Ausgabe 1/2006


01/01/06

interlift 2005 – Messenachlese


Dipl.-Ing. Harro Streng

Vom 18. – 21. Oktober 2005 fand im Messezentrum Augsburg die diesjährige internationale Fachmesse „interlift 05“ für Aufzüge, Komponenten und Zubehör statt. Die gestiegene Anzahl von internationalen Ausstellern, insbesondere aus dem ostasiatischen Raum, prägten den ersten Eindruck des Besuchers. Die Messe lag somit voll im Trend der derzeitigen Globalisierungsdiskussion. Die Frage nach interessierenden Neuigkeiten bezog sich damit nicht nur auf besondere Exponate und grundsätzlich neue Aufzugslösungen, sondern auch auf die Innovationsschritte der einzelnen Länder.

Kategorie: Fachaufsaetze Ausgabe 1/2006
Erstellt von: Editor
Die interlift ist auf ein spezifisches Fachpublikum ausgerichtet. Für die meisten Besucher steht Information an erster Stelle. Dies gilt sowohl für Hersteller, Montagefirmen, Betreiber, Planer. Die ausstellenden Firmen sind wie bei den vergangenen Messen nicht nur Hersteller, sondern häufig auch Händler. Hierbei ist in der Ausstellerstruktur ein gewisser Wandel festzustellen, indem zunehmend verwendungsfähige Paketlösungen angeboten werden, meist unter Bezug auf eine entsprechende Baumusterprüfbescheinigung. Dieser Trend zum Anbieten von Paketlösungen ist inzwischen häufig auch bei reinen Komponentenherstellern anzutreffen. Durch die Abrundung des eigenen Herstellprogrammes mit verwandten Komponenten kann dadurch dem Anwender gewissermaßen aus einer Hand ein logistischer Aufwand für die Baustellenorganisation abgenommen werden. Hier sei beispielsweise genannt, dass bei Einzelkomponenten der Schachtausrüstung Gerüstschuhe, Arbeitsbühnen bis hin zur Bügel- und Schienenlieferung einem kleinen Montagebetrieb die Möglichkeit geboten wird, in einer Lieferung an der Baustelle alle Teile vorzufinden, die für die Schachtrohmontage erforderlich sind. Wenn solche Paketlieferungen zuverlässig vollständig sind, ist die Problematik der Fehlteile gegenüber einem Zukauf aus verschiedenen Quellen reduziert, was wertvolle Montagezeit einsparen hilft, die heute am Bau ohnehin ein Engpass ist. Je mehr und je besser vormontierte Pakete an der Baustelle angeliefert werden, desto effektiver kann die Montage abgewickelt werden. Dieses Prinzip hatten die großen Aufzugsfirmen schon vor mehreren Jahren konsequent eingeführt. Das Andienen solcher Paketlösungen war zwar ansatzmäßig bereits bei den vorhergehenden Ausstellungen erkennbar, ist jedoch in diesem Jahr besonders augenfällig und auch ländergrenzenüberschreitend angeboten.
 
Es ist auf den ersten Blick beeindruckend, dass immer mehr Aussteller nicht mehr allein aus den angestammten EU-Ländern kommen. Die Ausdehnung Europas weiter nach Osten mit einem breiten Angebotsspektrum der Aussteller ist bemerkenswert. In den vergangenen Jahren waren einzelne Aussteller aus diesen Ländern zwar schon vertreten, jedoch hat sich deren Angebotsspektrum inzwischen wesentlich verbreitert und vervollkommnet. Besonders erstaunlich und eindrucksvoll sind die vielen chinesischen Aussteller. Teilweise sind Komponenten zu sehen, die in ihrer Art nicht neu sind, sondern auf das ursprüngliche Produkt eines europäischen Herstellers hinweisen. Es waren jedoch auch Komponenten zu sehen, die der heutigen Technik entsprechen, wie beispielsweise getriebelose Synchronmaschinen und zugehörige Steuerungen und Regelungen. Mancher europäische Hersteller betrachtet mit Argwohn solche Exponate, deren Verkaufspreisnennung teilweise unter seinen eigenen Herstellkosten liegt.
 
Der Trend zur Globalisierung ist in der Präsenz der Aufzugsverbände und Medien erkennbar. Neben den bisherigen Ländern Belgien, China, Deutschland, Griechenland, Großbritannien, Italien, Russland, Spanien, Türkei, USA sind inzwischen auch Argentinien, Ukraine und Ungarn vertreten. Dies zeigt, dass die interlift den bereits beachtlichen internationalen Ruf weiter ausgedehnt hat und im Sinne der Globalisierung als erste Adresse zu sehen ist.
 
Wenn noch bei der letzten interlift die Aufzugsrichtlinie 95/16/EG und die Maschinenrichtlinie 98/37/EG bei verschiedenen außereuropäischen Ausstellern von besonderer Wichtigkeit waren, so ist heute festzustellen, dass sie diese beiden Richtlinien zumindest vordergründig als selbstverständlicher Bestandteil der Angebote abgehakt haben. Nur noch vereinzelt wird auf zugehörige Normen hingewiesen, da Bauartprüfbescheinigungen auch andere Lösungen ermöglichen. Lediglich die Norm EN 81-80 „Regeln für die Erhöhung der Sicherheit bestehender Personen- und Lastenaufzüge“ ist von einzelnen Ausstellern besonders hervorgehoben, wenn deren Ausstellungsprogramm Lösungen für die nach der Norm erforderlichen Maßnahmen anbietet. Obwohl diese Norm nicht harmonisiert ist, wird sie bei der Renovierung bestehender Aufzüge für die Sicherheitsbetrachtung mit herangezogen. Auch hier ist das paketweise Vorbereiten für den Anwender von großem Vorteil. Da die Betriebssicherheitsverordnung in Deutschland vom Betreiber eine Gefährdungsanalyse verlangt und gewisse sicherheitsrelevante Anpassungen bis zum 31. 12. 2007 vorgegeben sind, werden über Checklisten die einzelnen Elemente, die gefährdungsrelevant sein könnten, aufgeführt. Dazu gehören einfache Einrichtungen wie die Schachtgrubenleiter, Abtrennungen, Fingerschutz, aber auch in unterschiedlicher Form Erneuerung der Schachtinstallation einschließlich Schachtbeleuchtung, Türnachrüstungen, Bremsnachrüstungen, Inspektionssteuerung mit Nothaltschalter, weiter Fahrkorbschürzen, Geländer auf Fahrkorbdach. Hier geht es nicht um spektakuläre Innovationen, sondern um das Andienen bisher nicht üblicher montagegerechter Problemlösungen.
 
Im Hinblick auf einen weitgehend stagnierenden Neuanlagenmarkt in Europa gibt es ein breit gefächertes Angebot für die Modernisierung, die wegen des hohen Anlagenbestandes ein wichtiges Marktpotenzial darstellt. Neben den vorerwähnten sicherheitstechnischen Gesichtspunkten wird stark auf eine Erhöhung des Komforts abgestellt. Wenn ein Aufzug behindertengerecht gestaltet werden soll, sind vorhandene Drehtüren wenig attraktiv. Umbaupakete, die am Türrahmen einer vorhandenen Drehtüre direkt angebracht werden können sind an sich nicht neu. Sie sind jedoch weiter perfektioniert und montagefreundlicher geworden und erlauben den Umbau von Drehtüren auf Schiebetüren in der Mehrzahl der älteren genormten Personenaufzüge. Konstruktive Änderungen an bekannten Türausführungen haben hier im Detail einen Fortschritt gebracht, der sich dem fachkundig interessierten Besucher offenbart. Tatsächlich ist es im Zusammenhang mit neuartigen linearen Türantrieben mit geringen Abmessungen möglich, im Rückgriff auf 4-blättrige Schiebetüren Modernisierungen durchzuführen, die auch einem hohen Qualitätsanspruch genügen. Die Frage der Fahrkorbabschlusstüren wird bei ältern Aufzügen zukünftig kritischer betrachtet werden müssen. Lösungen für Sondertüren wurden perfektioniert vorgestellt, wie verbesserte Türkantensicherungen.
 
Wenn bis vor wenigen Jahren eine besondere Fachkenntnis des Besuchers erforderlich war um eine Innovation im Detail zu erkennen, so wird dies heute durch die Baukastenlösungen überdeckt. Bereits auf der letzten interlift war zu erkennen, dass durch die Aufzugs- und die Maschinenrichtlinie dem Erfindergeist neue Wege bereitet worden sind, so hat sich dies selbst in dem kurzen Zeitraum von nur 2 Jahren weiter fortgesetzt. Die Ergebnisse sind jedoch längst nicht mehr so spektakulär erkennbar, zumal festzustellen ist, dass das hauptsächliche Besucherinteresse nicht mehr der Detaillösung, sondern der pakethaften Lösung gilt.
 
Die Anzahl der komplett ausgestellten Aufzüge, ob triebwerksraumlos oder mit einem am Schacht angebauten Antrieb sind inzwischen so selbstverständlich geworden, dass sie gar nicht mehr besonders auffallen. Es ist zur Selbstverständlichkeit geworden, mit diesen Ausstellungsaufzügen zu fahren, um das Geräusch und Fahrverhalten zu testen. Beim Thema triebwerksraumlos hat sich gezeigt, dass sich trotz einer auf den ersten Blick umfassenden Patentierung immer weitere Lösungsmöglichkeiten zeigen. Der erste Aufschrei, dass eine ganze Branche durch die Patente einzelner weniger Firmen am Überleben gehindert wird, wenn Wettbewerber ohne eigene Entwicklung diese Patente nicht kopieren dürfen, ist damit auf eindeutige Weise widerlegt. Es hat sich vielmehr gezeigt, dass weitergehende Lösungen unabhängig von diesen ursprünglichen Patenten möglich sind und gewisse Nischenlösungen sogar wieder patentfähig geworden sind. Lediglich derjenige, der bisher nur kopiert hat, sieht sich gewisser Freiheitsgrade beraubt. Dies ist zum Teil der Grund, warum für Montagefirmen eine baumustergeprüfte Paketlösung bestimmter Anbieter ein willkommener Ausweg ist.
 
Damit hat sich jedoch in Bezug auf die Marktverwendung das Produkt Aufzug gewandelt. Baumustergeprüfte Aufzüge oder Baugruppen können gewissermaßen über den Ladentisch verkauft werden, ohne dass der Anwender die detaillierte Fachkenntnis der darin enthaltenen Komponenten braucht. Wenn eine ausreichend gute technische Dokumentation vorliegt, ist eine ordnungsgemäße und bestimmungsgemäße Weiterverwendung durch Montagefirmen oder andere Hersteller möglich.
 
Bekannte Komponentenhersteller haben häufig eine zweigeteilte Abnehmerstruktur. Für die spezialisierten und in größeren Stückzahlen hergestellten Einzelkomponenten sind sie häufig Zulieferer für größere Aufzugsfirmen mit eigenem Produktionsprogramm. Im Zusammenhang mit einem komplettierten Baukasten gehen diese Einzelkomponenten dann parallel dazu an kleinere Montagefirmen. Dies ist besonders offensichtlich beim Markt für hydraulische Antriebe. Die Befürchtung, dass mit einem triebwerksraumlosen Seilaufzug keine Hydraulikaufzüge mehr verkäuflich sind, hat sich nicht bewahrheitet. Einerseits haben diese Hersteller eine eigene Weiterentwicklung betrieben und Lösungsmöglichkeiten gefunden, die der Eigenheit des hydraulischen Antriebes entsprechen. Die berichteten Fertigungsstückzahlen sind erstaunlich hoch und lassen darauf schließen, dass der hydraulische Antrieb einen angestammten Platz im Aufzugsmarkt haben wird. Spezialisierte Firmen sind in der Lage, bei Renovierungen Schutzrohrsanierungen mit Leckwarnanlage und entsprechender Reinigung bestehender Anlagen derart durchzuführen, dass die Anforderungen des Wasserhaushaltgesetzes erfüllt sind. Bei schweren Lastenaufzügen erleichtert eine mechanische Absinkverhinderung das Beladen, indem der Fahrkorb auf Widerlager in der Haltestelle abgesetzt wird und die zum Aufsetzen erforderlichen Bolzen schnell aus- und eingefahren werden können.
 
Auf der letzten interlift waren nur vereinzelt Aufzüge zu sehen, die einen Personentransport nach der Maschinenrichtlinie vorgesehen haben. Mit einer reduzierten Fahrgeschwindigkeit unter 0,2 m/s und einer Totmannsteuerung waren eine ganze Reihe von baumustergeprüften Aufzügen zu sehen, die insbesondere im privaten Bereich Anwendung finden dürften. Für diesen Anwendungsbereich wurde zu Zeiten der Aufzugsverordnung noch über eine besondere TRA 1300 eine Erleichterung gegenüber der TRA 200 versucht, die jedoch nie Gegenliebe bei den Herstellern gefunden hat. Die jetzt gezeigten Lösungen nehmen diese Anwendungsmöglichkeiten mit unterschiedlichen Antriebssystemen und teilweise sehr kompakten Schachtlösungen wieder auf. Bei diesen Aufzügen ist es gewissermaßen selbstverständlich, dass die Antriebslösung mit dem Schacht kombiniert ist, d. h. es handelt sich hier meist um eine triebwerksraumlose Lösung.
 
Diese Aufzüge stellen die komfortablere Ausführung der aus dem angelsächsischen Bereich bekannten Homelifts dar, die mit ihren schienengeführten Sitzen, bzw. Sesseln entlang eines Treppenlaufes ebenfalls an verschiedenen Ständen zu sehen waren. Zu bemerken ist jedoch, dass die Anzahl der Aussteller weiter zugenommen hat, die neben solchen Homelifts gleichzeitig vereinfachte Personenaufzüge mit im Programm haben. Nicht zu vergessen ist die Erweiterung der Produktpalette von Herstellern, die im angestammten Baukastensystem Kleingüteraufzüge in ihrem Programm haben, um solche Aufzüge in erweiterter oder perfektionierter Form.
 
Als Sonderheit ist ein aus USA kommender Aufzug zu nennen, der eine Bauartprüfbescheinigung aufweist und eine runde Kabine in einem eng tolerierten runden Schacht hat, die durch ein Gebläse im Schacht bewegt wird. Die Bewegung nach oben erfolgt durch Ansaugen von Luft und das Absenken durch kontrolliertes Luft entweichen lassen. Da der Schacht eng toleriert ist, besteht systembedingt angabegemäß keine Absturzgefahr.
 
Die Erhöhung des Wirkungsgrades einer Aufzugsanlage durch Getriebe mit geringeren Verlusten ist über viele Jahre hinweg eine Diskussion gewesen, bei der mechanische und elektrische Verluste sehr detailliert gegeneinander gerechnet worden sind. Dieses Rechnen ist durch die getriebelosen Synchronmaschinen in der Vergangenheit insbesondere in Bezug auf den Strombedarf der elektromagnetischen Bremsen erweitert worden. Diese getriebelosen Synchronmaschinen wurden auf der Messe in größerer Artenvielfalt genauso selbstverständlich gezeigt, wie parallel dazu alt hergebrachte Schneckengetriebe mit Treibscheibe, die über eine Kupplung mit Asynchronmaschinen angetrieben werden. Offensichtlich gibt es in einzelnen Ländern noch eine sehr unterschiedliche Antriebstechnik. Eine bekannte Planetengetriebelösung ist für verschiedene Einsatzzwecke weiter angepasst und perfektioniert worden, sodass sich gegenüber den getriebelo-sen Synchronmaschinen Anwendungsnischen ergeben. Dies resultiert aus der konstruktiven Weiterbearbeitung und Komplettierung, die Steuerungselektronik, Regelungssystem und eine Vorkonfektionierung beinhaltet. Unabhängig von der Art des Getriebes, bzw. des getriebelosen Antriebes sind die Bremssysteme in Bezug auf Bremskraft, Stromverbrauch und Bremsbelagskontrollmöglichkeit weiterentwickelt worden.
 
Das bei Aufzugsantrieben mit sehr hohem Wirkungsgrad vorhandene mögliche Gefährdungspotenzial, wenn ein Aufzug in der Haltestelle mit geöffneten Schachttüren steht, ist als Problem auf der Messe nicht besonders herausgestellt worden. Nicht alle Aussteller haben eine besondere Bremskontrolle ihres Antriebes vorgesehen, da die Bremseinrichtungen für die Hersteller der Getriebe und der Motoren Zukaufteile sind. Wenn Getriebe, bzw. Motor und Steuerung/Regelung nicht aus einer Hand sind, bleibt diese Kontrolleinrichtung gewissermaßen auf der Schnittlinie der Komponenten unzureichend beachtet, zumal von der Vorschriftenseite diese Überwachung nicht explizit gefordert ist. Diese Abstimmung zwischen Antriebsmotor, Steuerung und Regelung mit verbundenen Komponenten wird im Gegensatz zur letzten interlift von einer ganzen Reihe von Anbietern vorgestellt, teilweise auch mit Bauartprüfbescheinigungen. Wenn der Anbieter die Abstimmung der angebotenen Komponenten im Paket verantwortlich geprüft hat, erleichtert dies dem Anwender den korrekten Einsatz.
 
Das Bussystem „Can-open“ war auf der letzten interlift in einem Gemeinschaftsstand verschiedener Hersteller vertreten. Die Marktdurchsetzung ist nicht in dem Umfang erfolgt, wie es der Gemeinschaftsstand der letzten interlift vermuten ließ. Da dieses System nicht von allen Herstellern gleich verwendet wird, wird sich die durchgängige Anwendung nur zwischen den Firmen durchsetzen, die sich für die Anwendung entschieden haben. Einzelnen Herstellern ist es jedoch gelungen, auf dieser Basis anspruchsvolle Aufzüge mit mittelständischen Montagefirmen zu realisieren, die bisher den großen Aufzugsfirmen vorbehalten waren.
 
Verstärkt war festzustellen, dass die Ausstattung der Steuerungen auch Anforderungen moderner Leittechnik erfüllen. Die Lösungen beziehen sich auf unterschiedliche Arten von Zentralen und erlauben das Einbinden der Monteurverständigung über SMS oder E-Mail einschließlich der Ferndiagnose, Fernparametrierung und der statistischen Auswertung von Betriebsdaten. Die Innovationsbemühungen haben sich vom einzelnen Produkt hinweg zur Kombination mit anderen Bauelementen verschoben, wodurch Zulieferungen zu größeren Aufzugsfirmen möglich wurden. Insgesamt ist bei den Steuerungsherstellern festzustellen, dass die Steuerungsmerkmale in Richtung Komfort und Zuverlässigkeit weiterentwickelt worden sind, sodass ein hoher technischer Standard angeboten ist. Dieser Standard ist zwischen den Anbietern der verschiedenen Länder unterschiedlich hoch.
Für die Schachtkopierung wurden perfektionierte separate Systeme gezeigt, neben den bei Steuerungsherstellern integrierten Lösungen. Die Positionserfassung der Kabine im Schacht bleibt bei allen besseren Systemen nach einem Spannungsausfall ohne erforderliche Lernfahrt erhalten, sodass eine Evakuierungsfahrt mit Ersatzstrom problemlos durchgeführt werden kann. Einrichtungen für eine Ersatzstromversorgung mit Batteriepufferung erlauben das Durchführen von Evakuierungsfahrten auch bei einem nicht vorhandenen gebäudemäßigen Ersatzstromnetz. Steuerungslösungen höherer Qualität können problemlos Betriebssituationen wie Spannungsausfall, Brandfallsteuerungen oder Feuerwehrfahrt beherrschen.
 
Eng verbunden mit den Steuerungen sind die Regelungen. Die Schnittlinie zwischen beiden vermischt sich bei vielen Anbietern immer mehr, was sich aus dem Trend ableitet, Paketlösungen anzubieten. Die sicherheitsmäßige Auswertung von Antriebseigenschaften muss über die Steuerung erfolgen, was bei einer durchgängigen Bus-Technik verhältnismäßig einfach lösbar ist. Die zum Einsatz kommenden Umformer und Regelgeräte können bei größeren Leistungen auch eine Netzrückspeisung durchführen, allerdings mit sehr unterschiedlicher Qualität des rückgespeisten Stromes. Für den systembezogenen Anbieter ist es hierbei selbstverständlich, dass Filter zur Verminderung der EMV-Einflüsse zum Einsatz kommen. Die Leistungsgrößen der vorgestellten getriebelosen Synchronmaschinen haben sich stark nach oben verschoben, sodass Aufzugsleistungen mit 2700 kg und 4,0 m/s Fahrgeschwindigkeit im Komponentenbereich erhältlich sind, wie auch kleinere Maschinen für Leistungsnummern von 630 kg und 1,0 m/s.
 
Befehlsgeber und Signaleinrichtungen wurden in vielen Varianten in der klassischen Darstellung gezeigt, ferner verschiedentlich Flachbildschirme für Sonderanzeigen und Informationen. Der Anwendungsbereich für Behinderte nimmt zunehmend einen größeren Raum ein, wie beispielsweise Ellbogenschalter oder akustische Signalisierungen. Bedientableaus mit einer Glasscheibenabdeckung und hinterlegten berührungssensitiven Befehlsgebern, wie auch das Anbringen von berührungssensitiven Befehlsgebern hinter Glasflächen einer Aufzugsumhausung runden die vorgestellte Angebotspalette ab.
 
Fahrtreppen und Teile für Fahrtreppen waren bei verschiedenen Anbietern zu sehen. Diese kamen vorwiegend aus der Türkei, bzw. dem ostasiatischen Raum. Die Angebotsvielfalt von Einzelteilen war hierbei bemerkenswert, wobei ein ausdrücklicher Bezug auf die jeweiligen ursprünglichen Fabrikate gegeben worden ist. Aus den USA stellte ein Anbieter die Vorteile von Handläufen auf der Basis von thermoplastischem Polymer vor. Diese Handläufe sind einfärbbar und können bei Bedarf mit einem antibakteriellen Schutz ausgerüstet werden. Sie sind zwar nicht neu, jedoch in Europa bisher wenig im Einsatz.
 
Planungssoftware, computergestützte Mess- und Prüfgeräte und Informationseinrichtungen gaben einen Ausblick auf die neuerdings verstärkt zum Einsatz kommende Ethernet basierter Rechnertechnik, bei der Besucher geleitet, bzw. informiert werden können, was einem zunehmenden Komfortbedürfnis entgegen kommt. Verschiedene Prüflabors haben ihr Leistungsspektrum für Komponentenprüfungen oder das Erstellen von Bauartprüfbescheinigungen vorgestellt.
 
Auffallend war, dass Aussteller, die als Anwendung den Aufzugsbau als nicht angestammtes Anwendungsgebiet vorhandener Produkte neu aufgenommen haben, sich verschiedentlich wieder zurückgezogen haben und auf der diesjährigen Messe nicht mehr vertreten waren. Dies lässt jedoch keinen Rückschluss auf die Branche zu, da für Außenseiter der Aufzugbau häufig wegen herausragender Neuanlagenlösungen attraktiver erscheint, als er für den Insider ist. Im europäischen Bereich ist die Anzahl der neu errichteten Anlagen nicht mit besonderen Wachstumsraten gesegnet. Eine bessere Situation ergibt sich selbst in den Vereinigten Staaten und vor allen im ostasiatischen Raum. Im ostasiatischen Raum ist jedoch eine Industrie gewachsen, die praktisch alle Komponenten im eigenen Lande herstellt, teilweise in Kooperation mit einer größeren europäischen oder amerikanischen Aufzugsfirma. Damit sind diese Länder trotz des enorm hohen Aufzugsbedarfes für Export nur in geringerem Umfang interessant. Ob umgekehrt Produkte aus diesen Ländern in Europa einen Markt finden werden bleibt abzuwarten. Wenn Stückzahlen aus dem ostasiatischen Raum in Europa verkauft werden sollen, dann muss dafür eine Vermarktungsbasis vorhanden sein. Diese ist bei den eingesessenen Komponentenhändlern häufig insofern nicht gegeben, als diese ihre bisherigen Kunden mit Komponenten beliefern müssen, für die es auch einen Ersatzteilservice gibt. Der Ersatzteilservice dürfte das Hauptproblem für den globalen Bauelemente- oder Komponentenhandel darstellen. Bis heute ist festzustellen, dass es zwischen den Komponentenhändlern ohne eigene Fabrikation in der Regel eine langjährige Vertragsbindung zu zuverlässigen Herstellern gibt.
 
Der Messeveranstalter kann auf eine Messe zurückblicken, die voller Superlative war. Dies bezieht sich auf die Anzahl der Aussteller, die internationale Beteiligung und den beachtlichen Besucherzustrom. Viele der Besucher werden mit zusätzlichen Anregungen für eigene Produkte nach Hause gegangen sein, aber auch mit neu geknüpften Geschäftsverbindungen. Die interlift 2005 hat sowohl als Messe, wie auch mit dem eingegliederten Rahmenprogramm, einen umfassenden Überblick und Querschnitt zum Stand der heutigen technischen Lösungen gegeben. Sie ist als positives Signal für den internationalen Aufzugsmarkt zu werten.
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