Ausgabe 4/2010


07/01/10

Schwelmer Symposium 2010: Energiesparen über alles!


Ob es die Entwicklung neuer Produkte ist, ob eine praxisgerechte Umsetzung der VDI 4707 angestrebt wird, ob Aufzugsschachtentrauchung oder Regelvorschriften, bei einer Analyse der Vorträge landet man fast immer beim Energiesparen. In 23 Referaten haben etwa 160 Teilnehmer an den zwei Tagen in Schwelm hochinteressante Ausführungen gehört. Das übereinstimmende Urteil der Teilnehmer: Die Qualität der Vorträge hat sich gesteigert. Es gibt natürlich „Vortragsprofi s”, die geschult und geübt sind, aber von diesem Auditorium werden auch „Newcomer” akzeptiert, die sich alle sehr gut geschlagen haben.

Kategorie: Fachaufsaetze Ausgabe 4/2010
Erstellt von: Editor

An der bewährten Organisation wurde nichts verändert. Die intensiven Pausengespräche haben einmal mehr bewiesen, dass solche Vortragspausen gut genutzt werden. Die Ausgewogenheit zwischen Referaten und Kontaktpausen ist ein Grundpfeiler dieser Veranstaltung. Vom Chef des Hauses persönlich über die IT Spezialisten bis hin zur Betreuung durch Maren Puschnerus spürte man überall das Engagement der Henning GmbH für ein gutes Gelingen und das hat – einschließlich der ausgezeichneten Beziehungen zum Wettergott – hervorragend geklappt. Dafür können sich die Mitveranstalter nur bedanken!

Sicher und souverän führte Klaus-Peter Kapp zwei Tage lang durch die Veranstaltung und er hielt den vorgegebenen Zeitrahmen genau ein. Da die Vorträge alle auf der Homepage der Henning GmbH zum Downloaden bereitstehen (www.henning- gmbh.de), wird in diesem Bericht nicht ausführlich auf jeden einzelnen näher eingegangen.
    
Wie immer waren die Ausführungen von Ernst-A. Siekhans über die Unfallstatistik sehr interessant, stimmten aber auch nachdenklich. Wenn die 47 beim VdTÜV eingegangenen Meldungen nur 15 % der tatsächlichen Schadensereignisse darstellen, ist das eigentlich alarmierend. Von den 454 617 geprüften Anlagen im Jahre 2009 waren immerhin gut 55 % ohne Mängel, etwa 40 % mit geringfügigen Mängeln, ca. 45 % mit sicherheitserheblichen Mängeln und 0,28 % mit gefährlichen Mängeln behaftet. Auch hier besteht eine Lücke, denn es ist bekannt, dass in der BRD etwa 650 000 Anlagen laufen. Also sind etwa 200 000 Anlagen nicht geprüft! Hoffentlich wissen die Betreiber von ihrer Verantwortlichkeit!
Das neue intelligente Ventil von Bucher Hydraulics i valve, stellt die Fahrkurve selbsttätig durch einen Lern-Algorithmus (i Teach) ein und minimiert damit die Schleichfahrtdauer, optimiert die Soft-Stop-Länge und maximiert die Vollfahrtgeschwindigkeit aufwärts. Der hydraulische Aufzug 2010 ist energiesparend, leise und effizient (ALGI), wobei die VDI 4707 starke Berücksichtigung findet.
Energie gespart wird ebenso mit LED Lichttechnik (LiftEquip), im Türenbereich (Meiller) und im Energiemanagement bei vernetzten Anlagen (Böhnke). Grundsätzlich gilt aber immer: Energiesparen ja, aber nicht um jeden Preis! Auf jeden Fall wird Energierückspeisung in der Zukunft ein Thema sein.
Das Referat von Michael Gubisch, Schäfer GmbH, über die Bedeutung von internationalen Messen für den Mittelstand stellte noch einmal die Vorteile des Gemeinschaftsstandes heraus. Den Teilnehmern wird hierbei sehr geholfen. Interessant war auch der Hinweis darauf, dass Messeteilnahmen von Land und/ oder Bund bezuschusst werden. Man sollte sich im Einzelfall informieren.
Rechtsanwalt Martin Glöckner eröffnete mit seinem interessanten Referat über Patentschutz und Patentverteidigung den zweiten Tag. Die Ausführungen beschäftigten sich mit den Voraussetzungen des Patentschutzes, mit dem Patentverfahren, mit internationalen Patentrechten, mit den Rechten des Patentinhabers und der Patentverteidigung. Seit 1474 (Venedig) gibt es ein Patentgesetz im heutigen Sinne. 1877 trat das deutsche Patentgesetz in Kraft, dessen Grundzüge heute noch gelten. Patentfähig sind neue technische Erzeugnisse und neue technische Verfahren, wobei etwas neu ist, wenn es über den Stand der Technik hinausgeht. Nicht patentfähig sind wissenschaftliche Theorien, Software, Erfindungen, die gegen die öffentliche Ordnung oder die guten Sitten verstoßen und der menschliche Körper. Beim Patentverfahren sind genaue Schritte und Termine festgelegt. In Europa und USA unterscheiden sich die Regelungen und es ist angebracht, anwaltliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Zur Verteidigung kann der Patentinhaber seine Rechte in einem Zivilprozess durchsetzen, in der Regel nach vorheriger Abmahnung. Die lebhafte anschließende Diskussion hat gezeigt, dass dieses Thema starkes Interesse gefunden hat.
Die Referate über die Weiterbildung sind immer wieder wichtig. Weisen sie doch den Unternehmer auf seine Schul- und Weiterbildungspflicht hin und geben ihm damit eine Kontrolle über die Befähigung seiner Mitarbeiter (Siehe auch Lift-Report 3/2010).
Wenn Horst Schickor (Niggemeier & Leurs) seinen Vortrag über neue Betriebsvorschriften „Kein Ende in Sicht” betitelt, weiß man eigentlich schon jetzt, dass der Referent auch im nächsten Jahr wieder am Ball sein wird. Denkt man an die Normenfamilie EN 81ff und die über 400 Änderungsvorschläge, die zum großen Teil noch bearbeitet werden müssen, um die EN 81-1/2 in die Teile 20 und 50 zu überführen, gibt es im Normenbereich noch sehr viel Arbeit und viel Neues. Herzlichen Dank, dass es dem Referenten immer gelingt, das trockene Vorschriftenthema locker und interessant vorzutragen.
Über unvollständige Maschinen nach neuer EG-Maschinenrichtlinie 2006/42/EG berichtete Gerhard Quanz, Gewerbeaufsichtsbeamter beim Regierungspräsidium Kassel. Hier müssen nach dem 29. 12. 2009 bestimmte Anforderungen erfüllt sein. Es gibt wichtige Aufgaben des Herstellers beim Inverkehrbringen und der Inbetriebnahme. Das Ausstellen der Montageanleitung und der Einbauerklärung sind unverzichtbare Notwendigkeiten. Höchst interessant, ja manchmal kurios wird es immer, wenn Gerhard Quanz aus seinem Erfahrungsschatz etwas zum Besten gibt.
Um den neuen Anforderungen der EN 81-1/A3 gegen unkontrollierte Fahrkorbbewegungen gerecht zu werden, bedarf es nach den Ausführungen von Christoph Kressirer, LM Liftmaterial, eines von der Aufzugssteuerung unabhängigen Systems, das auf die vorhandenen Bremselemente einwirkt. LM Liftmaterial arbeitet an einem solchen System.
Neue Montagehilfen bei der Aufzugsmontage stellte Philip Molineus , Henning GmbH, vor. Gemeinsam mit einem amerikanischen Partner wird hier ein lang bewährtes Produkt in den deutschen Markt eingeführt.
Zukunftsmöglichkeiten zeigte auch Hans-Ulrich Schwier (Strack Lift Automation) mit seinem Thema „Ethernet Powerlink im Aufzugsbau” auf. Aufbauend auf betrieblich vorhandene Hardware, Betriebssysteme, Anwendungssoftware, Bussysteme und Netzwerkzugang kann bei open source im Industrial Ethernet gearbeitet werden. Hier gibt es keine Begrenzung der Teilnehmer und der Ausdehnung, Offenheit der Protokolle, eine hohe Bandbreite und man ist schneller als LON-Bus und CAN-Bus. Es bringt Vorteile für Komponentenhersteller, Aufzugsfirmen, Fachplaner/Architekten und Betreiber.
Die Ausführungen von Dr. Holger König über neue Lösungen durch Anwendung von antriebsintegrierten Sicherheitsfunktionen in Aufzügen und Henry Wuttke über neue Herausforderungen bei Alarmsystemen durch Regelwerke und Technologie rundeten die Vortragsreihe ab. Auch hier wurden – den neuen Regelwerken entsprechend – technische neue Varianten für ein erhöhtes Sicherheitsniveau und zukunftssichere Alarmsysteme vorgestellt. Dabei gibt es bei den Alarmsystemen sicherlich Handlungsbedarf, wenn die Telecom vom Analog- auf das Digitalsystem umstellt (voraussichtlich 2014). Es bietet sich eine GSM Übertragung an.
Dieser kurze Ausflug in einige Teilbereiche der Vorträge hat sicherlich gezeigt, von welcher Aktualität und Qualität die Ausführungen waren. Das kommt auch in der Vortragsbewertung zum Ausdruck: 87 % der Vorträge wurden mit der Note 2,5 und besser bewertet.
Die Atmosphäre des „Hauses Friedrichsbach” mit Garten und Umfeld präsentierten sich von der besten Seite und wie in jedem Jahr hat die Sonne die Teilnehmer in den Pausen, beim Mittagessen und bis spät in den Abend hinein begleitet. Bei der Grillparty am Montagabend waren nicht nur Speis’ und Trank ausgezeichnet, sondern auch die Unterhaltung durch „Manni, den Rocker” hat das Zwerchfell fast platzen lassen (Kommt ein Mann in den Baumarkt und will ein 8 mm Loch bohren …) Herzlichen Dank für eine gelungene Veranstaltung!
Aber: Nach Schwelm ist vor Schwelm! Im Jahr 2011 findet das Symposium am 6./7. Juni am gleichen Ort statt. Die ersten Anmeldungen wurden schon während der diesjährigen Veranstaltung abgegeben. Wer einen Vortrag halten möchte, sollte nicht zu lange mit der Anmeldung warten, denn in diesem Jahr konnten nicht alle Wünsche erfüllt werden.
Dr. Peter Lauer
4/2010