Ausgabe 1/2005
01/01/05
Hightech und Historie: Zu Gast bei Mövenpick in Berlin

Im einstigen Verwaltungsgebäude von Siemens an der Schöneberger Straße eröffnete das erste Mövenpick-Hotel der Hauptstadt seine Pforten. Schindler lieferte die Aufzugstechnik für die nicht ganz alltägliche Vier-Sterne-Plus-Herberge. Schon auf den ersten Blick erkennt der Besucher, dass das Berliner Mövenpick kein gewöhnlich gestaltetes Hotel ist: Das bunt leuchtende Vordach aus quadratischen Glaselementen steht im erfrischenden Kontrast zu der neoklassizistischen Fassade. Akzentuiert und farbenfroh präsentiert sich das Haus auch im Innern. So verblüfft das Mövenpick mit einer mittelalterlich anmutenden Eingangshalle, deren wieder freigelegte Kreuzgewölbe in knalligen Rottönen erstrahlen.
Kategorie: Fachaufsaetze Ausgabe 1/2005
Erstellt von: Editor
Das Spiel mit den Gegensätzen von alt und modern, von sachlicher Industriearchitektur einerseits und behaglicher Hotelatmosphäre andererseits, prägt den Charakter des neuen Mövenpick-Hotels. Es ist Teil des gestalterischen Konzepts mit dem die Schweizer Architekten und Designer Pia Schmid und Karsten Schmidt-Hoensdorf dem Gebäude neues Leben einhauchten. Dazu gehört der Einsatz von frischen Farben ebenso wie das Arbeiten mit Materialien, die eigentlich in Industriebauten Verwendung finden – eine Referenz an die ursprüngliche Nutzung durch Siemens.
Da sind zum Beispiel die Bäder der Hotelzimmer, die durch Wände aus Glasbausteinen vom Wohn- und Schlafbereich abgetrennt sind. Mit dieser Idee, einen Werkstoff aus der industriellen Bauweise zu verwenden, gelang es dem Architekten- und Designerduo innen liegende Bäder mit Tageslicht zu schaffen und damit ökonomisch und ökologisch zugleich zu bauen. Dass dennoch keine unterkühlte Atmosphäre entsteht, dafür sorgen üppig fallende Vorhänge an den Fenstern der über vier Meter hohen Räume und eigens für das Mövenpick angefertigte Möbel aus Olivenholz.
Hotelflure als Ausstellungsräume
Außergewöhnlich gestaltet sind auch die Flure des Hauses: Die Besucher wandeln über blaue oder graue Teppichböden, die mit großen Blüten bedruckt sind und finden handgeschriebene, kurzweilige und sinnfällige Sprüche an den Wänden: „Mit diesen Kalligrafien kann der Gast der Eintönigkeit des Alltags entfliehen und fühlt sich in den langen Hotelfluren nicht im Niemandsland“, sagt Pia Schmid.
In den Gängen finden sich aber auch Relikte aus der Vergangenheit wieder: Dampfgeräte, Kessel von Lokomotiven, Signale oder Weichen – Leihgaben aus dem nahe gelegenen Deutschen Technikmuseum Berlin – sind hier ausgestellt. Sie greifen nicht nur das Thema „Reisen“ auf, sondern stellen auch einen Bezug zum Anhalter-Bahnhof her, dessen Überreste noch heute auf dem Askanischen Platz, auf der anderen Seite der Schöneberger Straße zu finden sind.

Vom Siemens-Haus zum Designhotel
Von der Nähe zum Anhalter-Bahnhof konnten anno 1847 Werner Siemens und Georg Halske profitieren. In diesem Jahr gründeten die beiden Pioniere in einem der Hinterhöfe der Schöneberger Straße 19 den späteren Weltkonzern Siemens. Während die Produktion aus Platzgründen später nach Spandau verlagert wurde, entstand in der Schöneberger Straße von 1914 bis 1916 die Repräsentanz und Verwaltung von Siemens. 1930 wurde der Komplex um ein weiteres Gebäude ergänzt.
Wie bereits beim alten Haus, stammten die Entwürfe vom Siemens-Architekten Hans Hertlein. Dieser hätte sich wohl kaum träumen lassen, dass der Komplex einmal zum Designhotel umgebaut wird. Die neue Nutzung der ehemaligen Fabriketagen bringt ihre ganz eigenen Reize mit sich: Mit bis zu 4,90 Meter hohen Räumen und riesigen Fenstern empfängt das Mövenpick seine Gäste. Ungewöhnlich auch die Vielzahl der Zimmergrundrisse: Bei 243 Zimmern stehen 87 verschieden geschnittene Unterkünfte zur Auswahl.
Vor allem aber sind es die originellen Ideen des Architekten- und Designerduos Schmid und Schmidt-Hoensdorf, die dem Haus seine individuelle Note verleihen. Ob in den Fluren, den Konferenzbereichen oder dem Restaurant, überall werden die Besucher von interessanten Details überrascht. Gespeist wird beispielsweise in einem der vier Innenhöfe unter einem „Cabrio-Dach“ aus Glas, das bei schönem Wetter geöffnet werden kann.
Vor allem aber sind es die originellen Ideen des Architekten- und Designerduos Schmid und Schmidt-Hoensdorf, die dem Haus seine individuelle Note verleihen. Ob in den Fluren, den Konferenzbereichen oder dem Restaurant, überall werden die Besucher von interessanten Details überrascht. Gespeist wird beispielsweise in einem der vier Innenhöfe unter einem „Cabrio-Dach“ aus Glas, das bei schönem Wetter geöffnet werden kann.
Per Aufzug in den Siemens-Saal
Das außergewöhnliche Projekt bot allen Beteiligten die Möglichkeit ihr Können unter Beweis zu stellen. Die Belange der Denkmalpflege galt es dabei ebenso zu berücksichtigen wie die Bedürfnisse der künftigen Hotelgäste. Das bedeutete die aufwändige Restaurierung von Erhaltenswertem wie dem Siemens-Saal oder dem historischen Treppenhaus im Hauptgebäude und zugleich die komplette Neuorganisation des Komplexes mitsamt der sanitären und technischen Infrastruktur.

Um modernen Standards zu entsprechen war der Einbau von Aufzügen natürlich ein Muss. Die neuen Aufzüge sollten einerseits höchsten Komfort bieten, zugleich aber wenig Raum in Anspruch nehmen. Der mit dem Umbau beauftragte Generalunternehmer Anton Schmittlein, Berlin, favorisierte deshalb die beiden Platz sparenden, triebwerksraumlosen Aufzugmodelle SchindlerEuroLift und SchindlerSmart. Lediglich ein Lastenaufzug in der Küche wurde von Schindler wegen seiner ungewöhnlichen Maße mit Triebwerksraum und hydraulischem Antrieb ausgeführt.
Als Hauptaufzüge stehen zwei Zweiergruppen des SchindlerEuroLift im Foyer und in einem Seitenflügel im rückwärtigen Gebäudeteil zur Verfügung. Sie erschließen die sechs Etagen zwischen dem Konferenzbereich im Souterrain und den Zimmern im Dachgeschoss. Während sich die beiden Kabinen im Foyer durch einen geschlossenen Schacht bewegen, gleiten die Kabinen im rückwärtigen Gebäudeteil durch einen verglasten Schacht mit Blick auf den „Hof der Stille“, einen der vier neu angelegten Innenhöfe des Komplexes, der an einen Zen-Garten erinnert.
Fließende Übergänge von der jeweiligen Umgebung zur Aufzugskabine schufen die Designer und Architekten durch die Wahl des gleichen Bodenbelags. Während die Fahrkörbe im Foyerbereich mit Teppichboden ausgestattet sind, erhielten die verglasten Aufzüge Dielenböden.
Schlicht und robust sind dagegen die Lastenaufzüge gestaltet. In ihrer Funktion sind die für die Gäste unsichtbaren Anlagen gleichwohl von entscheidender Bedeutung, denn ohne sie würden die ganzen Abläufe des Hotels empfindlich gestört. Neben den beiden Zweiergruppen für die Besucher dienen zwei SchindlerEuroLifts, der bereits erwähnte Hydraulikaufzug und ein SchindlerSmart als Serviceaufzüge für das Personal. Ein weiterer SchindlerSmart erschließt den Konferenzbereich im Hauptgebäude und führt vom Erdgeschoss zum denkmalgeschützten Siemens-Saal im ersten Stock.
Der 100 Quadratmeter große, holzvertäfelte Sitzungssaal mit den rekonstruierten Stuckdecken ist das Prunkstück des Hauses und war seinerzeit der einzige Raum, der bequem per Aufzug zu erreichen war. Dieser stand aber wohl eher für die hohen Herren als für die kleinen Angestellten als bequemes Vehikel bereit. – Doch die Zeiten ändern sich: Das neue Mövenpick-Hotel ist dafür der beste Beweis.
Schindler Aufzüge und Fahrtreppen GmbH, D-12105 Berlin
1/2005


