Als Präsident des VFA-INTERLIFT e. V. konnte Achim Hütter dabei voller Stolz die große Zahl der Gäste aus dem Ausland, besonders die Vertreter der ausländischen Verbände und der zahlreichen internationalen Organisationen, begrüßen. Am stärksten gewachsen sind die Beteiligungen aus China und der Türkei. Als wesentlich für die Wertigkeit der interlift in der Branche sah er die ausgezeichnete Zusammenarbeit zwischen Trägerverband, Messegesellschaft und Messebeirat an und sprach seinen herzlichen Dank an alle Beteiligten aus. Auch wenn die Messe mit den Jahren beachtlich gewachsen ist, der „familiäre“ Charakter ist ihr erhalten geblieben und das mag eines der Geheimnisse ihres Erfolges sein. Hütter sprach von der hohen Erwartungshaltung vieler Aussteller im Vorfeld der Messe und wünschte daher allen Beteiligten gute Gespräche und viel Erfolg. Auch wenn es zu festen Geschäften käme, der Charakter dieser Messe liegt inzwischen auf dem Entstehen und der Festigung von Kontakten.
„Andere Aufzugsmessen kann man besuchen, in Augsburg muss man sein!“ Mit diesem Einleitungssatz begann Heiko Könicke , Geschäftsführer der AFAG Messen und Ausstellungen GmbH, seine Begrüßungsworte. Die nochmalige Steigerung auf 455 Aussteller bewertete er als weitere Akzeptanz der Aufzugsbranche für den Messeplatz Augsburg. Bei 64 % liegt der Anteil ausländischer Aussteller und das ist der beste Beweis für die weltweite Spitzenstellung der interlift. Für die AFAG ist die interlift die weitaus wichtigste Messe in Augsburg und daher bedauerte er die Abwesenheit von Oberbürgermeister Wengert, der in Japan eine Umweltmesse in der Partnerstadt miteröffnen müsse. Könicke wies nachdrücklich auf das Forum hin, auf dem Vorträge aus Forschung, Wissenschaft und Weiterbildung geboten würden, aber auch Aussteller und Produzenten neu entwickelte Produkte präsentieren würden. Die Veranstalter hätten alles getan, um Ausstellern und Besuchern eine positive Messe zu bereiten – nun hätten die Besucher das letzte Wort für den Erfolg.
Bürgermeister Klaus Kirchner entschuldigte noch einmal seinen obersten Dienstherren, betonte aber gleichzeitig die Wichtigkeit der interlift, nicht nur für Augsburg, sondern für die gesamte Region. 35 000 Übernachtungen, hohe Umsätze in der Gastronomie und zusätzliches Geschäft im Einzelhandel und beim Messebau brächten durch die interlift einen Gesamtumsatz von 35 Millionen Euro für die Region Augsburg. Kein Wunder also, dass die Stadt Augsburg als wirtschaftlicher Mittelpunkt der Region versucht, geeignete Rahmenbedingungen für eine international besuchte Messe zu schaffen. Aber auch Kleinigkeiten, wie z. B. eine geschicktere Ampelschaltung bei Messeschluss wären wünschenswert. Hier fehlt es an pragmatischer Flexibilität.
Für die vielen ausländischen Verbände und Institutionen begrüßten stellvertretend Ed Chmielewski, Präsident der NAEC (National Association of Elevator Contractors) und Zhang Lexiang, Geschäftsführer der China Elevator Association, die Veranstaltungsteilnehmer. In kurzen Worten wies Ed Chmielewski auf die hervorragende Zusammenarbeit zwischen NAEC und VFA-INTERLIFT e. V. hin. Gegenseitige Besuche führten immer wieder zu regem Gedankenaustausch und hätten auch zu einer Steigerung der Beteiligung US-amerikanischer Firmen als Aussteller geführt.

Zhang Lexiang, in Vertretung seines Präsidenten Ren Tianxiao, begrüßte mit Recht etwas ausführlicher. Stellten die Chinesen doch mit 34 Ausstellern nach Deutschland und Italien die drittgrößte Gruppe unter den Ausstellern. Auf den chinesischen Ständen bedienten ca. 250 Mitarbeiter die Besucher, ein deutliches Zeichen, mit welcher Vehemenz die chinesische Aufzugsindustrie auf den europäischen Markt strebt, obwohl im eigenen Land der Bauboom und damit auch der Aufzugsbau weit vorn steht. In einem Land mit 1,3 Milliarden Einwohnern, einer jährlichen Bevölkerungswachstumsrate von 1,07 %, einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 71 Jahren, einer Bevölkerung, die zu 36 % in Großstädten lebt, und einer jährlichen Wirtschaftswachstumsrate von 9 % ist sicherlich ein guter Hintergrund für eine wachsende Aufzugsindustrie gegeben. Im Jahre 2005 wird mit der Erstellung von etwa 135 000 Aufzügen und Fahrtreppen gerechnet, der Gesamtbestand beläuft sich auf etwa 700 000 Einheiten. 99 % davon wurden etwa in den letzten 20 Jahren gebaut und erfordern mittlerweile eine Modernisierung nach neuesten Sicherheitsansprüchen und Normen. Ein interessanter Markt und daher ist es nur verständlich, dass auch die Europäer versuchen, Kontakte nach China zu knüpfen, um „ein Stück vom Kuchen“ zu erhalten. Der Trend zu Hochhäusern fordert die Aufzugsindustrie zu Höchstleistungen heraus und die Olympischen Spiele 2008 sowie die Expo 2010 in Shanghai werden den Bauboom weiter antreiben. Die Zusammenarbeit mit einem chinesischen Partner bietet sich an, denn durch eine solche Kooperation werden die unterschiedlichen Kulturen und Gewohnheiten besser überbrückt und es kommt häufiger zu erfolgreichen Geschäften. Zhang Lexiang schloss mit dem Hinweis auf die Aufzugsmesse in Langfang bei Peking vom 18.–21. April 2006. Dort werden auf 30 000 m² über 260 Aussteller einen guten Überblick über die Chinesische Aufzugsbranche geben. Also: Nach der Messe ist vor der Messe!

Das Hauptreferat auf der Eröffnungsveranstaltung hielt Prof. Arno Sighart Schmid, Präsident der Bundesarchitektenkammer. Die verhaltene Konjunktur auf dem Bausektor in Deutschland bringe es mit sich, dass Zuwachs nur im Ausland geholt werden könne. Daher betätigten sich deutsche Architekturbüros zunehmend im Ausland und das mit Erfolg. Gefragt sind dabei Ökologie und Effizienz. Von der Planung über die Überwachung bis hin zur Dokumentation alles aus einer Hand, das ist heute die Marktanforderung. Dazu gehört natürlich auch Kosten- und Termintreue. Der Aufzug wird heute mehr als früher als gestalterisches Element gesehen und nicht mehr in die hinterste Ecke verbannt. Der Lift ist geradezu der Schlüssel für den Hochbau, ohne ihn wäre eine Penthousewohnung unmöglich. Der gesellschaftliche Wandel hat einen Wandel in der Architektur und einen Wandel in der Technik gefordert. So muss der älter werdenden Gesellschaft ihre individuelle Mobilität erhalten bleiben und ein barrierefreies Wohnen ist notwendig. Dazu ist der Aufzug ein erforderliches Mittel und kann ein außen erhalten bleibendes Gebäude zu einer inneren Aufwertung verhelfen. Die Stadt muss wieder erstrebenswertes Wohnen bieten mit entsprechend aufgewertetem Wohnraum. Jede Stadt sollte das unterstützen statt Randzersiedelung zu betreiben. 70 % des Bauvolumens ist Bauen im Bestand und daher begrüßte Prof. Schmid den vom VFA ausgeschriebenen Studentenwettbewerb zum Thema barrierefreies Wohnen. (Über diesen Wettbewerb wird an anderer Stelle des Lift-Report ausführlich berichtet.)
Ein schöner Abschluss der Eröffnungsveranstaltung war die Preisverleihung des VFA-Wettbewerbs. Gefordert war ein Aufzugsentwurf an einem typischen viergeschossigen Gebäude der Nachkriegsjahre und damit sollte im Bestand ein barrierefreies Wohnen möglich sein. Die fünfköpfige Jury fand aus zwanzig Beiträgen nach drei Bewertungsdurchgängen vier Auszeichnungen heraus, davon einen ersten und drei zweite Preise. Sieger des Wettbewerbs und damit Gewinner der einwöchigen Reise für zwei Personen nach Shanghai wurde Martin Sellger (HAW Hamburg). Auf Grund der vielen chinesischen Aussteller sind ihm sofort zahlreiche interessante Besuche von modernsten Aufzügen zugesagt worden. Einen zweiten Preis gewannen: in Gemeinschaftsarbeit Christiane Gebert-Dohrmann, Caroline Günther-Luckow, Aylin Yildirim von der FH Frankfurt a. M., Thorben Strahlendorf (HAW Hamburg) und Hega Tauscher, Kunsthochschule Berlin-Weißensee. Herzlichen Glückwunsch den Preisträgern.
Für die musikalische Umrahmung der Eröffnungsveranstaltung sorgten die „Gentlemen Brass“. Die Durchführung dieser Veranstaltung im Messegetümmel der Halle 6 führt sicherlich den ein oder anderen Besucher mehr in diese Veranstaltung, aber vieles spricht dafür, demnächst wieder den würdigen Rahmen des Kongresszentrums dafür zu benutzen. Traditionsgemäß fand anschließend ein gemeinsamer Rundgang statt, und alle Offiziellen konnten sich auf den Ständen in Kontaktgesprächen über die vielen Messeneuigkeiten informieren.
Dr. Peter Lauer