Ausgabe 2/2005
03/01/05
Aufzugskomponenten und -systeme zum Gebrauch für Menschen von heute und morgen
Umstrukturierung in Wiedenzhausen
Die Veränderungen bei Wittur, dem Wiedenzhausener Komponentenlieferanten wurden in den letzten 15 Monaten von der gesamten Aufzugsbranche beobachtet. Im Januar 2005 führte die Redaktion des Lift-Reportes ein informatives Gespräch mit dem Vorstand der Wittur AG, Peter Grimm und Michael Lencik, sowie Wolfgang Adldinger, Technischer Direktor für Aufzugsysteme, Normen und Zertifizierungen sowie Norbert Märkl, Geschäftsführer und Harald Bohnenstengel, Leiter Vertrieb der Wittur K+S GmbH in Wiedenzhausen.

v.l.n.r. Norbert Märkl, Wolfgang Adldinger, Michael Lencik, Peter Grimm, Harald Bohnenstengel, Dr. Peter Lauer
Kategorie: Fachaufsaetze Ausgabe 2/2005
Erstellt von: Editor
Nachdem sich der Firmengründer Horst Wittur im Februar 2004 zurückgezogen hatte, musste eine zukunftsorientierte Ausrichtung mit neu gesteckten Zielen des Wiedenzhausener Unternehmens gefunden werden. Die Führung des Unternehmens wurde auf mehrere Schultern verteilt und die Restrukturierung der Firmengruppe in Angriff genommen.
Ausgelöst durch ein schwieriges Investment in den USA und den geänderten Anforderungen des Aufzugsmarktes in Europa und Übersee, sowie die zu breite Aufstellung des Unternehmens wurden im Jahre 2003 Konsequenzen gezogen und die notwendige Umstrukturierung des Unternehmes eingeleitet.
Bei diesen Maßnahmen musste eine Konzentration auf die Kernkompetenzen und eine Vereinfachung der operativen Abläufe erfolgen.
Die Wittur K+S GmbH wurde mit 47 Mitarbeitern aus der 1999 gegründeten Holding Wittur AG ausgegliedert und agiert nun wie bereits in früheren Jahren als eigenständige operative Vertriebseinheit für Aufzugskomponenten und Systeme. Ausschließlich der Sonderstahlbau findet weiterhin in Wiedenzhausen statt, ansonsten wurde die Fertigung nach Wittur Scheibbs verlagert. Eine schlankere, prozessorientierte Organisation und flache Hierarchien sollen letztlich zu einer optimierten Leistung führen.
Bei der Besichtigung des Standorts konnte sich der Lift-Report von den vielfältigen Tätigkeiten der Wittur K+S GmbH überzeugen. Auf dem Gelände steht ein Testturm zur Verfügung, in dem neue Produkte und Aufzugsysteme getestet und weiterentwickelt werden können.

Antrieb im Versuchsturm der Wittur K+S GmbH
Neue Ausrichtung
Die Konzentration auf das Kerngeschäft führt zu weitreichenden Änderungen in der Gruppe, so finden Einsparungen und gleichzeitige kundenorientierte Optimierungen auch durch die geänderte Verwaltung der Gruppenfirmen weltweit statt. Eine weltweite Belieferung gehört auch weiterhin zu den Zielen der neuen Gruppe.
Das Kerngeschäft wird aus Türen, Fahrkörben, Stahlbau und Sicherheitskomponenten, getriebelosen Antrieben und kompletten Systemen im elektrischen sowie hydraulischen Bereich für Aufzüge mit und ohne Triebwerksraum bestehen. Die Bereiche Antriebe, Hydraulik und Elektronik werden abgestoßen und diese Kompenenten werden von führenden Herstellern zugekauft. Die geänderten Anforderungen der Branche machte deutlich, dass es fast unmöglich ist, in allen Technologien zu den führenden Herstellern zu zählen. Deshalb wird eine Reduzierung der Produktlinien erfolgen.
Durch die Bildung eines Gremiums aus Mitarbeitern der verschiedenen Standorte werden Synergien der einzelnen Produktionsstätten ermittelt und damit Einsparungen möglich.
Die Bildung gemeinsamer Einkaufsgemeinschaften und die Zentralisierung einzelner Bereiche sind Beispiele für Umsetzungen, die innerhalb der Wittur Gruppe anstehen.
Die Bildung gemeinsamer Einkaufsgemeinschaften und die Zentralisierung einzelner Bereiche sind Beispiele für Umsetzungen, die innerhalb der Wittur Gruppe anstehen.
Angestrebt wird ebenfalls eine engere Verbindung zwischen Vertrieb und Produktion, um zukünftig den Kunden eine noch schnellere Lieferung der gewünschten Produkte weltweit bieten zu können.
Allerdings ist für eine erfolgreiche Umsetzung dieser weitreichenden Pläne ein großes Verständnis und der Wille, neue Wege zu gehen, bei jedem einzelnen Mitarbeiter nötig.

Firmenrundgang
Kernkompetenzen der Wittur Gruppe
In insgesamt acht Betrieben weltweit produziert die Wittur Gruppe Türen und Türkomponenten. Die Produktionszahlen klingen schon recht gewaltig, so werden 360 000 Schachttürmechanismen und 80 000 Fahrkorbtürantriebe hergestellt. Das Türenprogramm beinhaltet Standardtüren, Hochleistungstüren, feuerzertifizierte Schachtabschlusstüren, Türen für Lastenaufzüge mit der Maximalgröße von 5 m x 5 m und Sondertüren für Panoramaaufzüge. Die statisch am Fahrkorb bzw. einfach auf den Türpaneelen installierten Lichtsensor-Systeme bieten bis zu einer Türbreite von 3 m eine sichere Türüberwachung ohne externe Kontrolleinheit.
In sechs Betrieben werden die kompletten Fahrkörbe der Firma Wittur hergestellt. Das Portfolio beginnt bei Standardkabinen und beinhaltet Glaskabinen, runde Kabinen und alle bis zum individuellen Design.
Die Division Sicherheit stellt dem Markt Einzelkomponenten und Komplettsysteme zur Verfügung. Weltweit werden in fünf Betrieben diese Produkte produziert.
In Dresden bei SAD werden die getriebelosen Antriebe für die Wittur-Gruppe entwickelt und produziert. Von diesen Antrieben, die sich durch große Laufruhe, hohe Effizienz bei großer Belastung und gleichzeitig sehr kompakter Baugröße auszeichnen, werden pro Jahr ca. 900 Stück verkauft.
Herausragend ist dabei der witty 2 Antrieb, ein getriebefreies Antriebssystem mit doppelter Umschlingung und einer Ablenkrolle die direkt an der Aufzugsmaschine sitzt. Dieser Antrieb ist das Herzstück des MRL-W1 triebwerksraumlosen Aufzugssystems. Es konnte dabei ein kleiner Seil-, Treibscheiben- und Umlenkrollendurchmesser realisiert werden und damit ist eine platzsparende Montage zwischen der Gegengewichts- und Fahrkorbschiene im Schachtkopf möglich.
Gute Wünsche und viel Erfolg auf dem bestimmt steinigen Weg, den das Unternehmen bis zu einer erfolgreichen Neustrukturierung zurücklegen muss, kann die Wittur Gruppe sicherlich gebrauchen.

Kerngeschäfte des Unternehmens
2/2005


