Ausgabe 4/2010
07/01/10
4. European Lift Congress Heilbronn 19. und 20. Oktober 2010

Der „European Lift Congress Heilbronn“ wird am 19. und 20. Oktober 2010 zum vierten Mal stattfinden. Das bereits in der letzten Ausgabe des Lift Report veröffentlichte Programm soll in den folgenden Ausführungen näher erläutert und die einzelnen Beiträge vorgestellt werden. Die Organisatoren des Kongresses freuen sich, den Teilnehmern auch in diesem Jahr ein attraktives Programm mit hochrangigen Referenten präsentieren zu können. Auch dank der ideellen Unterstützung durch die European Lift Association ELA, den beiden deutschen Hersteller verbänden VDMA und VFA sowie dem Verband der Technischen Überwachungsvereine VdTÜV verspricht der Kongress wieder ein voller Erfolg zu werden.
Kategorie: Fachaufsaetze Ausgabe 4/2010
Erstellt von: Editor
- Die Begrüßung der Teilnehmer zu Beginn des Kongresses übernehmen Prof. Georg Clauss (Geschäftsführer der Technischen Akademie Heilbronn), Prof. Jürgen Schröder (Rektor der Hochschule Heilbronn) und Luc Rivet (Generalsekretär der European Lift Association ELA). Die Eröffnung des Kongresses und die Einführung in die Fachthemen erfolgt durch Dr. Gerhard Schiffner (ThyssenKrupp Aufzugswerke, Deutschland), der auch in diesem Jahr den Kongress konzeptionell vorbereitet und die fachliche Leitung übernommen hat. Der diesjährige Kongress wird die Themenbereiche Sicherheit, Nachhaltigkeit und technische Innovationen behandeln.
- Den ersten Vortrag hält Beata Pich von der Europäischen Kommission über neue Entwicklungen bei den Europäischen Richtlinien für Aufzüge. Schwerpunkte dieses Vortrags werden die Einführung der neuen Maschinenrichtlinie Ende 2009 und deren praktische Auswirkungen auf die Aufzugsbranche sowie die bevorstehende Überarbeitung der Aufzugsrichtlinie sein. Bei dieser Überarbeitung ist von besonderem Interesse, ob und in welcher Form die Anforderungen an Schutzmaßnahmen gegen Quetschgefahren im Schachtkopf und in der Schachtgrube in Anhang I, Punkt 2.2 geändert werden. Weitere aktuelle Fragestellungen, die in der Arbeitsgruppe zur Aufzugsrichtlinie derzeit besprochen werden, runden die Ausführungen ab.
- In einem kombinierten Vortrag werden Prof. Anibal T. de Almeida von der Universität Coimbra/Portugal und Esfandiar Gharibaan von KONE International/Belgien die Ergebnisse des E4 Projekts (Energy Efficiency of Elevators and Escalators ) vorstellen und die möglichen zukünftigen Konsequenzen für produktspezifische Regelungen und deren Auswirkungen auf die Aufzugsbranche erläutern. Bei den etwa 5 Millionen bestehenden Aufzügen in Europa besteht ein großes Potential zur Energieeinsparung, wenn die beste verfügbare Technik eingesetzt würde. Da pro Jahr nur ca. 2 % Neuanlagen zu dem Bestand hinzukommen bzw. ihn teilweise ersetzen, sind Maßnahmen zur Verbesserung der Energieeffizienz von bestehenden Anlagen wirkungsvoller und können die Umwelt schneller entlasten als Maßnahmen, die nur für neue Anlagen gelten. Verschiedene Ansätze zur Erarbeitung von Regelungen für die Energieeffizienz von Aufzügen und Fahrtreppen in Europa werden aufgezeigt und die möglichen zukünftigen Auswirkungen auf die Produkte erläutert.
- Dr. Christian Studer von Schindler Elevator/ Schweiz erklärt ein hoch effizientes System für Traktionsantriebe, in dem die Leistung zum Bewegen des Gegengewichts auf die Leistung zum Bewegen des Fahrkorbs in Abhängigkeit vom Beladungszustand abgestimmt wird. Anhand einer variablen Geschwindigkeitsübertragung wird das Gegengewicht als Energiespeicher verwendet. Damit kann die erforderliche Antriebsleistung und der Energieverbrauch wesentlich reduziert werden. Die technische Umsetzung dieses Prinzips sowie dessen Vor- und Nachteile werden diskutiert.
- Im Rahmen des Umweltschutzmanagements nach ISO 14 000 müssen Unternehmen eine ganzheitliche Betrachtung des Lebenszyklus von Aufzügen durchführen, die alle Phasen von der Materialerzeugung, Materialverarbeitung, Transport, Einbau, Betrieb, Wartung, Modernisierung bis hin zum Ausbau und Entsorgung einbezieht. Peter Betz von PE International/Deutschland wird anhand eines praktischen Beispiels vorführen, wie eine Bewertung der Ökobilanz für Aufzüge durchgeführt wird und welche Lebensphasen dabei die größten Umweltauswirkungen haben. Anhand vergleichender Betrachtungen von alternativen Materialien, Technologien und/oder Verfahren können Verbesserungen in der Ökobilanz gefunden und umgesetzt werden. Seit ein paar Jahren kommen gesteuerte Belüftungsklappen für die Schachtbelüftung zum Einsatz, die Energieverluste durch das Entweichen von Warmluft über diese Öffnungen vermeiden. Die Klappen werden nur im Bedarfsfall, z. B. bei einem Brand im Gebäude geöffnet. Bei diesen gesteuerten Belüftungsklappen gibt es eine Reihe von Aspekten im Hinblick auf die Frischluftzufuhr für die Fahrgäste, die Wärmeabfuhr der im Schacht eingebauten Aufzugstechnik und auch die Raumhygiene insbesondere in Niedrigenergiehäusern zu berücksichtigen. Guy Stamet vom Haus vun der Energie/Luxemburg hat sich mit diesen Themen intensiv beschäftigt und wird Empfehlungen zur Vermeidung von Problemen mit diesen Einrichtungen geben.
- Die Methoden und Praktiken industrieller Entwicklungen haben sich in den letzten Jahren durch neue Technologien und Fertigungsverfahren, spezifische Benutzer- und Kundenanforderungen sowie durch verstärkte ökonomische und ökologische Aspekte wesentlich geändert. Wie diese Ansätze auf die Aufzugsbranche übertragen und damit Innovationen angestoßen werden können, schildert Dr. Paula Bello von KONE International/Finnland. Anhand von Fallstudien aus anderen Industriebereichen wird die Bedeutung dieser Ansätze aufgezeigt. In einem Ausblick werden Beispiele genannt, welche Auswirkungen industrielle Entwicklungen in Zukunft auf die Aufzugsindustrie haben können.
- Gerhard Thumm von ThyssenKrupp Elevator (CENE)/Deutschland erläutert die Umsetzung fortschrittlicher Technologien in Steuerungssystemen für Aufzüge. Dies führt zu einer neuen Generation von Aufzugssteuerungen, die neue Wege in der Funktionalität und Sicherheit eröffnen. Wesentliche Ansätze sind dabei die Anwendung eines Betriebssystems sowie die konsequente Integration von energieeffizienten Konzepten bereits in der Entwurfsphase. Möglichkeiten für optimierte und zukunftssichere Software, die von zunehmender Bedeutung für moderne Steuerungssysteme sind, werden aufgezeigt und anhand einiger Beispiele erklärt.
- Ende 2009 wurde von CEN die Änderung A3 zur EN 81-1/2 veröffentlicht, in der als wichtigster Punkt zusätzliche Schutzeinrichtungen gegen unbeabsichtigte Bewegungen des Fahrkorbs in der Haltestelle mit offenen Türen gefordert werden. Nach einer Übergangsfrist von 18 Monaten müssen ab Mitte 2011 alle neu in Verkehr gebrachten Aufzüge mit dieser Schutzeinrichtung ausgestattet sein. Abhängig von der Aufzugsart (elektrisch oder hydraulisch betrieben, Getriebeantrieb oder Gearlessantrieb usw.) können verschiedene Komponenten der Schutzeinrichtung zur Erkennung, Auslösung und Abbremsung kombiniert werden. Florian Leutner von Wittur/Österreich stellt Komponenten vor, die für diese neue Schutzeinrichtung eingesetzt werden können.
- Die seit ein paar Jahren laufende grundlegende Überarbeitung der EN 81-1 und EN 81-2 wird wesentliche Änderungen der Anforderungen an einige Aufzugskomponenten sowie an die Gesamtsysteme zur Folge haben. Die in den zuständigen Gremien vorbereiteten Änderungsvorschläge werden bis Mitte 2010 weitgehend abgestimmt sein, so dass diese in die beiden neuen Normteile EN 81-20 und EN 81-50 übernommen und die ersten Entwürfe dieser Normteile vorliegen werden. Ian Jones von Otis/UK wird als Vorsitzender der zuständigen Normungsgruppe aus erster Hand über den aktuellen Stand und den weiteren Zeitplan der Überarbeitung sowie über die wichtigsten Änderungsvorschläge berichten.
- Aufzüge fallen in Europa abhängig von ihrer Nenngeschwindigkeit und ihrer bestimmungsgemäßen Verwendung entweder unter die Maschinenrichtlinie oder die Aufzugsrichtlinie. Auch wenn beide Richtlinien sichere Produkte gewährleisten sollen, gibt es in der Praxis unterschiedliche Interpretationen und Schlussfolgerungen. Die Aufzugsrichtlinie wird oft so verstanden, dass sie in einigen technischen Anforderungen sowie bei den Konformitätsbewertungsverfahren höhere Anforderungen stellt als die Maschinenrichtlinie. Ob dies tatsächlich so ist und zu unterschiedlichen Sicherheitsniveaus führt, wird von Luciano Faletto von S.A.L.A Consulting/Italien analysiert und an Beispielen von Aufzügen unter den beiden Richtlinien verglichen.
- Der Trend zu leichteren Fahrkörben, mit denen der Energiebedarf von Aufzügen reduziert werden kann, hat eine Erhöhung der Verzögerungen beim Nothalt zur Folge. Um diese Verzögerungen ohne Seilrutschen übertragen zu können, wäre auch eine höhere Treibfähigkeit erforderlich. Beide Effekte können durch ein geregeltes Bremssystem verbessert werden, das die Verzögerungen in festgelegten Grenzen hält. Takaharu Ueda von Mitsubishi Electric Europe/Niederlande informiert über die Entwicklung eines neuen Bremskontrollsystems und dessen Eigenschaften bei einem Nothalt.
- Seit Einführung der triebwerksraumlosen Aufzüge vor über 10 Jahren wird über weitere Möglichkeiten zur Optimierung des von einem Aufzug beanspruchten Raums nachgedacht. Ein Ansatz besteht in der Reduzierung der Abmessungen für den Schachtkopf und die Schachtgrube. Die Abmessungen dieser beiden Schachtbereiche sind in der konventionellen Technik im Wesentlichen durch die permanent vorhandenen Schutzräume für Wartungs- und Prüfpersonal vorgegeben. Diese permanenten Schutzräume können durch technische Lösungen ersetzt werden, die nur im Bedarfsfall, wenn Wartungsoder Prüfarbeiten durchgeführt werden müssen, temporär Schutzräume herstellen. Holger Zerelles von Thyssen- Krupp Aufzugswerke/Deutschland diskutiert die Frage, wie sicher permanente und temporäre Schutzräume sind.
- Hervorgerufen durch neue Vorschriften und Technologien sind auch im Bereich der Notrufsysteme in den kommenden Jahren einige Innovationen zu erwarten. Die klassischen Festnetztelefonsysteme sterben in vielen Ländern aus und werden durch GSM- oder Internet- basierte Systeme ersetzt. Die entscheidenden Fragen sind, wie die Verfügbarkeit und Sicherheit mit den neuen Systemen gewährleistet und weiter verbessert werden kann. Lars Odlen von Safeline Europe/Belgien zeigt auf, wie diese Herausforderungen bei Notrufsystemen umgesetzt werden können und welche weiteren Innovationen in den nächsten Jahren zu erwarten sind.
- Seit vielen Jahren besteht weltweit das Ziel, öffentliche Lebensräume barrierefrei und behindertengerecht zu gestalten. Die neue UN Konvention für die Rechte von Personen mit Behinderungen, die in allen Nationen umgesetzt werden muss, ist eine Grundlage für die Gleichberechtigung aller Menschen. Auch in Europa wurde bereits vor einigen Jahren das politische Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2010 ein barrierefreies Europa zu erreichen. Monica Klenovec (Architektin und Sachverständige für Zugänglichkeitsfragen in Österreich) fasst den Stand dieser Entwicklungen zusammen und erläutert die rechtliche und technische Umsetzung der Anforderungen.


Alle Vorträge werden in Englisch gehalten und simultan ins Deutsche übersetzt. Der Kongress richtet sich an Betreiber, Behörden , Hersteller, Planer, Prüforganisationen und alle anderen interessierten Kreise, die mit Aufzügen zu tun haben. Die begleitende Ausstellung ermöglicht es den Teilnehmern, sich in den Pausen über innovative Aufzugskomponenten und -systeme zu informieren. Wie in den letzten Jahren wird wieder eine attraktive Abendveranstaltung angeboten, bei der in gemütlicher Atmosphäre weitere Kontakte geknüpft und noch bestehende Fragen mit den Referenten geklärt werden können.
Informationen zum Kongress: www.hsheilbronn.de/TAH
4/2010


