Ausgabe 6/2006
11/01/06
Oskar Rosin verabschiedet

Am 22. 9. 2006 wurde Oskar Rosin in Hannover von Dr. K. Kleinherbers, Geschäftsführer der TÜV NORD Systems GmbH, feierlich in den Ruhestand verabschiedet. Fast drei Jahrzehnte hatte er dem Fachbereich Aufzugstechnik der TÜV Nord Gruppe richtungsweisende Impulse gegeben. Der Inhaber der Fa. OSMA und Vorsitzende des Fachverbandes Aufzüge und Fahrtreppen im VDMA Albert Schenk sprach ihm zu Ehren launig und von zahlreichen Bildern begleitet über die „Faszination Aufzug – von gestern bis übermorgen“.
Kategorie: Fachaufsaetze Ausgabe 6/2006
Erstellt von: Editor
Geboren wurde Oskar Rosin im Jahr 1943 im heutigen Lodz, er teilte mit vielen das Los, die Heimat verlassen zu müssen. Zunächst fand die Familie in der Nähe von Lüneburg eine Bleibe, zog aber 1954 nach Uelzen um, wo er 1964 seine Schulbildung mit dem Abitur abschloss. Es folgte die Einberufung zur Bundeswehr, sodass er erst 1966 in Hannover das Studium der Elektrotechnik beginnen konnte. 1973 verließ er mit dem Diplom in der Tasche die Hochschule und fand im Labor für Eisenbahnsignaltechnik der Fa. Siemens in Braunschweig seine erste Anstellung als Entwicklungsingenieur. Hier kam er mit den Möglichkeiten und Problemen von Sicherheitsschaltungen in Kontakt, einem Gebiet der Elektrotechnik, das ihn während seiner gesamten beruflichen Laufbahn begleiten sollte. Am 1. 1. 1978 begann seine Tätigkeit beim damaligen TÜV Hannover, wo er nach sorgfältiger Einarbeitung zunächst als Sachverständiger für Aufzugsanlagen arbeitete.
Seine Fähigkeiten, komplexe technische Sachverhalte schnell zu erfassen und sie auf ihre Brauchbarkeit und Sicherheit zu beurteilen gepaart mit einem freundlichen Wesen im Umgang mit Kollegen und Kunden, blieben seinen Vorgesetzten nicht verborgen. So übernahm er nach und nach Führungsaufgaben in der Niederlassung und im Fachbereich. Mit Ausscheiden von Heinz Eckhardt übernahm er 1984 die Verantwortung für den Fachbereich Aufzugstechnik im TÜV Hannover. Mit der Weiterentwicklung des Vereins (Vereinigung mit dem TÜV Sachsen- Anhalt, dann mit dem TÜV Nord und zuletzt mit dem RWTÜV) zur heutigen TÜV Nord Gruppe wuchs seine Verantwortung für die Aus- und Weiterbildung der Sachverständigen und die organisatorischen Verknüpfungen ständig weiter. Im Jahr 2000 übernahm er schließlich die Leitung des Competenz Centers Fördertechnik.
Im Jahr 1984 begann auch seine überaus erfolgreiche Arbeit in Gremien des Verbandes der Technischen Überwachungsvereine (VdTÜV), nationalen Gremien, wie dem DIN und dem Deutschen Aufzugsausschuss (DAA) seit 1986 sowie im DAfA seit seiner Gründung, in internationalen Institutionen, wie der Europäischen Normenorganisation (CEN) seit 1989 und in der Europäischen Koordinierung der benannten Stellen für Aufzüge (NB-Lift) seit ihrer Gründung 1997. In dieser Zeit war er an der Erarbeitung der TRA 1300 „Vereinfachte Personenaufzüge“, Beschreibung von Maßnahmen als Ersatz für Fahrkorbtüren bei Lastenaufzügen, Überarbeitung der Liste möglicher Fehlerausschlüsse von elektronischen Bauteilen bei der sicherheitstechnischen Beurteilung von Sicherheitsschaltungen (Anhang H der EN 81-1 und anderer Normen), an der Anpassung der sicherheitstechnischen Anforderungen (Sicherheitsstufen) an programmierbare elektrische Sicherheitsschaltungen an die Erfordernisse im Aufzugsbau (Ergänzung 1 zur EN 81-1 und anderer Normen) und an der Schaffung des Umbaukataloges maßgeblich beteiligt. Mit der TRA 1300 wurden die Grundsteine für Aufzugsanlagen ohne Triebwerksraum gelegt. Zu Beginn der 90er-Jahre entwickelte der TÜV Bayern ein Prüfsystem, das es erlaubte, wiederkehrende Hauptprüfungen an Aufzugsanlagen ohne das Schleppen von Gewichten durchzuführen. Diese Entwicklung ließ Oskar Rosin nicht ruhen. Zusammen mit Kollegen aus der Dienststelle Bielefeld entwickelte er ein eigenes System, das ebenfalls vom DAA als gleichwertig anerkannt worden ist. Er war auch stets gerne bereit, sein Wissen und seine Erfahrungen in Form von Vorträgen, z. B. anlässlich der Heilbronner Aufzugstage, oder Artikeln im Lift-Report einem breiteren Publikum zur Verfügung zu stellen.
Mit Veröffentlichung der Maschinenrichtlinie 1989 und der Aufzugsrichtlinie 1995 ergab sich die Notwendigkeit, nationale Prüfstellen so umzustrukturieren, dass sie den Anforderungen an europäisch anerkannte Stellen – sog. Notified Bodies oder benannte Stellen – erfüllen konnten. Oskar Rosin verantwortete diese Maßnahmen im eigenen Haus und erreichte für den TÜV Hannover/Sachsen- Anhalt als einer der ersten Prüfstellen diesen Status. Darüber hinaus stellte er sein Wissen auch in den dazugehörenden übergeordneten Gremien zur Verfügung.
Immer wieder wurde er von Aufzugsherstellern mit der Beurteilung von Neuentwicklungen beauftragt. Maßstäbe seiner Beurteilungen waren dabei weniger die festgelegten Technischen Regeln oder Normen sondern eine sorgfältige Risikoanalyse mit dem Ziel, festzustellen, ob durch die vorgestellte technische Lösung das kodifizierte Sicherheitsniveau auf andere Weise erreicht oder gar übertroffen wurde. Otis holte ihn 1990 zur Beurteilung des Lineardrive nach Gien, Frankreich, einem serienreifen Antriebskonzept, das jedoch später vom Management nicht freigegeben wurde. Mit seiner positiven Stellungnahme zum MonoSpace ® von KONE im Jahr 1995 im Rahmen einer allgemeinen Ausnahmegenehmigung nach der Aufzugsverordnung hatte er wesentlichen Anteil an einem großen Umbruch in der Aufzugstechnik: der Einführung der triebwerksraumlosen Aufzüge. Diese Stellungnahme hat ihm manche, wie sich aus heutiger Sicht zeigt, unberechtigte Kritik eingetragen. Sie beruhte meist auf unzureichenden Kenntnissen der Einzelheiten der Stellungnahme.
Oskar Rosin kann sich nun das weitere Geschehen im Aufzugsbau aus der Distanz betrachten. Er hat sich um den Aufzugsbau verdient gemacht und ein Stück weit seine Geschichte mitgeschrieben. Man wird sehen, ob er gelegentlich doch noch sein Wissen und seine Erfahrung in Form von Gutachten, Vorträgen oder Beiträgen in Zeitschriften zur Verfügung stellt. Die Familie der Aufzugsbeflissenen wird ihn vermissen. Alle, die ihn kennen und z. T. lange Jahre mit ihm zusammenarbeiteten, hoffen, dass er mit seiner Frau noch viele Jahre Zeit findet, all die Dinge zu tun, die bisher vertagt wurden, und dass die berufsbedingten Verschleißerscheinungen nicht so gravierend sind, dass sie den geruhsamen Ruhestand beeinträchtigen könnten. Alles Gute für den neuen Lebensabschnitt!
Claus Gareis
6/2006


