Ausgabe 5/2005
09/01/05
Neues Seillast-Messprinzip spart Kalibrierung und reduziert Seilverschleiss

Das Henning-Seillast-Messsystem WeightWatcher verwirklicht ein neues Messprinzip: An jedem Seil wird ein einzelner Lastsensor montiert, der nicht mehr am Aufzug mit Gewichten kalibriert werden muss sondern beliebig eingesetzt werden kann. Die Messsignale werden in der Auswerteeinheit zusammengeführt und damit sowohl das Kabinengewicht, als auch die gleichmäßige Seilspannung kontrolliert.
Kategorie: Fachaufsaetze Ausgabe 5/2005
Erstellt von: Editor

Nur eine gleichmäßig verteilte Last im Seilset sorgt für eine gleichmäßige Abnutzung und lange Lebensdauer der Seile. Bei der Montage und im laufenden Betrieb kann es zu ungleichen Belastungen kommen durch Fertigungstoleranzen beim Seildurchmesser, Rillendurchmesser oder Keilwinkel, durch ungenaue Einstellung der Seilspanner oder durch unterschiedliche Reibung (Schmierung). Das führt zu erhöhtem Verschleiß an den höher belasteten Seilen bis hin zum gefürchteten „Sägen“ in der Seilrille. Werden diese Abweichungen frühzeitig erkannt, können gezielte Korrekturen an Seilen oder Treibscheibe vorgenommen werden, ehe ein vorzeitiger Schaden auftritt.

Ein besonderer Clou ist die integrierte USB-Schnittstelle an der Auswerteeinheit. Dadurch wird es möglich, die Seileinstellung computergestützt innerhalb weniger Minuten durchzuführen: Jedes Seil muss nur einmal „angefasst“, d. h. auf einen errechneten Sollwert eingestellt werden. Dank des intelligenten Auswerte-Algorithmus wird ein optimales Seil-Einstellungsergebnis sofort erreicht.
Die Auswerteeinheit verfügt über drei Alarmausgänge, die wahlweise als Öffner oder Schliesser arbeiten können. Die Alarmschwellen sind frei programmierbar (z. B. Leerlast, Volllast, Überlast). Ein vierter Ausgang gibt Alarm bei Schlaffseil-Situationen oder meldet kritische Abweichungen in den einzelnen Seilspannungen.

Eine Optimierung der Anfahr- und Bremsvorgänge mittels Anbindung der Auswerteeinheit am Frequenzumrichter ist über optionale analoge Messsignalausgabe oder mit optionaler CANOpen Schnittstelle möglich.
Das Messprinzip bei im Seil eingespannten Lastsensoren beruht auf der Auslenkung des Seils aus seiner gestreckten Lage und Messen der Rückstellkraft. Alle bisherigen Lastmess-Einrichtungen, die direkt in die Tragseile eingebracht werden (Abb. 4), müssen mit Gewichten an der Aufzuganlage mühsam durch einen Halblastausgleich kalibriert werden, weil sowohl der Seildurchmesser (d) als auch die Einflüsse aus der Seilbiegung, Seilsteifigkeit und Seilaufbau das Messergebnis verfälschen.

Die patentierte Konstruktion des neuen Henning-Lastsensors (Abb. 5) kompensiert diese Einflüsse, es entfällt die aufwändige Kalibrierung am Aufzug mit Gewichten, dadurch ist der neue Sensor für verschiedene Seildurchmesser und Seilarten gleichermaßen geeignet und sofort einsetzbar. Um die obigen Einflüsse dabei auszuschalten, wird beim Henning-Lastsensor das Seil von zwei Klemmkörpern K1 und K2 ausgelenkt, die alle unerwünschten Kräfte aufnehmen und nur die Rückstellkraft als Kippmoment MB in den Messkörper leiten (vgl. Abb. 5).

Der Lastsensor LS1 basiert auf diesem neuen Messprinzip, Abbildung 1 zeigt die Ausführungsform für die feste und permanente Montage am Aufzug. Außerdem ist ein autonomes System in Vorbereitung, mit dem die Überprüfung der einzelnen Seillasten sowie des Kabinen- und Gegengewichtes auch mobil möglich sind. Zusammen mit dem Henning-Beschleunigungssensor aus der mobilen Diagnose kann damit die Wirkung der Fangbremse bei Leerlast genau gemessen werden, einschließlich des Einflusses vom Gegengewicht, und durch exakte Berechnung die Wirksamkeit der Fangbremse unter Volllast ermittelt und protokolliert werden, ohne dass Gewichte geschleppt werden müssen.
Zusammengefasst die Merkmale des neuen Seillast-Sensors:
• Neues Messprinzip erhöht Messgenauigkeit ohne Kalibrieraufwand (Gewichte).
• Geeignet für unterschiedliche Seildurchmesser und Seilarten.
• Ermittlung unterschiedlicher Seilspannungen.
• Seilspannungs-Ausgleich in einem einzigen Arbeitsgang.
• Erhöhte Seil-Lebensdauer durch gleichmäßige Seilspannung.
• Überwachung der Seilspannung während des Betriebes.
• Schlaffseil-Alarm.
• Einfache Montage.
• Erfüllt alle Anforderungen einer Lastmesseinrichtung für Seilaufzüge.
• Ausgabe der Messdaten über USB-Schnittstelle, CANOpen (optional) und DC-Signal (optional).
Tim Ebeling, Henning GmbH, Schwelm
Peter Pini, Ingenieurbüro IPP, Braunschweig
Peter Pini, Ingenieurbüro IPP, Braunschweig
Henning GmbH, D-58332 Schwelm
5/2005


