische Entlüftung der Kabine anzuwenden sind. Gleichzeitig legt die EnEV auch fest, dass neben der geforderten Dichtigkeit des Gebäudes aus hygienischen und gesundheitstechnischen Gründen ein ausreichender Luftaustausch gewährleistet sein muss.
Auf jeden Fall garantiert der heutige Stand der Technik ohne weiteres Lüftung, Rauch- und Wärmeabzug bei Aufzugsschächten mit äußerst wirtschaftlichen Mitteln. Die Installation einer EWAR-Anlage mit einer einzigen Öffnung für Entlüftung, Wärmeabzug, Abkühlung und Rauchabzug direkt nach außen (horizontal oder vertikal) ist wohl die effizienteste Lösung einer intelligenten Lüftungssteuerung für Aufzugsschacht und Triebwerksraum. Damit wird gleichzeitig den Anforderungen der EnEV und der Aufzugsrichtlinie 95/16/EG entsprochen. BlueKit sorgt dafür, dass der Aufzugsschacht bei Anwesenheit von Personen, also nur während der Betriebszeiten des Aufzuges gelüftet wird.

Der dritte Vortrag, gehalten von Lars Kollmorgen, beschäftigte sich mit den steuerungsseitigen Energieeinsparungspotenzialen. Das Protokoll der Konferenz in Kyoto legt Anforderungen fest, und daher werden bei allen Innovationen energieeffiziente Produkte und Konzepte gefordert. In Gesetzen, Richtlinien und Normen werden auf dem Weg zur Umsetzung laufend neue Daten eingefordert, aber auch Wege aufgezeigt (VDMA Prognosetool, Energie Label VFA). Der energetische Bedarf beim Aufzug teilt sich in den Bedarf der Stillstandszeit und während der Fahrt. Es ist Aufgabe einer modernen, technisch hochwertigen Steuerung, Optimierungsmöglichkeiten für den Energieverbrauch sowohl für den Fahrbetrieb als auch für den Standby-Betrieb zu berücksichtigen . Der jährliche Energiebedarf bei Aufzugsanlagen in Deutschland liegt zwischen 2,2 – 4 Twh, also eine Größe, die schon Potenzial zum Sparen bietet. Konstruktive Einflusskriterien auf den Fahrtenergieverbrauch einer Aufzugsanlage liegen u. a. im Antrieb, im Getriebe, bei den Führungsschienen, bei der Aufhängung. Weiterhin haben Lastzustand, Position der Aufzugskabinen, Rufverteilung etc. Einfluss auf den Energieverbrauch, besonders bei Gruppenanlagen. Folgende Komponenten beeinflussen den Energieverbrauch im Standby-Bereich: Steuerung, Frequenzumrichter, Fahrkorblicht, Türantrieb, Lichtgitter, Etagenanzeigen, Ruftaster. Die Aufzugsindustrie erlebt durch die Herstellung energieeffizienter Produkte einen Innovationsschub und der Markt wird für das Thema Energieeinsparung sensibilisiert.

Über fahrdynamische Energieeinsparpotenziale referierte Dr. Holger König von der Firma Control Techniques. Moderne Antriebstechnik (z. B. Umrichter mit gearless Motor und Rückspeisung) ist in der Lage, den Energiebedarf zu halbieren. Dabei ist festzuhalten, dass der Energiebedarf beim Fahren nicht nur vom Antrieb sondern auch von der Mechanik des Schachtes abhängig ist. In Hinsicht auf die Geschwindigkeit darf die Reduktion nicht unter die Nenngeschwindigkeit sinken, denn dann verschlechtert sich die Energieeffizienz. Die Umrüstung auf Schnellstartfunktion reduziert die Fahrtzeit und die Halteverlustzeiten und damit erhöht sich die Förderleistung. Viele Umrüstungen im Sinne des Energiesparens amortisieren sich in etwa zwei Jahren.

Der abschließende Vortrag beschäftigte sich mit der Zielrufsteuerung. Er wurde gehalten von Stefan Beck, stellvertretender Leiter der Softwareentwicklung bei Kollmorgen. In der Entwicklungsgeschichte beginnt es mit der Handsteuerung, geht weiter über die Ein- und Zweiknopf-Sammelsteuerung bis zur Zielrufsteuerung. Sie lohnt sich insbesondere bei hohen Transportanforderungen. An einem Beispiel wurde der Unterschied zwischen einer Sammelsteuerung und einer Zielrufsteuerung aufgezeigt, wobei die Zielrufsteuerung 27 % günstiger war. Personenbezogen ergeben sich kurze Wartezeiten, die Kabinenausnutzung ist gut und es entstehen keine weiteren Halts, das erhöht den Komfort für den Nutzer. Für das System erhöht sich die Förderleistung und damit die Kapazität der Anlage. Durch einen Zielrufalgorithmus muss für die Aufzugsgruppe der beste Fahrplan gefunden werden. Für alle User muss die Reisezeit (= Wartezeit + Fahrzeit) optimal sein. Selbstredend, dass durch diese optimalen Fahrtzeiten auch die Energieeinsparung sehr hoch ist.
Fazit: Der Kölner Technik-Tag 2010 bei Kollmorgen war ein Erfolg und einen Besuch wert. Hochinteressante Vorträge zu aktuellsten Branchenproblemen, eine gute Betriebsbesichtigung und hervorragende Fachgespräche haben alle Teilnehmer vollauf zufriedengestellt. Eigentlich kann man sich nur sehr bedanken und hoffen, dass diese Veranstaltung nicht die letzte dieser Art war.
Dr. Peter Lauer